Bobic bei Hertha BSC: Ausgereizt

Fredi Bobic im Profi
Spotlight

Kommentar | Unter Fredi Bobic sollte bei Hertha BSC alles besser werden. Doch der Sportdirektor muss mittlerweile aufpassen, nicht schon im ersten Amtsjahr jeglichen Kredit zu verspielen. Das liegt auch an seiner Art, findet Redakteur Julius Eid.

Bobic riskiert – und verliert

Die sportliche Lage bei Hertha BSC ist prekär. Das ist an den Ergebnissen des Klubs genau so ersichtlich, wie an der Tabellenposition. Mit dem dritten Trainer der laufenden Spielzeit stehen die Hauptstädter gerade auf einem direkten Abstiegsplatz, sind das schlechteste Team der Rückrunde. Nur ein einziger Sieg konnte im Jahr 2022 im deutschen Oberhaus gefeiert werden und auch neben dem Platz liegen die Nerven quasi durchgehend blank. Sei es wegen Investor Lars Windhorst oder jetzt wegen Fans, die nach einem desaströsen Derby fordern, dass die Spieler ihre Trikots abgeben. Dabei sollte doch alles besser werden in dieser Saison. Immerhin kam mit Fredi Bobic ein neuer, starker Mann an die Spree, der sich bei Eintracht Frankfurt einen exzellenten Ruf erarbeitet hatte. Doch die bisherigen Entscheidungen des Sportdirektors lassen sich bis jetzt nur als glücklos beschreiben, potentiell waren sie sogar fatal.

Ein gewisser Pal Dardai kam noch in der letzten Saison als Retter zurück, stabilisierte das Team und sorgte für den Klassenerhalt. Seine einzige, nachdrückliche Bitte für die nächste Saison: Bitte nicht noch ein Umbruch. Bobic entschied sich für das Gegenteil, krempelte den Kader wieder einmal gehörig um und setzte dabei vor allem auf ein Attribut: Die sagenumwobene Mentalität. Bereitwillig entzog man der Mannschaft weiter spielerische Qualität, baute lieber darauf, dass Spieler wie Kevin Prince-Boateng als Teilzeit-Motivatoren schon für genug Widerstandsfähigkeit im Kampf um den Klassenerhalt sorgen würden. Unter einem Trainer wie Dardai wäre das vielleicht sogar aufgegangen, doch nach mehreren, auch öffentlich ausgetragenen Disputen zwischen Coach und Sportdirektor traf Bobic die wohl folgenschwerste Entscheidung seiner Amtszeit. Die überaus beliebte Vereinslegende Dardai musste weichen – für Tayfun Korkut. Eine Mannschaft, die nach zahlreichen Transfers im Sommer erneut auf der Suche nach Stabilität war, wurde eines Stabilisators beraubt, dafür ein Trainer installiert der klar als „Bobic-Mann“ gesehen werden kann. Sein Scheitern muss auch als „Bobic-Scheitern“ gesehen werden.

Mehr News rund um die Bundesliga

Bobic ist wütend – aber nicht souverän

Ein unnötiges und unverständliches Risiko, in einer als Übergang gedachten Saison, welches sich nicht rentierte und mit einem nun drohenden Abstieg sogar die mittelfristigen Planungen des Sportdirektors gefährden könnte. Man zog die Reißleine, entschied sich für Felix Magath als Feuerwehrmann. Der hauchte der Truppe etwas mehr Lebenswillen ein, aber ob das alleine reichen wird um eine qualitativ heruntergewirtschaftete Mannschaft, die spätestens mit der Entlassung von Dardai auch der Chance auf die Entwicklung einer einheitlichen, funktionierenden Spielidee beraubt wurde, bleibt mehr als fraglich. Doch das größte Problem von Bobic in Berlin wird immer mehr Bobic selber. Denn es fehlt ihm an Souveränität, an einer Kommunikation, die ihn als den großen Lenker erscheinen lässt, der er sein sollte. Schon in den ersten Wochen der Saison nahm man einigermaßen irritiert zur Kenntnis, wie dünnheutig der ehemalige Profi im aufkeimenden Konflikt mit Dardai auch öffentlich agierte. Mit viel gutem Willen konnte man es damals vielleicht noch unter „Unbequemer Macher“ verbuchen.

