Bundesliga | Ursachenforschung nach dem Gipfel, ein Traumdebüt und Wiedergutmachung – Die Brennpunkte des 9. Spieltags

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Der 9. Bundesliga-Spieltag steht in den Geschichtsbüchern. Zeit, auf die Brennpunkte des Wochenendes zu schauen. Unter anderem mit dem Duell zwischen Dortmund und Bayern, das nicht so viele Fragen beantworten konnte. 

1. Bayern auf Ursachenforschung, Dortmund ambitioniert – Was vom Gipfeltreffen übrig bleibt

Dafür, dass es auf dem Papier keinen Sieger gab, waren die Rollen zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München am Samstagabend ziemlich klar verteilt. Für die Münchener ist dieses 2:2 eine klare Niederlage. Ihre Serie von acht Pflichtspielsiegen gegen den BVB, was ansonsten nur dem HSV zwischen 1982 und 1985 gelang, ist damit gestoppt.

 



 

So steht lediglich ein Bundesligasieg, das 4:0 gegen Leverkusen, aus den letzten sechs Begegnungen. Die Krise, die man spätestens nach dem 5:0 über Viktoria Plzeň hinter sich lassen wollte, ist auf einmal – zumindest medial – wieder voll da. Was die Lage für den Rekordmeister wesentlich schwieriger macht, ist, dass diesmal kein klarer Einzelschuldiger auszumachen ist. Hat man vor der Länderspielpause noch die Spieler selbst – auch zurecht – für Auftritte wie gegen den VfB Stuttgart (2:2) oder in Augsburg (0:1) in die Pflicht genommen und ihnen mangelnde Effizienz vorgeworfen, reicht diesmal ein Blick auf die Statistik, um das Gegenteil zu beweisen: Drei Schüsse gaben die Münchener auf das Tor von Alexander Meyer ab, zwei davon waren drin. Natürlich könnte man diskutieren, inwieweit Leroy Sané und Jamal Musiala in Minute 64 den dritten leichtfertig liegengelassen haben. Aber suboptimal war die Quote ganz sicher nicht. Bei einem xG von 1,28 befindet sich der FC Bayern mit zwei Treffern komplett im Soll. Zudem verwertete man gleich die erste Torabschlussaktion in Minute 33.

Dann doch, wie immer bei ausbleibenden Ergebnissen, den Trainer verantwortlich machen? Nicht ganz. Julian Nagelsmanns Plan vor dem Spiel war wasserdicht. Ohne Thomas Müller und Joshua Kimmich, die das Pressing in vorderster Linie koordinieren, aus einer tieferen Position heraus, phasenweise im 4-5-1, angreifen und schnelle Gegenstöße setzen. Dazu defensiv aufmerksam stehen und mit Kimmich nach der Pause frühzeitig nachlegen und das Spiel so in die eigenen Bahnen lenken. Beides funktionierte soweit wie geplant. Das 0:2 fiel keine zehn Minuten nach Wiederanpfiff. Wie Nagelsmann nach der Partie feststellte, hatte man über weite Strecken des Spiels nicht das Gefühl, dass noch eine Dortmunder Aufholjagd in ihm steckt.

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Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images

Die Schlüsselszene war wahrscheinlich nicht einmal der unterlassene Platzverweis von Deniz Aytekin gegen Jude Bellingham, an dem sich nach der Partie abgearbeitet wurde, sondern vielmehr die 62. Minute: Matthijs de Ligt fasste sich an die Leiste und musste das Spielfeld verlassen. Bis dahin wurde er seiner Rolle als Abwehrchef nahezu vollends gerecht. Dortmund kam kaum zu Torgelegenheiten und auf einen xG von insgesamt 0,28. Vor der Pause blockte de Ligt in einer relativ unscheinbaren Szene einen Torschuss Youssoufa Moukokos resolut. Eine Viertelstunde vor Schluss kam der U21-Nationalspieler aus ähnlicher Position erneut zum Abschluss. Diesmal allerdings stand Josip Stanišić zu weit weg – und die Borussia war wieder zurück im Geschehen. Bis Spielschluss schnellte Dortmunds xG noch auf 1,43 hoch.

