Bundesliga | Das Bayern-Erwachen zur richtigen Zeit

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Spotlight | Am Wochenende besiegte der FC Bayern den VfB Stuttgart mit 4:0 – und das in Unterzahl. Damit bestätigt die Mannschaft ihren Aufwärtstrend der letzten Wochen. Die Topform, sie könnte zu keinem besseren Zeitpunkt kommen.

Bayern kann das Formtief verschieben, aber nicht verdrängen

Dass die Saison 2020/21 für alle Mannschaften schwierig werden würde, war von Beginn an klar. Es galt, nach der fast dreimonatigen COVID-19-Pause wieder in den alten Rhythmus zurückzufinden. Und das ging einzig mit einem unfassbar eng getakteten Spielplan. Auch dem FC Bayern wurde dabei eine unvermeidliche Formdelle prophezeit. Zwar konnten sich die Münchner lange achtbar aus der Affäre ziehen, bis Weihnachten gab es in der Bundesliga lediglich drei Unentschieden und eine Niederlage sowie ein weiteres Remis in der Champions League. Doch mit Jahresfrist folgte der Einbruch.

In Gladbach gaben sie erstmals seit 2011, damals ein 2:3 beim rheinischen Rivalen aus Köln, wieder ein 2:0 aus der Hand. Wenige Tage später folgte das Pokalaus in Kiel. Nach einer Siegeswelle, die unter anderem die Klub-WM ins Münchener Vereinsmuseum spülte, schien man wieder in alte Muster zurückzufallen. Im heimischen Schneetreiben ließ sich Bayern von Aufsteiger Bielefeld düpieren und holte nach 0:2- sowie 1:3-Rückstand immerhin noch das 3:3. Fünf Tage später gastierte der Rekordmeister in Frankfurt – und konnte sich glücklich schätzen, zur Pause „nur“ 0:2 zurückzuliegen. Wenngleich ihnen der Punktgewinn diesmal nicht mehr gelang, so konnten sie dank einer äußerst engagierten und aggressiven zweiten Halbzeit aus einer hochverdienten eine unglückliche Niederlage machen. Das änderte jedoch nichts daran, dass der Sieben-Punkte-Vorsprung an der Tabellenspitze der Bundesliga binnen weniger Tage auf zwei zusammenschmolz.

Wie es in solchen Phasen meistens ist, bleibt es nicht bei den Problemen auf dem Platz. Schlüsselspieler wie Serge Gnabry (25) oder Benjamin Pavard (24) verletzten sich oder steckten darüber hinaus in einem kräftigen Formtief. Dazu wurden Pavard, Leon Goretzka (26) Javi Martínez (32) und Thomas Müller (31) noch positiv auf COVID-19 getestet. Zwischenzeitlich sollen die Bayern, laut Berichten der Bild, nur einen weiteren Fall von einer möglichen Gruppenquarantäne entfernt gewesen sein.

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Gnabry, Müller, Sané: Bayerns Schlüsselspieler nehmen im Frühling wieder Fahrt auf

Drohte der Münchener Zug, pünktlich mit Wiederbeginn der Champions League, komplett zu entgleisen? Die Antwort darauf fiel klar und deutlich aus. 3:0 zur Pause, 4:1 nach 90 Minuten im Olimpico. Schon im Hinspiel machte Bayern gegen Lazio den Viertelfinaleinzug im Grunde genommen perfekt. Die 1:2-Niederlage in Frankfurt schien der entscheidende Reiz gewesen zu sein, der den Rekordmeister aus seiner Lethargie weckte.

Es gelang nun, den Gegnern weniger Angriffsfläche zu bieten, da man selbst wieder die Partien frühzeitig entschied. Dabei half, dass die Stammspieler ihre Formtiefs nach und nach hinter sich lassen konnten. Serge Gnabry, dem zwischen dem 6. und 23. Spieltag nur ein einziges Tor gelingen wollte, meldete sich beim 5:1 gegen Köln per Doppelpack zurück. Auch Müller gab Minuten zuvor nach überstandener COVID-19-Infektion mit einer Torvorlage sein Comeback, nachdem selbst er in den Wochen zuvor einen leicht überspielten Eindruck machte.

