Der Bundesliga-Abstiegscheck: Wieder Drama bis zum letzten Spieltag?

12. Januar 2024 | Spotlight | BY Philipp Overhoff

Die Bundesliga steht kurz davor, ihren Spielbetrieb wieder aufzunehmen. Ein bis zum Ende enges Rennen im Tabellenkeller zeichnet sich dabei schon jetzt ab. Ein Überblick über alle beteiligten Teams.

Abstiegskampf verspricht traditionell Spannung

Während das Rennen um die deutsche Meisterschaft, mit Ausnahme der letzten Saison, in den vergangenen Jahren für nur wenig Spannung sorgte, so garantierte uns der Abstiegskampf quasi jährlich ein schier unermessliches Maß an Emotionen und Dramatik.

Am letzten Spieltag der abgelaufenen Saison schlug der VfL Bochum Bayer Leverkusen sensationell mit 3:0 und schaffte es noch an das rettende Ufer. Der VfB Stuttgart musste dafür den Gang in die Relegation antreten, Schalke 04 stieg sogar direkt ab.

Oder nehmen wir die Spielzeit 2021/2022. Durch das entscheidende Tor von Wataru Endo in der 92. Minute sprang der VfB noch über den Strich, woraufhin die Mercedes-Benz-Arena förmlich explodierte und der Platz gestürmt wurde.



Auch wenn die aktuelle Bundesliga-Saison erst 16 Spieltage jung ist, muss man wahrlich kein Prophet sein, um sich ähnliche Szenarien auch für den Mai des Jahres 2024 auszumalen. Zu viele Teams sind in den Abstiegskampf involviert, zu viele Teams liegen auch punktemäßig fast identisch nah beieinander.

Man kann zumindest dafür argumentieren, dass alle Teams bis einschließlich Platz neun das Thema Klassenhalt noch nicht gänzlich ad acta legen sollten. Fest steht aber auch: Einige dieser Mannschaften dürften mit deutlich größeren Kopfschmerzen in die Winterpause gegangen sein als andere.

Diese Teams dürften entspannt auf die Rückrunde blicken

1. FC Heidenheim

Zugegeben, eigentlich sollte der FC Heidenheim auf dieser Liste gar nicht auftauchen. Die Mannschaft von Frank Schmidt liegt mit 20 Punkten auf Platz 9 und befindet sich momentan deutlich näher an den europäischen Rängen als am Abstiegskampf. Mit dem aktuellen Punkteschnitt von 1,25 pro Spiel würde der FCH am Saisonende auf satte 43 Zähler kommen.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Schwaben in der Hinrunde das absolute Maximum aus ihren Möglichkeiten herausholten. Zieht man die Expected-Points-Tabelle der Bundesliga laut Understat heran, so findet man Heidenheim auf einmal auf dem letzten Platz. Der Liganeuling holte bisher 7,25 Punkte mehr als anhand der Spielverläufe eigentlich zu erwarten gewesen wäre. Komplett abschreiben sollte man das Thema Abstiegskampf an der Schwäbischen Alb also noch nicht.

VfL Wolfsburg

Der VfL Wolfsburg zählt definitiv zu den größeren Enttäuschungen dieser Hinrunde. Die auf dem Papier hochveranlagte Mannschaft von Niko Kovač holte neun Punkte aus den ersten vier Spielen, kommt seitdem aber gar nicht mehr in Tritt. Auffällig ist vor allem die enorme Abhängigkeit von Stürmer Jonas Wind. Der Däne war an 13 von 20 Wolfsburger Toren direkt beteiligt.

Dennoch besitzt der VfL eigentlich zu viel individuelle Qualität, um noch einmal so richtig in den Abstiegssumpf hereinzugeraten. Spieler wie Sommer-Neuzugang Lovro Majer verfügen über extremes Steigerungspotenzial. Wollen die Wölfte nochmal in Richtung der eigentlich anvisierten internationalen Plätze schielen, müssen sie sich aber gewaltig strecken.

Borussia Mönchengladbach

Bei der Borussia aus Mönchengladbach wechselten sich an den ersten 16 Spieltagen Licht und Schatten in absoluter Regelmäßigkeit ab. Wie schon in der Vorsaison gelang es der Mannschaft vom Niederrhein kein einziges Mal, zwei Spiele in Folge zu gewinnen. Aufgabe von Gerardo Seoane wird es also sein, seinem Team endlich die nötige Konstanz einzuimpfen.

Dennoch zeigte die Fohlenelf durchaus vielversprechende Ansätze. Mit 31 geschossenen Toren stellt Gladbach die immerhin sechstbeste Offensive der Bundesliga. Auch die starken Leistungen von Eigengewächs Rocco Reitz und Rückkehrer Manu Koné dürften den Borussia-Fans Hoffnung machen. Tendenz: In der Rückrunde geht es noch weiter nach oben.

(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Diese Teams haben noch Bauchschmerzen

FC Augsburg

Auch der FC Augsburg befindet sich mit acht Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz in vermeintlich sicheren Fahrwassern. Insbesondere seit der Ankunft von Trainer Jess Thorup entwickelten sich die Fuggestädter in die richtige Richtung und holten 13 Punkte aus neun Ligaspielen.

