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90PLUS » Frankreichs Klubs finden keine Käufer mehr
Fußball NewsLigue 1

Frankreichs Klubs finden keine Käufer mehr

Fritz Pecker
11.09.26, 09:46
Fritz Pecker
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PSG, Ligue 1
(Foto: Getty Images)

Olympique Lyon wurde im Juni verkauft. Der Preis für 87,8 Prozent des siebenmaligen französischen Meisters: 30 Millionen Dollar. Wer verstehen will, in welchem Zustand der französische Fußball ist, braucht nicht mehr als diese eine Zahl.

Die Zahl, um die sich alles dreht

Für die Saison 2026/27 werden sich die 18 Klubs der Ligue 1 nach Projektionen rund 184,1 Millionen Euro an TV-Einnahmen teilen. Das ist nicht der Betrag pro Verein. Das ist der gesamte Topf.

Zum Vergleich: Der inländische Premier-League-Vertrag für 2025 bis 2029 hat einen Gegenwert von etwa 1,7 Milliarden Pfund pro Saison. Die Ligue 1 kommt damit auf weniger als ein Zwölftel der englischen Summe. Das verschiebt nicht nur die Kadergrößen, sondern die gesamte betriebswirtschaftliche Logik eines französischen Klubs.

Wie es so weit kam

Der Weg dorthin ist gut dokumentiert und in seiner Wiederholungsstruktur bemerkenswert.

Jahr Ereignis
2018 LFP vergibt Rechte an Mediapro und beIN, Vertragswert über 1,15 Mrd. € pro Jahr
2020 Mediapro zahlt nicht, Vertrag über 3,25 Mrd. € wird nach einer halben Saison beendet
2022 CVC steigt für 1,5 Mrd. € mit 13 Prozent bei LFP Media ein
2024 DAZN übernimmt, Girondins Bordeaux meldet Insolvenz an
2025 DAZN steigt nach einer Saison aus, LFP startet eigenen Dienst Ligue 1+
2026 CVC schreibt den Wert der eigenen Beteiligung um rund 73 Prozent ab

Die Eigentümer fliehen nicht – sie kommen nicht weg

Das Bild vom fluchtartigen Rückzug der Investoren trifft die Lage nur zur Hälfte. Zutreffend ist: Es wird verkauft. John Textors Eagle-Konstruktion ist bei Lyon Geschichte, Michele Kang übernahm im Juni die Mehrheit und sagte zusätzlich bis zu 71 Millionen Euro frisches Kapital für zwei Spielzeiten zu. Zuvor hatte ein Gläubiger einen Verwalter für Textors Holding eingesetzt.

Nur: Ein Verkauf zu 30 Millionen Dollar für einen Klub dieser Größe ist kein Exit. Das ist eine Notabgabe. Und bei Olympique Marseille, wo Frank McCourt seit 2016 im Amt ist, lautet die offizielle Position weiterhin, dass der Verein nicht zum Verkauf steht – während regionale Medien berichten, jenseits der Milliardenmarke sei die Tür durchaus offen. Zwischen „will verkaufen“ und „würde bei einem Fantasiepreis verkaufen“ liegt der gesamte Kern dieser Geschichte.

Was die Bilanzen sagen

Nach dem UEFA-Finanzbericht für 2024/25 wies Marseille zum 30. Juni 2025 einen Vorsteuerverlust von 105 Millionen Euro aus. Lyon lag bei 196 Millionen. Europaweit hatten nur Chelsea und Tottenham beziehungsweise Lyon selbst noch höhere Fehlbeträge. Bordeaux, Meister von 2009, hat seinen Profistatus bereits abgegeben.

Die Folge ist sichtbar auf dem Platz: Französische Klubs verkaufen ihre besten Spieler nicht mehr, weil es sich lohnt, sondern weil es sein muss. Marseille verlor im Sommer gleich mehrere Stammkräfte. Die Ligue 1 ist zur Ausbildungsliga geworden – nicht aus Überzeugung, sondern aus Kassenlage.

Ein Ausschreibungsverfahren als Hoffnungsträger

Die LFP zieht die Konsequenz und beginnt früh: Im Oktober soll das Verfahren für den Rechtezyklus ab 2029/30 starten. LFP-Media-Präsident Olivier Bramly hat laut L’Équipe bereits mit Apple, Amazon, Netflix und Paramount gesprochen, dazu mit Canal+, das weiterhin Interesse signalisiert. Ligue 1+ hält die Exklusivrechte bis zum Ende der Saison 2028/29 und hatte zwischenzeitlich über eine Million Abonnenten.

Ein Modell, das sich selbst korrigiert – nur langsam

Der eigene Streamingdienst war die einzig verbliebene Option, nicht die beste. Er tauscht garantierte Senderzahlungen gegen Abonnentenrisiko, und genau dieses Risiko tragen jetzt 18 Klubs gemeinsam.

Wer den französischen Fußball für ein Einzelphänomen hält, sollte sich ansehen, wie viele europäische Ligen derzeit von zwei bis drei zahlungsfähigen Bietern abhängen. Frankreich ist nicht der Sonderfall. Frankreich ist nur zuerst dran gewesen.

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