Poolfoto Peter Schatz / Pool/imago

Und Leroy Sané (25), bei dem nach Kreuzbandriss und Vereinswechsel von offizieller Seite nachdrücklich um Geduld gebeten wurde, kommt mit jedem Spiel ein Stück näher an sein Toplevel. Am 4:2-Sieg gegen Dortmund hatte er maßgeblichen Anteil, als er vor Leon Goretzkas Treffer zum 3:2 im Duell mit Emre Can (27) robust den Ball eroberte. Beim 2:1 gegen Lazio steckte er in den Schlussminuten traumhaft für Gnabry durch, der die Vorlage allerdings nicht zu veredeln wusste. Gegen Stuttgart klappte die Kombination vor dem zweiten Treffer besser. Auch am 4:0 von Robert Lewandowski (32) war er beteiligt. Mit einem Dribbling zog er die gesamte VfB-Abwehr auf seine Seite, sodass sich in der Mitte die Lücke ergab. In dieser Form kann er definitiv einer der Schlüsselspieler auf dem Weg zu einem Double aus Meisterschaft und Champions League werden.

Davon profitiert nicht zuletzt Robert Lewandowski. Der Pole steht mittlerweile bei 35 Saisontoren und überbot gegen Stuttgart seinen persönlichen Bestwert aus der Vorsaison. Noch dazu lässt er Gerd Müllers (75) 40-Tore-Rekord bedenklich wackeln. Es war damals kaum vorstellbar, aber er scheint im Vergleich zur letzten Spielzeit noch ein bisschen mehr an Spritzigkeit, Wucht und Entschlossenheit draufgepackt zu haben. Seinen Auftritt am Samstagnachmittag beschrieb VfB-Vorstandsvorsitzender Thomas Hitzlsperger (38) als „irgendwas über Weltklasse“. Den Status als „The Best“, der ihm von der FIFA vergangenen Dezember verliehen wurde, rechtfertigt er mit jedem dieser Auftritte ein Stück mehr.

 

 

Aber es war nicht nur diese Drei, die am Samstagnachmittag auf allen Zylindern liefen, es war die gesamte Mannschaft. Das Passspiel war scharf, präzise und strukturiert. Offensivaktionen wurden mit viel Kreativität und Tempo vorgetragen. Und die eigenen Chancen nutzten die Münchener konsequent.

 

FC Bayern ist bereit für den entscheidenden Sprint der Saison

Jetzt muss es dem FC Bayern nur noch gelingen, solche Leistungen von der ersten Minute an abzurufen. Bisher schien es, als brauche es entweder ein Gegentor – oder zwei – um die Mannschaft aufzuwecken. Oder wie Samstag, einen Platzverweis. Aus Münchener Sicht hätte der Aufschwung zu keinem besseren Zeitpunkt kommen können. Nach der Länderspielpause steht das womöglich meisterschaftsentscheidende Spiel in Leipzig an, vier Tage später gibt es im Champions-League-Viertelfinale die Neuauflage des letztjährigen Endspiels gegen Paris Saint-Germain.

Hier könnte sich das Pokalaus nachträglich noch als Segen erweisen. Denn während es Anfang des Jahres kaum Zeit gab, um im Training an den Schwächen zu arbeiten, hatte der FC Bayern vor und nach dem Spiel gegen Borussia Dortmund jeweils eine freie Woche. Zudem können die Nicht-Nationalspieler während der Länderspielpause nun zwei Wochen lang regenerieren. Der Rekordmeister, er ist erwacht und holt noch ein letztes Mal Luft bevor es in den entscheidenden Sprint dieser Saison geht.

 

 

Poolfoto Peter Schatz / Pool/imago

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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