4:0 zum Auftakt gegen Straßburg. Das war der Beweis, dass es funktioniert. Seitdem: drei Spiele, drei Niederlagen, ein Tor zu wenig in jedem einzelnen davon – und eine Stadt, die für Geduld nicht gerade berühmt ist.
Das Rechenspiel
| Spieltag | Gegner | Ergebnis |
|---|---|---|
| 1 | Straßburg (H) | 4:0 |
| 2 | AS Monaco (A) | 0:2 |
| 3 | Paris FC (H) | 2:3 |
| 4 | Stade Rennes (A) | 0:1 |
Drei Punkte nach vier Spieltagen. Für eine solche Bilanz muss man in der jüngeren Klubgeschichte bis in die Saison 2005/06 zurückgehen. Das Spiel am Roazhon Park war dabei das grausamste der Serie: Marseille hatte die bessere erste Halbzeit, Igor Paixão köpfte an die Latte, Timothy Weah scheiterte aus der Distanz an Brice Samba, Pierre-Emile Højbjerg ließ eine Konterchance liegen. In der 52. Minute traf Adrien Thomasson, und danach verwaltete Rennes das Ding wie ein Spitzenteam.
Die Gretchenfrage: Liegt es am Trainer?
Bruno Genesio übernahm im Sommer von Habib Beye, nachdem er in Lille nicht verlängert hatte. Er kam mit offenen Augen – und mit dem Wissen, dass dieser Sommer kein normaler wird. Vor dem Rennes-Spiel betonte er, seine Mannschaft denke von Spiel zu Spiel, das Pressing funktioniere, die defensive Anordnung sei die Baustelle. Kein Mann, der Panik verbreitet.
Nur hilft ihm das gerade wenig. Denn die Probleme von Olympique Marseille stehen nicht in erster Linie auf dem Rasen.
Die Baustelle hinter der Baustelle
Der Klub hat innerhalb eines Jahres seine komplette Führungsebene ausgetauscht. Pablo Longoria ging im März, seit dem 2. Juli führt der frühere Orange-Chef Stéphane Richard den Verein als Präsident. Die Bücher, die er geerbt hat, sind tiefrot. Die DNCG hat OM im Juni Gehalts- und Transferausgaben gedeckelt, von der UEFA gab es zuvor eine Millionenstrafe samt Ausschluss auf Bewährung. Ein Klub, der in dieser Lage Leistungsträger wie Paixão auf dem Markt sieht, kämpft nicht um die Champions League, sondern um Substanz.
Genesio hat das im Sommer selbst offen angesprochen: Er müsse neben dem Training Dinge mit dem Präsidenten und Sportdirektor Greg Lorenzi regeln, und ein kürzeres Transferfenster wäre allen lieber gewesen. Man kann diesen Satz als Klage lesen. Man kann ihn auch als Frühwarnung lesen – ausgesprochen, bevor die Serie überhaupt begann.
Warum der 20. September alles entscheidet
Dazwischen liegt das Auswärtsspiel bei Beşiktaş in der Europa League, und dann kommt Paris Saint-Germain ins Vélodrome. Ein Klassiker, der in guten Zeiten eine Feier ist und in schlechten ein Tribunal. 65.000 Zuschauer, die seit drei Wochen nichts zu jubeln hatten, und ein Gegner, der in Frankreich seit Jahren macht, was er will.
Die Frage ist deshalb nicht, ob Bruno Genesio in Marseille Zeit bekommt. Zeit bekommt in Marseille niemand. Die Frage ist, ob die neue Führung um Stéphane Richard die Nerven hat, ihn zu geben – oder ob sie beim ersten Pfeifkonzert dieselbe Reflexbewegung macht wie alle Vorgänger. Der Verein hat in den vergangenen fünf Jahren mehr Trainer verschlissen als Titel geholt. Wer glaubt, der nächste Wechsel löse irgendetwas, hat die Bilanzen nicht gelesen.