Doch mittlerweile stehen nicht mehr die Altlasten der turbulenten Vergangenheit im Fokus der Kritik, sondern die Entscheidungen, die Bobic selber getroffen hat. Was man sich nun von einem starken Mann, dem neuen Lenker an der Spree, erhoffen würde, wäre ein Ausstrahlen von Souveränität. Ein reflektierter Umgang mit den eigenen Fehlern, der einem vermittelt, dass diese erkannt und korrigiert werden können. Doch Bobic wirkt hauptsächlich gereizt. Schmallippig werden sowohl Journalistenfragen als auch die eigenen Fans in regelmäßigen Abständen in die Verantwortung genommen, die doch zu großen Teilen seine eigene ist. Sein Engagement war und ist sicherlich auf eine langfristige und nötige Umstrukturierung ausgelegt, doch schon der erste Schritt droht nun spektakulär zu misslingen. Es ist, gerade im emotionalen Fußballgeschäft, enorm wichtig, dass Entscheidungsträger das Vertrauen der Mannschaft, der Fans, des Vereines genießen, um erfolgreich arbeiten zu können. Mit seinen Auftritten und seiner Art spielt Bobic aber auch an dieser Front mit dem Feuer. 

Photo by ODD ANDERSEN/AFP via Getty Images

Julius Eid

Seit 2018 bei 90PLUS, seit Riquelme Fußballfan. Gerade die emotionale Seite des Sports und Fan-Themen sind Julius‘ Steckenpferd. Alleine deshalb gilt: Klopp vor Guardiola.

Alle Kommentare


  • Marcel Grenz sagt:

    Hallo Julius,

    auch wenn ich lange zu denen gehört habe, die den Faktor Zeit und Umbruch für vieles gesehen habe, möchte ich deiner Analyse über die bisherige Bobic Zeit vollends Recht geben. Es fing mit mutigen Transfers an, ging über die Pal Entmachtung und es schwang ständig eine unglückliche Außenwirkung mit. Das mit C.Schmidt unglücklicher Weise ein Spezialist auf der Kommunikationsebene von Bord ging, ist dahingehend das Fredi ein komplett anderer Typ ist, macht es nicht unbedingt einfacher. Fredi ging allein durch seine Transfers einen sehr schmalen Grat entlang und so wie es scheint, hat er diesen mit fragwürdigen Trainerwechseln so sehr ausgereizt, dass er zu schmal geworden ist und ihm alles aus den Händen geglitten ist.
    Vermutlich stehen wir nun erstmal alle als Verlierer da aber wer weiß wofür es gut ist ; / # An Pal festzuhalten wäre jedenfalls die bessere Lösung gewesen als so lange an Korkut festzuhalten aber dafür braucht es eben auch Eier um sich und seine Entscheidung zu revidieren. So versuchte er alles durch zu schleppen und es irgendwie über die Ziellinie zu packen. Das er die nächste Saison als seine eigentliche betrachtet hat und dachte es wird schon diese Saison irgendwie mit der Kategorie Boateng & Jovetics & ein paar Talenten reichen ist leider wie es scheint ein großer Trugschluss. Er muss nun selbst leidvoll erfahren, dass Fussball weiterhin ein Tagesgeschäft ist und bleibt. Wenn man seine Hausaufgaben im hier und jetzt nicht erst einmal gewissenhaft erledigt, braucht man über die von übermorgen erst gar nicht nachdenken. ; (

  • Bernd Pijur sagt:

    Danke für für diese Aussage gendu das habe ich schon Anfang der Saison gesagt als er Cordoba verkaufe und andere guter Spieler der Mann passt nicht zu Hertha BSC ich kann nicht verstehen warum Mann so naiv sein kann die Mannschaft war gerade auf einem guten Weg ich für alle Hertha Fans des wir nicht absteigen und der Mann freiwillig geht

  • Manfred Regel sagt:

    Hallo, ich habe hier erstmals festgestellt, dass ich nicht allein der Meinung bin,wie in den vorhergehenden Kommentaren. Für mich kommt hinzu, dass Herr Bobic der Mitarbeiterstab dermaßen aufgeblasen hat, daß kein Geld mehr für eine Manschaftsentwicklung übrig war.

