31 Prozent der Befragten in 22 Märkten halten Liverpool für kulturell einflussreich. Der Zweitplatzierte kommt auf 25. Eine bemerkenswerte Zahl – und ein bemerkenswerter Ort der Veröffentlichung.
Was die Untersuchung gemessen hat
Die Erhebung stammt von den Marktforschern Harris & Toluna und lief über 22 internationale Märkte. Gefragt wurde nicht nach Titeln, Zuschauerzahlen oder Umsätzen, sondern danach, welche Organisationen den größten Einfluss auf Kultur haben – auf Mode, auf gesellschaftliche Gespräche, auf digitale Trends, auf Inhalte, die Menschen teilen und diskutieren.
Ergebnis: Liverpool liegt vor allen anderen abgefragten Fußballklubs, darunter Real Madrid, Manchester United, Arsenal, Chelsea und der FC Barcelona. Über den Fußball hinaus rangiert der Klub laut Erhebung auch vor anderen globalen Sportrechteinhabern. In den USA nannten 18 Prozent Liverpool als kulturell relevantesten europäischen Fußballklub, der Zweite kam dort auf 13 Prozent.
Der Kontext, der in den meisten Meldungen fehlt
Die Studie wurde am Montag auf der offiziellen Klubwebsite veröffentlicht. Das Institut arbeitet unabhängig, das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist der Auftragszusammenhang: Die Erhebung entstand nach Klubangaben als Teil der laufenden Arbeit mit Partnern, um Marken- und Zielgruppenwirkung besser zu verstehen. Übersetzt heißt das: Es handelt sich um Marktforschung im Sponsoring-Umfeld, nicht um eine akademische Studie zur Kulturgeschichte des Fußballs.
Die Frage ist deshalb nicht, ob die 31 Prozent stimmen. Sie sind sauber erhoben. Die Frage ist, wofür diese Zahl gebraucht wird.
Das Timing ist kein Zufall
Liverpool hat Anfang September seine 17 Jahre laufende Partnerschaft mit Standard Chartered als Trikotsponsor beendet und einen neuen Hauptpartner präsentiert. Ein Klub, der gerade sein größtes Sponsoringpaket neu bepreist, veröffentlicht eine Erhebung, die seine kulturelle Reichweite in 22 Märkten belegt. Wer Bielsa kennt, weiß: Solche Dinge passieren selten aus Sentimentalität.
Woher die Substanz tatsächlich kommt
Dass Liverpool bei einer solchen Frage vorne landet, ist trotzdem nicht überraschend. Wenige Klubs haben eine derart ausgeprägte eigene Fankultur mit eigenen Codes, wenige sind so eng mit einer Stadt und ihrer Industriegeschichte verwoben, und kaum ein anderer hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten so konsequent Erzählungen produziert, die über den Sport hinauswirken. Das ist keine Marketingerfindung, sondern gewachsene Substanz.
Nur lässt sich beides eben nicht sauber trennen: die Kultur, die von unten entstanden ist, und die Vermarktung dieser Kultur von oben.
Auf dem Platz sieht es unruhiger aus
Sportlich beginnt die Saison 2026/27 unter neuer Führung. Andoni Iraola hat im Sommer übernommen, nachdem Arne Slot im Mai entlassen worden war. Der Start verlief durchwachsen: zwei Unentschieden gegen Newcastle United und Nottingham Forest, jeweils 2:2, dazu ein 2:0 bei Ipswich Town. In der Champions League empfing der Klub zum Auftakt Atlético Madrid an der Anfield Road.
Zwei Tabellen, die nichts miteinander zu tun haben
Ein Klub kann gleichzeitig die kulturell einflussreichste Marke des Weltfußballs sein und in der Liga hinterherlaufen. Die eine Position wird in Umfragen vergeben, die andere samstags.
Der Unterschied zwischen beiden ist die Zeit, die sie brauchen, um sich zu verändern. Eine Tabelle kippt in vier Wochen. Eine Marke, die auf Jahrzehnten von Fankultur ruht, hält das ein paar Spielzeiten aus – aber eben auch nicht ewig.

