Drei Bundesliga-Spiele, drei Tore – und das ausschließlich als Einwechselspieler: Maurice Krattenmacher hat seinen bemerkenswerten Saisonstart bei der SV Elversberg auch gegen seinen Ex-Klub FC Bayern fortgesetzt. Beim 1:2 gegen den Rekordmeister erzielte der 21-Jährige den zwischenzeitlichen Ausgleich und stellte damit eine ligaübergreifende Bestmarke auf: Kein Einwechselspieler in Europas Top-5-Ligen war in dieser Saison bislang erfolgreicher.
Ein Traumtor gegen den Ex-Klub
Krattenmacher, der im Sommer für zwei Millionen Euro inklusive Rückkaufoption aus München ins Saarland gewechselt war, blieb unter Trainer Vincent Wagner bislang ohne Startelfeinsatz. Beim 3:2-Auftaktsieg gegen Bayer Leverkusen wurde er erst in der 65. Minute eingewechselt, eine Woche später beim 4:3 in Mönchengladbach traf er nach seiner Einwechslung doppelt und drehte damit die Partie. Gegen Bayern ersetzte er zur Pause Cole Campbell und glich in der 61. Minute mit einem sehenswerten Schlenzer aus der Distanz zum 1:1 aus – nachdem Lennart Karl die Münchner zuvor in Führung gebracht hatte (26.). Bayern-Trainer Vincent Kompany reagierte auf den Rückstand mit einem Vierfachwechsel, ehe Harry Kane in der 72. Minute nach Zuspiel von Aleksandar Pavlović den 2:1-Siegtreffer erzielte – für den Engländer ein weiterer Meilenstein in seiner beeindruckenden Bundesliga-Torbilanz. Durch den Sieg kletterte Bayern mit sieben Punkten auf Rang vier, Elversberg rutschte nach der ersten Saisonniederlage auf Platz sechs ab.
Europas bester Joker
In allen europäischen Top-5-Ligen, die bereits ihren vierten oder fünften Spieltag absolviert haben, ist Krattenmacher aktuell der treffsicherste Einwechselspieler der Saison. Nur er kommt bislang auf drei Joker-Tore. Jeweils zwei Treffer als Einwechselspieler erzielten unter anderem Weltmeister Ferran Torres (PSG), Felix Nmecha (BVB), Tim Skarke (Union Berlin) und Edon Zhegrova (Juventus Turin).
Vom Zweitliga-Ausleihspieler zum Bundesliga-Joker
Krattenmachers Entwicklung verlief zuletzt steil nach oben: Während seiner Leihe bei Hertha BSC in der vergangenen Saison kam er in 22 Zweitliga-Partien lediglich auf ein Tor. Für Elversberg hat er diese Ausbeute bereits nach drei Bundesliga-Spieltagen deutlich übertroffen – in gerade einmal 96 Minuten Einsatzzeit erzielte er ebenso viele Tore wie zuvor in 54 Zweitliga-Partien für Ulm und Hertha zusammen. Der gebürtige Bad Aiblinger war 2013 in die Bayern-Jugend gewechselt, ging zwischenzeitlich zur SpVgg Unterhaching und kehrte 2024 nach München zurück, ehe er nach Leihstationen in Ulm und Berlin im vergangenen Sommer fest nach Elversberg wechselte, wo sein Vertrag bis 2030 läuft.
Anerkennung von allen Seiten
Trotz der Niederlage überwog beim Aufsteiger der Stolz über die eigene Leistung. „Es war das erwartet schwere Spiel. Ich habe aber eine Mannschaft gesehen, die mittlerweile richtig gut Fußball spielen kann“, sagte Trainer Wagner nach der Partie und ergänzte mit Blick auf den Bayern-Vierfachwechsel: „Danach rollte der bayerische Zorn auf uns zu.“ Auch von Münchner Seite gab es Lob für den ehemaligen Schützling: „Das Tor macht er top, Kratti“, sagte sein früherer Teamkollege Pavlović. Sportvorstand Max Eberl stellte fest: „Der scheint momentan einen Lauf zu haben.“ Besonders herzlich fiel die Reaktion von Trainer Kompany aus, der Krattenmacher nach Abpfiff lachend in den Schwitzkasten nahm.
Kein Interesse an überstürzter Rückkehr
Schon vor dem Wiedersehen mit seinem Ex-Klub hatte Krattenmacher im Interview mit den „OVB Heimatzeitungen“ deutlich gemacht, wie er seinen bisherigen Karriereweg einordnet: „Ich bin eher jemand, der gerade in diesem Alter Spielzeit haben will. Und ich glaube, da muss man manchmal Umwege gehen. Vermeintlich einen Schritt zurück, um dann zwei Schritte nach vorne zu machen.“ Eine Rückkehr zu Bayern schloss er dabei nicht grundsätzlich aus, betonte aber vor allem, mit seinem bisherigen Weg zufrieden zu sein: „Ich glaube, bis jetzt hat das alles ganz ordentlich geklappt.“