  • Franke sagt:

    Wir Ur-Herthaner hören hier endlich das was wir im inneren fan Kreis schon lange denken.
    Bobic kam als Heiland…..in Frankfurt angeblich für viele top transfers verantwortlich gewesen. Nun kam er zu uns….und dünnt eine Mannschaft aus die fast abgestiegen wäre. Mann muss kein profi Manager werden um zu wissen das man sportliche Qualität die man abgibt auch kompensieren muss. Das tat er in keinster Weise….Stichwort transfer ladebalken.
    Manche Positionen wurden auf Null ausgedünnt……Stichwort aussenspieler.
    Absolutes transferversagen. An diesem Punkt stand für uns fest das die Saison noch schwieriger wird als die letzte. Ein Armutszeugnis ist allein….man verkauft hoffnungsträger um Gehälter zu sparen…..o-ton bobic…..nach einer 370 Millionen finazspritze. Aber Hauptsache der aufgeblasene bobic MitarbeiterStab bekommt Gehalt.
    Meiner Meinung nach war der Grund von pal dardais Abgang……er wollte vor der transfer periode Verstärkungen…. aber die kamen nicht.
    Bobics Credo ist: mach mit wenig bis garnix viel!. Später ist auch daran kurkut gescheitert. Die Mannschaft ist nicht bundesliga tauglich. Bobic ist der nun mal der Verantwortliche… Punkt.
    Da haben wir uns so lange über Herrn preetz sparpolitik beschwert. Aber er war wenigstens echter Herz Herthaner …immer bei der Mannschaft auf der Bank, ehrlich und selten arrogant.
    Bobic macht den Anschein von Arroganz und Unnahbarkeit.
    Wie im Artikel angesprochen fehlt das Eingeständnis von eigenen Fehlern.
    Wie schwer es mir als ur-herthaner fällt nach 30 Jahren stadionbesuch…..aber wir steigen ab.
    Allein aus Qualitätsmangel.
    Bin gespannt ob sich Herr bobic die zweite Liga antut oder weiter zieht um andere Vereine zu ruinieren.
    Hahohe

  • Andreas sagt:

    Wie kurz doch das Gedächtnis im Fussball ist.
    Letzte Saison, mit all der „Qualität“, die Bobic transferiert hat, standen wir genauso miserabel da. Da kam noch die Corona Quarantäne dazu und jeder, der im Fussball Artikel schreibt, prophezeite den Abstieg. Zauberer Pal Dardai hat’s verhindert.
    Ich denke, auch Pal war nicht wirklich klar, dass die Millionen schon längst verballert waren und hoffte auf Verstärkungen.
    Genau das Gleiche bei Bobic, ihm hat sicher ein ordentliches Polster für Investitionen vorgeschwebt, als er kam, um das SGE Modell zu wiederholen.
    Die Realität war dann erschreckend: nee Fredi, 100 Mio Miese durch Corona, 130 Mio für Ablöse, Handgelder und Berater und mit dem Rest haben wir umgeschuldet. Wenn Du neue Spieler brauchst, werde ein paar von den Teuren und deren dicken Gehältern los.
    Und das ist jetzt Bobic‘ Schuld ??
    Genau das Gleiche mit Dardai. Vor ein paar Monaten waren die soc.
    Media voll: ja er hat uns gerettet, aber er hat ja gar keine Spielidee, das ist langweilig, er entwickelt das Team nicht usw pp. Dardai muss weg.
    Und das wollte der sich nicht gefallen lassen und ist mit seinem Vorgesetzten zusammengerasselt. Schließlich folgte Bobic dem öffentlichen Druck und schmiss ihn raus. Wahrscheinlich erwartete er von dem ruhigen Korkut die Stabilisierung der Lage. Aber keiner konnte oder wollte sehen, dass dieses Team im Kollektiv nicht BuLi tauglich ist und schon 5 Trainer dran gescheitert waren. Auch Professor Korkut wurde immer ratloser. Warum gibt’s denn keine konstante Startelf ? Weil auch die Trainer nicht wissen, wer es richten soll. Aufblitzen von Können, dann heftige Abstürze.
    Es ist einfach zu billig, diese Katastrophe dem letzten in der Kette anzuhängen.