Stanišić selbst, der auch beim 2:2 Aktien hatte, als er Nico Schlotterbeck gewähren ließ, absolvierte wahrscheinlich sein größtes Spiel für die Profis, dazu noch auf der eher ungewohnten linken Seite. Normalerweise kommt er entweder als rechter Innenverteidiger oder Rechtsverteidiger zum Einsatz, glänzte dort beispielsweise bei Kroatiens 1:0-Sieg im Stade de France gegen Kylian Mbappé.

Da mit Lucas Hernández ein ähnlich kompromissloser Spielertyp wie de Ligt fehlte, ein weiterer agressive leader, dazu noch aus der Atlético-Schule, ergab sich für Dortmund die Chance zum Comeback.

Eine Chance, die Edin Terzic optimal ausnutzte. Zur Pause brachte er Marius Wolf für die rechte Seite. Wenig später kam auch Karim Adeyemi, in bestem Wissen, dass es ohne Alphonso Davies mehr Räume für Schwarzgelb geben könnte. Der Plan ging, vor allem in Tateinheit mit Anthony Modeste, auf. Dortmund erkämpfte sich den Punkt und Terzic hielt nach dem Spiel zurecht fest: „Heute würde ich mich über die Mentalitätsfrage freuen“.

Dass sie unter Terzic Topspiele können, bewiesen die Dortmunder zur Genüge. Dreimal hielten sie mit Manchester City mit, holten den DFB-Pokal und gewannen unter der Woche 4:1 in Sevilla. Man stelle sich jetzt mal vor, was ohne die 2:3-Niederlagen gegen Bremen und in Köln möglich gewesen wäre. Zum Beispiel das, was Anthony Modeste nach der Partie ansprach: „Wir wollen Meister werden! Natürlich nehmen wir heute lieber einen Punkt mit als keinen. Aber wenn man der BVB ist, muss man solche Spiele gewinnen, wenn man zu Hause spielt.“

Allein die Tatsache, dass aus Dortmund wieder dieser Duktus zu hören ist, besonders in einer Saison, in der der FC Bayern nicht die absolute Konstanz zeigt, lässt auf eine spannende Bundesligasaison hoffen. Jetzt liegt es nur noch am BVB, diese Worte auch in die Tat umzusetzen. Am morgigen Dienstag können sie gegen den Sevilla FC das Champions-League-Achtelfinale buchen und damit den ersten dicken Fauxpas der Vorsaison wiedergutmachen. Sonntag geht es an die alte Försterei, zu Tabellenführer Union Berlin. Ein Sieg und zwei Niederlagen stehen bislang in der Statistik. Kein ganz schlechter Ort, um die Ambitionen unter Beweis zu stellen.

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2. Perfekter Start für Xabi Alonso – aber nur der Anfang

Generell stand die Bundesliga an diesem Samstag im europäischen Fokus, nicht nur aufgrund des Duells zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern. Bereits zuvor, um 15:30, richteten sich die Blicke gen Leverkusen, wo mit Xabi Alonso ein gestandener Weltstar sein Trainerdebüt auf der Bayer-Bank gab.

Es spricht für die Leverkusener, dass sie diesen mutigen Weg gehen. Xabi Alonso wird der Liga einerseits viel Prestige und internationales Interesse geben. So bekannt er als Spieler ist, muss er sich seine Reputation an der Seitenlinie allerdings erst noch erarbeiten.

