Bundesliga | Eintracht Frankfurt: Adler im Tiefflug

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Spotlight | Mit dem 3:4 auf Schalke und Dortmunds 3:1-Sieg in Mainz hat Eintracht Frankfurt die Champions League offiziell verspielt. Vorstandssprecher Axel Hellmann ging mit Mannschaft und Trainer hart ins Gericht – und hat für Letzteren schon einen Nachfolger im Blick.

Eintracht Frankfurt wie Borussia Mönchengladbach: Negativspirale vor Trainerabschied

Bis zum 10. April hätte die Fußballwelt von Eintracht Frankfurt kaum besser aussehen können. Verfolger Borussia Dortmund hat man mit einem 2:1-Auswärtssieg auf sieben Punkte distanziert, darüber hinaus schon eine Woche zuvor die eigentlich defensiv extrem starken Unioner 5:2 auseinandergezaubert und in einem spektakulären 4:3 gegen Wolfsburg die Oberhand behalten. Das Tor zur Champions League, es war für die Eintracht sperrangelweit offen, allein hindurch wollten sie nicht gehen.

Tim Rehbein/RHR-FOTO/imago

Denn mitten in die Frankfurter Euphorie platzten die Nachrichten, dass es Fredi Bobic (49) in die Hauptstadt zieht. Auch Adi Hütter (51) entschied sich, seine Trainertätigkeit bei Borussia Mönchengladbach fortzusetzen. Eigentlich hatte Hütter mit seinem zukünftigen Arbeitgeber ein Paradebeispiel was passieren kann, wenn man solche Entscheidungen frühzeitig bekanntgibt. Die Borussia verlor sämtliche Form und Stabilität, läuft nun Gefahr, den europäischen Wettbewerb am letzten Spieltag gänzlich zu verpassen.

Auch die Eintracht blieb von diesem Effekt nicht verschont. Nach jenem 4:3 gegen Wolfsburg konnte man nur noch gegen Augsburg (2:0) gewinnen, ging stattdessen am Niederrhein sang- und klanglos 0:4 unter, in Leverkusen verlor man 1:3 und nun 3:4 beim hoffnungslos abgeschlagenen Tabellenletzten. Auch das 1:1 gegen die formstarken Mainzer war letztlich zu wenig, um den Traum von der Champions League am Leben zu erhalten.

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Hellmann kanzelt Hütter und Bobic ab – „Schönrederei ist das falsche Signal“

Trotzdem übten sich Bobic und Hütter in Optimismus, versuchten den fünften Platz und damit die Teilnahme an der Europa League als Erfolg darzustellen. Das mag, angesichts von Platz 9 in der vergangenen Saison, so sein. Allerdings ist dieser Optimismus, nachdem man einen Sieben-Punkte-Vorsprung binnen weniger Wochen auf einfachste Art und Weise hergegeben hat, gänzlich fehl am Platz.

Dieser Meinung ist auch Vorstandssprecher Axel Hellmann (49). Bei  SPORT1 holte er zum Rundumschlag aus: „Nach 60 Jahren ohne Champions League hatten wir eine historische Chance. Wir haben versagt. Ich kann die Wut und Enttäuschung der Fans verstehen“.

Die Leistung seiner Mannschaft auf Schalke bezeichnete Hellmann als „blamabel“ und kanzelte im selben Atemzug auch Hütter und Bobic ab: „Das ist nicht der Zeitpunkt, sich über den fünften Platz zu freuen oder als Erfolg zu verkaufen. Diese Schönrederei ist das falsche Signal.“

Eintracht hofft auf Terzic – brisante Konstellation mit Marco Rose möglich

Nun gilt es für die Eintracht, den Blick nach vorne zu richten und im Optimalfall aus der Europa League wieder soviel zu machen, wie sie es schon in der Saison 2018/19 getan haben. Mit Markus Krösche (40) konnten sie Bobics Nachfolger schon fix machen. Fehlt nur noch ein Trainer. Schon viele Namen waberten um den Main herum. Von Ex-Schalker Raúl (43), der im Moment für Castilla, Real Madrids zweite Mannschaft tätig ist, über den in Wolfsburg unzufriedenen Oliver Glasner (46) bis hin zu Gerardo Seoane (42), Hütters Nachfolger bei den Young Boys Bern.

 

 

Hoffen tun die SGE-Verantwortlichen jedoch auf genau den Trainer, der aus dem Frankfurter Scheitern Kapital schlagen konnte: Edin Terzic (38). Nach dem Pokalfinale (4:1 gegen Leipzig) vermeldete BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (61), dass Terzic bereits heimlich verlängert habe, er aber trotzdem noch auf eigenen Wunsch wechseln könne.

Besonders in der Konstellation mit Terzic und Marco Rose (44) steckt viel Brisanz. Auf der einen Seite der Trainer, der mit Borussia Mönchengladbach eine Saison unter den Erwartungen gespielt hat, auf der anderen ein ziemlich überqualifizierter Assistent. Es erinnert ein wenig an den FC Bayern im Herbst 2019, als unter anderem Mauricio Pochettino (49) oder Erik ten Hag (51) gehandelt wurden, während die optimale Lösung die ganze Zeit an der Seitenlinie stand. Allein haben sie die Weitsicht aufgebracht, der BVB weniger. Eine finale Entscheidung von Terzic steht noch aus. Sollte diese gegen seinen Herzensverein ausfallen, könnte die Eintracht daraus Kapital schlagen.

Eintracht Frankfurt: André Silva mit langfristigem Vertrag, zwei Talente fix

Stellt sich nur noch die Frage, wie der Kader in der kommenden Saison aussehen wird. Die Champions League wäre ein Pfand gewesen, mit dem man auf dem Transfermarkt hätte wuchern können. Nun muss man zusehen, dass man nicht selbst seine Leistungsträger dorthin verliert. Wie zum Beispiel Top-Torjäger André Silva (25). 27 Mal traf er in der bisherigen Bundesliga-Saison, nur Robert Lewandowski (32/40 Tore) steht in der Torjägerliste über ihm. Silva hat am Main noch einen Vertrag bis 2023. Laut Berichten des Kicker wäre Eintracht Frankfurt nicht auf Transfererlöse angewiesen. Einer Summe oberhalb der 40 Millionen wären sie aber nicht abgeneigt.

Verpflichtet hat die Eintracht hingegen schon Christian Lenz (26) von Union Berlin, dazu mit Ali Akman (19/Bursaspor) und Fábio Blanco Gómez (17/Valencia CF) zwei Perspektivspieler geholt.

Eintracht Frankfurt stehen in jedem Fall turbulente Wochen bevor. Allerdings hat der Verein schon beim Abgang von Niko Kovac (49) zum FC Bayern gezeigt, dass er gefestigt genug ist, um daraus gestärkt hervorzugehen. Seit 2016 ist die SGE Stück für Stück gewachsen und hat sich mittlerweile im oberen Tabellendrittel etabliert. Wenn der Verein weiterhin die Konsequenz und Einheitlichkeit der letzten Jahre in den Personalentscheidungen beibehält, ist es sehr wahrscheinlich, dass nicht nur die fußballerisch goldenen Zeiten aus dem März und April an den Main zurückkehren, sondern nach über 60 Jahren auch die Königsklasse.

Tim Rehbein/RHR-FOTO/imago

Victor Catalina

 

 

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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