  • Frank. Leitert sagt:

    Eins ist doch wohl klar ! Bei Hertha stimmt es schon lange nicht. Und die Herren in der Geschäftsstelle sollten mal nach Köpenick schauen, wie man mit wenig Geld eine schlagkräftige Truppe aufstellt. Ich bin seit 1963 Hertha Fan . Muss aber immer wieder miterleben wie schlecht hier gearbeitet wurde. Der Abstieg ist nicht mehr zu verhindern, den die drei Mannschaften die jetzt gegen Hertha spielen sind alle spielerich stärker.

  • Thomas Heyroth sagt:

    Danke, dass endlich mal jemand das Kind beim Namen nennt. Herr Preetz hat eine Hertha, die unter Dardai niemals in Abstiegsgefahr war (zweimal Europa, ansonsten guter Mittelplatz), durch Dardais Beurlaubung und katastrophale Trainerentscheidungen (Covic, Klinsmann, Nouri) wieder in die Abstiegsregionen verfrachtet. Selbst ein gestandener Trainer wie Labbadia ist schließlich gescheitert. Pal kam zurück und rettete uns den Arsch. dann kam Bobic, hat alles verkauft oder verliehen was Fußballspielen konnte und in zwei Transferfenstern fast ausschließlich Gurken verpflichtet. Dardai, der den Lden trotzdem noch am Laufen hielt, wurde nur aus persönlicher Eitelkeit von Herrn Bobic gefeuert. Nachdem schon viele verdiente Hertha Mitarbeiter durch Bobic-Vasallen ersetzt wurde, holte er mit Korkut einen Trainer, der – wie zu erwarten war – Hertha endgültig in den Abgrund führte. Herr Gegenbauer hat – wie immer – zugeschaut und nichts unternommen. Bobic muss sofort weg. Das ist der einzige Ausweg, auch wenn ich bezweifle, dass Pal noch einmal Lust auf so eine Himmelfahrtsmission hat und ob Magath den Klassenerhalt schafft – mehr als fraglich.


Hinterlassen Sie eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ähnliche Artikel

Marwin Hitz zieht es zum FC Basel

Marwin Hitz zieht es zum FC Basel

16. Mai 2022

News | Marwin Hitz kündigte bereits an, Borussia Dortmund verlassen zu wollen. Er kehrt in die Schweizer Heimat zum FC Basel zurück. FC Basel: Hitz wird neue Nummer eins Marwin Hitz (34) verbrachte die vergangenen vier Spielzeiten bei Borussia Dortmund. In den vergangenen Wochen intensivierten sich die Spekulationen rund um eine Rückkehr in die Schweiz. Ein Bericht […]

2. Bundesliga | Terodde geht voran: Das Team der Saison 2021/22

2. Bundesliga | Terodde geht voran: Das Team der Saison 2021/22

16. Mai 2022

Die 2. Bundesliga sorgte wieder einmal für reichlich Spektakel und lockte mit reichlich Spannung bis zum Ende. Am Ende sicherten sich die Favoriten Schalke 04 und Werder Bremen den Aufstieg, während der Hamburger SV in die Relegation einzog. Akteure aller drei Vereine fanden den Weg in unsere Mannschaft der Saison. Selbstverständlich ist es nicht einfach, […]

Chelsea hat Lewandowski auf dem Radar

Chelsea hat Lewandowski auf dem Radar

16. Mai 2022

News | Robert Lewandowski sorgte mit seinem Wechselwunsch für Aufregung. Ihn könnte es vom FC Bayern zum FC Chelsea ziehen, wo sein Name bereits fiel. Chelsea: Tuchel gilt als großer Fan von Lewandowski Die Meisterschaft des FC Bayern München stand bereits seit einigen Wochen fest. Dennoch herrschte am Wochenende nochmals viel Trubel, denn Robert Lewandowski (33) […]


'' + self.location.search