Bundesliga | FC Bayern in der Krisn-Wiesn, Hoffenheim glänzt unter dem Radar, Härtetest für Unions Höhenflug – Die Brennpunkte des Wochenendes

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Spotlight | Sieben Spieltage dieser Bundesliga-Saison und damit bald ein Viertel ist schon vorbei. Zeit, auf die Brennpunkte des Wochenendes zu schauen. 

1. Erste Pflichtspielniederlage: Wieviel Krisn-Wiesn steckt tatsächlich im FC Bayern?

Die Stimmung in München am Sonntag war in etwa so grau, wie die Trachtenjanker, in denen sie auf dem Oktoberfest erschienen. Man wollte in Augsburg die Serie von drei Remis in Folge brechen. Das ist auch gelungen, nur nicht so, wie man es sich vorgestellt hatte. Es gab ein 0:1 und damit die erste Pflichtspielniederlage der Saison. Erstmals seit Februar 2020, einem 0:0 gegen Julian Nagelsmanns Leipziger oder 87 Bundesligaspielen blieb man zudem torlos. Ganz nebenbei war es das vierte Bundesligaspiel in Folge ohne Sieg. Eine ähnliche Serie gab es zuletzt zwischen dem 17. November 2001 und dem 26. Januar 2002. Damals blieb man unter Ottmar Hitzfeld sogar sieben Bundesligaspiele in Folge sieglos – der vereinsinterne Rekordwert, zusammen mit Branko Zebec (11/68 – 02/69) und Zlatko „Čik“ Čajkovski (04/66 – 09/66).

Und jetzt? Bei solchen Serien ist das große K-Wort nicht weit. Thomas Müller wehrte sich nach der Partie in Augsburg nicht dagegen. Aber, trotz Oktoberfest, mal die Maß zur Seite gestellt und ganz nüchtern betrachtet: Wieviel Krisn-Wiesn steckt tatsächlich im FC Bayern?



Vorneweg, rein spielerisch war der Auftritt in Augsburg nicht die sportliche Vollkatastrophe, zu der er gemacht wird. Dafür sorgt eher der Kontext, drei Bundesligaspiele zuvor nicht gewonnen zu haben. Besonders in der ersten Hälfte kombinierte sich der Rekordmeister immer wieder sehenswert bis an oder sogar in den Strafraum. Genau dort lag – mal wieder – das Problem. Der letzte Pass, die letzte Konsequenz im Abschluss, war nicht vorhanden. Es hatte etwas von, „Basst scho, irgendwann wird einer reingehen“, anstatt das Tor aktiv zu forcieren.

Genau diese Konsequenz zeigte der FC Augsburg über weite Strecken des Spiels und vor allem bei seinem Treffer: Nach einem Freistoß aus der eigenen Hälfte (!) drückte Iago den viel zu passiven Leroy Sané weg und ließ die Kugel kurz auf dem Oberschenkel abtropfen. Mërgim Berisha im Zentrum hatte überhaupt niemand mehr auf dem Zettel.

Ein Grundsatzproblem, ein Systemproblem, sieht anders aus. 2017/18 unter Carlo Ancelotti oder auch Niko Kovač kamen die Münchener, wenn es schlecht lief, erst gar nicht in diese Positionen, um die daraus resultierenden Chancen laissez-faire zu vergeben. Deshalb wäre ein Trainerwechsel zu diesem Zeitpunkt vorschnell. Auch ist es fraglich, ob Union Berlin das Tempo, dass sie im Moment fahren, über eine gesamte Saison halten können.

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Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images

Nichtsdestotrotz muss es die Münchener Verantwortlichen beschäftigen, dass man ihnen mit einfachsten Mitteln beikommen kann. Mit ein bisschen Zweikampfhärte und einer kompakten Defensive. Dass man die zwingendste Torchance in Minute 94 hatte – durch Manuel Neuer.

Für Julian Nagelsmann wird es über die Länderspielpause hinweg darum gehen, eine Lösung zu finden, wie die Münchener in Ballbesitz schneller und auch präziser sein können, als der Gegner. Dass es geht, haben sie in der Champions League, vor allem nach der Pause gegen den FC Barcelona bewiesen. Das zweite Tor war schulbuchmäßig herauskombiniert. Zudem hatten sie mehrere Möglichkeiten, um im Konter weiter zu erhöhen.

