Eine Woche zuvor war Werder in Freiburg mit 1:4 untergegangen, die Stimmung an der Weser lag am Boden, der Trainer musste seine Transferpolitik verteidigen. Dann kam das erste Heimspiel – und die Rückkehrer trafen.
Ein Kopfball aus zwölf Metern
68. Minute, Ecke für Werder, Marco Grüll bringt den Ball herein. Niclas Füllkrug steigt am Elfmeterpunkt hoch und köpft ins Leipziger Tor. Es war der Treffer zum 2:0, nicht zum Sieg – den hatte Eren Dinkçi bereits in der vierten Minute vorbereitet gefunden. Aber es war der Treffer, nach dem im Weserstadion nichts mehr zu befürchten war.
Füllkrug selbst wusste, was er da gemacht hatte. Ob den jeder Spieler aus dieser Entfernung mache, fragte er hinterher in den Raum – und beantwortete es sich mit dem Hinweis, er habe ihn gut getroffen. Nach dem 1:4 in Freiburg, bei dem er hinter den Erwartungen geblieben war, ist das die Art Selbstbewusstsein, die eine Mannschaft mehr trägt als jedes Trainerwort.
Der Jubel, der keine Choreografie brauchte
Was danach folgte, lief vor der Fankurve ab und dauerte länger als üblich. „Es fühlt sich teilweise unwirklich an“, sagte der 33-Jährige später über die Rückkehr in ein Stadion, in dem er zwischen 2019 und 2023 zum Nationalstürmer geworden war. Er habe nach dem Tor gespürt, dass es hier emotionaler sei als anderswo.
Daniel Thioune hob dabei nicht nur das Tor hervor. Dem Trainer war die kompromisslose Grätsche direkt nach Anpfiff genauso wichtig – „Leading by Performance“ nannte er das hinterher. Für eine Mannschaft mit sechs Neuen in der Startelf ist das die brauchbarere Botschaft.
Sieben Jahre gegen Leipzig
Der sportliche Wert des Abends steckt in der Statistik: Es war der erste Bundesligasieg gegen RB Leipzig seit rund sieben Jahren.
- 3:1 vor 39.700 Zuschauern im Weserstadion
- Torfolge: Dinkçi (4.), Füllkrug (68.), Grüll (80.) – Baku (90.+5)
- Erwartete Tore: 1,02 für Werder, 1,65 für Leipzig
Die xG-Werte erzählen die ehrlichere Geschichte. Leipzig hatte mehr Ballbesitz, mehr Zugriff auf das Spiel und die besseren Ausgangslagen – und verlor trotzdem klar, weil Werder aus wenig alles machte. Martín Demichelis sagte hinterher schlicht, seine Mannschaft müsse lernen.
Und dann ausgerechnet Dortmund
Der Kalender hat für diesen Neuanfang schon die passende Pointe parat. In der zweiten DFB-Pokalrunde geht es zu Borussia Dortmund – Füllkrugs Ex-Klub, jener Verein, mit dem er 2024 im Champions-League-Finale stand. Er freue sich darauf, sagte er, hätte die Aufgabe aber gern ein paar Runden später gehabt.
Zwei Spieltage, ein 1:4 und ein 3:1. Wer aus dieser Kurve schon eine Richtung ableitet, hat in Bremen noch nie eine Saison verfolgt.