Mit Kapitän Ermedin Demirović (acht Tore, fünf Vorlagen) verfügt der FCA zudem über einen zuverlässigen Scorer, von dem die Offensive alles in allem aber noch zu abhängig ist. Trotzdem stehen die Chancen Stand jetzt mehr als gut, dass die Augsburger auch in der Saison 2024/2025 wieder in der Bundesliga spielen werden.

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SV Werder Bremen

Hinter Werder Bremen liegt ein durchaus erfolgreicher Dezember. Die Grün-Weißen holten gegen den FC Augsburg drei absolute Big Points und trotzten Gladbach und RB Leipzig jeweils einen Punkt ab. Die sich langsam anbahnenden Diskussionen um Trainer Ole Werner wurden damit relativ zügig wieder zu den Akten gelegt.

Der Vorsprung auf den FSV Mainz 05 beträgt derzeit sechs Punkte. Ein solides, aber keinesfalls beruhigendes Polster. Eine verletzungsfreiere Rückrunde von Naby Keïta dürfte die Abstiegssorgen der Werder-Fans auf jeden Fall mildern. Die individuelle Qualität eines Marvin Ducksch (sieben Tore, vier Vorlagen) sollte die Norddeutschen aus den ganz großen Abstiegsnot heraushalten.

VfL Bochum

Der VfL Bochum durchläuft mittlerweile seine dritte Bundesliga-Saison seit dem Aufstieg und die Chancen, dass noch eine vierte hinzukommt, stehen gar nicht mal so schlecht. Genau wie Werder Bremen konnten die Westfalen bisher 16 Punkte sammeln und haben somit sechs Zähler Vorsprung auf Platz 16.

Was VfL-Fans noch mehr Hoffnung machen sollte: In der Expected-Points-Tabelle liegt die Mannschaft von Thomas Letsch auf dem siebten (!) Platz. Der Traditionsverein aus dem tiefen Westen hätte also noch deutlich mehr Zähler holen können. Mit Bernardo verfügt Bochum außerdem über den besten Zweikämpfer der Liga. Keine schlechten Voraussetzungen für einen erneuten Überlebenskampf.

(Photo by Christof Koepsel/Getty Images)

Diese Teams zittern bis zum Schluss

1. FC Union Berlin

Von allen Bundesliga-Mannschaften hat Union Berlin in der Hinrunde die wohl größten Auf und Abs durchlebt. Unter der Woche Champions-League-Spiele gegen Real Madrid oder Napoli, am Wochenende dann knallharter Abstiegskampf. Nachdem die Eisernen zwischenzeitlich neun Ligapartien am Stück verloren, konnte Neu-Trainer Nenad Bjelica den Vorjahresvierten wieder etwas stabilisieren.

Durch Heimsiege über den FC Köln und Gladbach konnte Union immerhin noch auf Platz 15 und somit auf einen Nicht-Abstiegsplatz springen. Dennoch befinden sich die Köpenicker weiterhin mitten im Abstiegskampf und verfügen über die drittschwächste Offensive der Bundesliga. Kann der Stabilisierungsprozess unter Bjelica weiter fortgesetzt werden?

1. FSV Mainz 05

Auch der FSV Mainz 05 hat in dieser Saison bereits den Trainer getauscht. Nach knapp drei Jahren verließ Bo Svensson die 05er, auf ihn folgte Jan Siewert. Unter ihrem neuen Übungsleiter verzeichneten die Mainzer einen klaren spielerischen Aufwärtstrend, einzig die Ergebnisse bleiben noch etwas aus.

Auch der FSV performt nach Expected Points deutlich unter den Erwartungen, was vor allem mit der eklatanten Abschlussschwäche zusammenhängt. Insbesondere Ludovic Ajorque und Karim Onisiwo kommen längst nicht an ihr Niveau der Vorsaison heran. Das werden sie in der Rückrunde aber müssen, sonst könnte Mainz das erste Mal seit 2008 wieder der Gang in die Zweitklassigkeit drohen.

1. FC Köln

Das Aus von Steffen Baumgart, die Bestätigung der Transfersperre und dann die Verletzung von Mark Uth im Testspiel gegen Rot-Weiss Essen. Hinter dem 1. FC Köln liegen wahrlich rabenschwarze Wochen. Das Projekt Klassenerhalt gleicht für den neuen Trainer Timo Schultz einer Herkulesaufgabe.

Der ehemalige Coach des FC St. Pauli wird vor allem die Flaute im Kölner Angriff in den Griff kriegen müssen. Mit lediglich zehn Toren stellt der FC die harmloseste Offensive der Bundesliga. Unter all diesen schwierigen Umständen könnte das Erreichen des Relegationsplatzes schon als ein kleiner Erfolg gewertet werden.

SV Darmstadt 98

Schafft der Aufsteiger noch den Turnaround? Nach den ersten 16 Spieltagen hält der SV Darmstadt die rote Laterne in den Händen, was insbesondere an der mangelnden defensiven Stabilität liegt. Mit 41 Gegentoren stellen die Lilien derzeit die Schießbude der Liga.

Positiv aus Darmstädter Sicht: Immerhin die Offensive funktioniert einigermaßen. Mit 20 Treffern traf die Mannschaft von Thorsten Lieberknecht häufiger als die vier in der Tabelle davor platzierten Teams. Auch wenn der SV Darmstadt derzeit punktgleich mit Platz 16 ist, so dürfte ein Ligaverbleib doch eine absolute Mammutaufgabe werden.

(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)


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