Auch Oliver Kahn und Lucas Hernández haben es unisono angesprochen: Sich auf die Königsklasse zu fokussieren und die Bundesliga nebenher laufen zu lassen, ginge nicht. Nach der Länderspielpause geht es zuerst gegen Bayer Leverkusen und dann zweimal gegen Viktoria Plzeň. Zwischendrin steht die Partie in Dortmund an und danach geht es gegen den SC Freiburg. Genau zu diesen Zeitpunkten muss er FC Bayern Antworten finden – und zwar klare und eindeutige. Ansonsten wird aus der grauen Stimmung an der Säbener Straße eine tiefschwarze.

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2. TSG Hoffenheim: Platz 4, aber trotzdem unter dem Radar

Wesentlich freundlicher dürfte dagegen die Laune in und um Sinsheim sein. Unter André Breitenreiter legte die TSG Hoffenheim in dieser Spielzeit eine Entwicklung hin, die – ob Brandherde wie dem des FC Bayern, von Borussia Dortmund, RB Leipzig oder Freiburg und Union Berlin im positiven Sinne – unter dem Radar fliegt.

Seit Saisonbeginn performt die Mannschaft auf konstant hohen Niveau. Dass sie – 71 Minuten in Unterzahl spielend – Borussia Mönchengladbach 1:3 unterlagen, ist keine allzu große Überraschung. In Dortmund fehlte zwar die letzte Überzeugung in der Vorwärtsbewegung. Dennoch ist auch dieses 0:1 kein sportlicher Weltuntergang.

Dagegen stehen aber Ausreißer in die andere Richtung, wie das 3:0 in Leverkusen oder das 4:1 über Mainz 05. Auch startete die TSG in dieser Spielzeit erstmals mit drei Heimsiegen in eine Saison, bevor es vergangenen Sonntag das torlose Remis gegen den SC Freiburg gab.

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Photo by DANIEL ROLAND/AFP via Getty Images

Hoffenheim spielt unter André Breitenreiter einen schnellen, mutigen, erfrischenden, flüssigen Offensivfußball. Sinnbildlich dafür der Siegtreffer gegen den FC Augsburg: Georginio Rutter bediente links Andrej Kramarić. Dessen Flanke an den zweiten Pfosten legte Robert Skov nochmal per Kopf ab. Dennis Geiger hämmerte volley in den linken Winkel. Ein Traumtor in der Entstehung und im Abschluss.

Schlüsselspieler wie Kevin Vogt. Kramarić oder Christoph Baumgartner ziehen die Mannschaft mit. Dazu fanden sich auch die Neuzugänge Angeliño, Ozan Kabak oder Grischa Prömel problemlos ein. Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten in der Spitzengruppe profitiert Hoffenheim auch davon, dass sie unter der Woche nicht europäisch eingebunden sind und daher einen Tick frischer in die Bundesligaspiele gehen können. Sollten sie die aktuellen Leistungen halten und ab und zu noch einen weiteren positiven Ausreißer einstreuen können, ist diesem Team noch viel zuzutrauen.

3. Union Berlins Tabellenführung – mit Potential für mehr?

Viel zuzutrauen ist auch dem 1. FC Union Berlin, der durch das 2:0 gegen den VfL Wolfsburg mittlerweile zwei Punkte Vorsprung an der Tabellenspitze auf Borussia Dortmund hat und deren fünf auf den FC Bayern. Zudem sind sie die erste Mannschaft, neben den Münchenern, die in dieser Saison die Tabellenspitze erfolgreich verteidigen konnte.

Bundesliga Union Berlin VfL Wolfsburg

Photo by Boris Streubel/Getty Images

Werden sie tatsächlich…? Ausschließen sollte man im Fußball bekanntlich nichts. Dennoch warten vor allem nach der Länderspielpause zahlreiche banana skins, Stolperfallen. In der Europa League stehen sie mit zwei 0:1-Niederlagen aus den ersten beiden Partien gegen Saint-Gilloise und in Braga unter Druck. National bekommen sie es binnen kürzester Zeit mit vielen unterschiedlichen Teamprofilen zu tun: In einigen Spielen werden sie der Favorit sein und jeder von außen wird mit drei Punkten rechnen. Eine Woche später findet sich Union wieder in der Außenseiterrolle. Es geht zuerst nach Frankfurt, dann nach Stuttgart, gefolgt von den Partien gegen Dortmund, Heidenheim im DFB-Pokal, in Bochum und gegen Borussia Mönchengladbach.

Gerade dieses Hin und Her, zwischen Pflichtsieg und Kür in der Bundesliga, gepaart mit der Dreifachbelastung, wird zeigen, ob der Unioner Lauf zu mehr fähig ist – oder eben nur eine Momentaufnahme.

Photo by Stefan Matzke – PoolGetty Images

Victor Catalina

 

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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