Bundesliga Bayer Leverkusen Schalke 04

Photo by Christof Koepsel/Getty Images

Die Partie gegen Schalke war dahingehend der perfekte Einstand. Bereits bei seiner Antrittspressekonferenz und im ersten Interview auf dem vereinseigenen Kanal sagte Alonso, dass er, als ehemaliger Mittelfeldspieler, die Partie kontrollieren will. Seine Mannschaft tat genau das. Natürlich war ihnen in der ersten Hälfte noch die Verunsicherung des missratenen Saisonstarts anzusehen. Viele Großchancen gab es nicht. Xabi Alonso versuchte stattdessen, in zahlreichen Einzelgesprächen an der Seitenlinie auf sein Team einzuwirken. Bei nahezu jeder Gelegenheit nahm er sich einen seiner Spieler zur Seite. In Minute 38 hatten die Leverkusener lang genug an der Schalker Tür angeklopft, Moussa Diaby trat sie trocken ein. Nur 160 Sekunden später legte Jeremie Frimpong nach und vollendete in der zweiten Hälfte den Doppelpack, bevor Paulinho den 4:0-Endstand besorgte. So hoch wie Xabi Alonso hatte zuvor noch kein anderer Leverkusener Trainer seinen Einstand gestalten können.

Nach der Partie wusste Leverkusens neuer Trainer den Erfolg richtig einzuordnen: „Wir haben gut gespielt, wir haben das Spiel gut kontrolliert, defensiv wie offensiv, hatten viele Chancen. Wir sind zufrieden. Aber es ist nur ein Spiel, wir müssen weitermachen.“

Am Dienstag steht das Duell mit dem FC Porto an. Vergangene Woche bekam man, durch Brügges 2:0-Sieg über Atlético Madrid, vom Fußballgott einen ausgegeben, sodass Leverkusen in der Gruppe B trotz der 0:2-Niederlage im Estádio do Dragão weiterhin Zweiter ist und das Achtelfinale in der eigenen Hand hat. Nun, da die Leverkusener, Porto und Atlético Madrid bei jeweils drei Zählern stehen, darf man sich keine weiteren Ausrutscher mehr erlauben. Kommendes Wochenende geht es nach Frankfurt, die infolge der überraschenden 0:3-Niederlage in Bochum, noch einiges wiedergutzumachen haben.

3. Kainz kurioses Kunststück bringt Gladbach wieder auf Kurs

Die Wiedergutmachung hat Borussia Mönchengladbach bereits geleistet. Nach drei Derbyniederlagen gegen den 1. FC Köln konnte man diesmal deutlich 5:2 gewinnen. In der ersten Hälfte hielt der Effzeh noch ordentlich dagegen, erzielte in persona Florian Kainz den Ausgleich. Spätestens mit dem Platzverweis des Österreichers fielen die Kölner jedoch zusammen. Es war ein seltenes Kuriosum aus Tor, gewonnenem wie verschuldetem Elfmeter sowie dem Platzverweis, das Kainz am Sonntagnachmittag gelang. Einzig Emanuel Pogatetz am 28. Spieltag 2013/14 beim 2:3 seiner Nürnberger in Freiburg kann dahingehend mithalten. Allerdings brauchte er dafür nahezu die gesamte Spielzeit, Kainz gerade einmal etwas mehr als eine Viertelstunde.

Bundesliga Borussia Mönchengladbach 1. FC Köln

Photo by Alexander Scheuber/Getty Images

Der zweite Protagonist dieser Partie heißt Ramy Bensebaini. In Bremen legte Gladbachs Linksverteidiger dem Gegner einen Treffer auf und erzielte on top noch ein Eigentor. Diesmal revanchierte er sich im Derby per Doppelpack. Auch beim 3:0 über RB Leipzig traf er bereits und steht damit sinnbildlich dafür, wie Daniel Farke die French Connection aus ihm, Manu Koné, Alassane Pléa sowie Marcus Thuram stärkt. Eine von zwei großen Maßnahmen, neben der Versetzung Christoph Kramers ins offensive Mittelfeld.

Mit dem Sieg springt die Borussia auf Platz 6 und ist punktgleich mit Werder Bremen. Auch in der Tordifferenz trennen die beiden nur noch zwei Treffer. Kommende Woche geht es nach Wolfsburg, dann zum Pokalduell ans Böllenfalltor, bevor Eintracht Frankfurt in den Borussia Park kommt. Besonders, da die Borussia diese Saison in lediglich zwei Wettbewerben gefordert ist, könnten sie ihren Konkurrenten um die europäischen Plätze die entscheidende Frische voraushaben.

Photo by Alex Grimm/Getty Images

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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