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Die Elf der Saison in der Bundesliga: Fünf Meister, nur einmal Bayern

20. Mai 2024 | Spotlight | BY Till Gabriel

Das war’s! Die Bundesliga-Saison 2023/2024 ist Geschichte und wird dank Bayer 04 Leverkusen auch in ebendiese eingehen. Wenig verwunderlich, dass der ungeschlagene Meister auch unsere Elf der Saison dominiert.

Kane, Guirassy, Openda: Die Bundesliga hat wieder Torjäger

Eine historische Bundesliga-Spielzeit ist vorbei. Ohne Niederlage marschierte Bayer 04 Leverkusen zur ersten Meisterschaft der Vereinsgeschichte. Gleich fünf Akteure des neuen Ligaprimus schaffen den Sprung in unsere Elf der Saison, den zweitstärksten Block bietet Vizemeister VfB Stuttgart mit drei Spielern auf. Vor allem die Stürmer lieferten ab, nachdem 2022/2023 schon 16 Treffer zur Torjägerkanone reichten.



Tor: Gregor Kobel

Die Konstante in einer inkonstanten Dortmunder Mannschaft. Gregor Kobel sicherte dem BVB auch in seiner dritten Saison viele Punkte, überzeugte auch in der Champions League. Auf der Linie zählt der Schweizer zu den Besten der Welt, mit Ball am Fuß ist noch Luft nach oben. Sein größtes Manko bleiben die für einen Torhüter ungewöhnlich häufigen Ausfälle, sieben Spiele verpasste der 27-Jährige krankheits- oder verletzungsbedingt.

Rechter Verteidiger: Jeremie Frimpong

Auf der rechten defensiven Außenbahn findet sich der erste Meisterheld wieder. Wobei das Label „Rechtsverteidiger“ bei Jeremie Frimpong nur bedingt zutrifft. Der Niederländer war in Leverkusens 3-4-2-1 als rechter Schienenspieler gesetzt und überzeugte dabei in erster Linie mit seinen Offensivqualitäten. Neun Tore und neun Vorlagen sind eine herausragende Quote für den EM-Teilnehmer, wenngleich er bereits bewiesen hat, dass auf ihn auch defensiv Verlass ist. Mit erst 23 Jahren befindet sich der pfeilschnelle Rechtsfuß noch immer in einem entwicklungsfähigen Alter und hat europaweit Interesse geweckt.

Innenverteidiger: Jonathan Tah

Bei der anstehenden Heim-EM dürfte Jonathan Tah neben Antonio Rüdiger gesetzt sein, auch in unserer Elf des Jahres hat der Leverkusener seinen Platz sicher. Der 28-Jährige ragte in einer starken Bayer-Hintermannschaft noch heraus und glänzte mit vier Toren auch in der Offensive. Brachte 96,47% seiner Zuspiele an den Mann und war damit der passsicherste Akteur der Bundesliga.

Innenverteidiger: Waldemar Anton

Auch Waldemar Anton vom VfB Stuttgart absolvierte seine bis dato stärkste Saison im Profifußball. Der Kapitän überzeugte als Fixpunkt der Dreierkette der Schwaben und spielte sich bis in den EM-Kader vor. Die Wahl des zweiten Innenverteidigers fiel jedoch deutlich schwerer. Mit Edmond Tapsoba, Dortmunds Routinier Mats Hummels oder auch Leipzig-Neuzugang Castello Lukeba gab es gleich mehrere Alternativen, für die sich durchaus Argumente finden lassen würden.

Linker Verteidiger: Alejandro Grimaldo

Alejandro Grimaldo komplettiert die Bayer-Zange auf den Außenverteidigerpositionen. Bei Benfica flog er lange unter dem Radar, nach seinem ablösefreien Wechsel in die BayArena spielte sich der technisch versierte Linksfuß endlich in den Kader der spanischen Nationalmannschaft. Der Wunschspieler von Xabi Alonso steuerte als verkappter Spielmacher auf der linken Außenbahn herausragende zehn Tore und 14 Assists zum Titel bei. Sein linker Fuß ist auch bei ruhenden Bällen eine Waffe, wie unter anderem der FC Bayern erfahren musste.

Torgefährliche Flügelzange: Jeremie Frimpong und Alejandro Grimaldo. (Photo by Markus Gilliar/Getty Images)

Mittelfeld defensiv: Angelo Stiller

Erst nach Saisonbeginn wechselte Angelo Stiller von der TSG Hoffenheim zum VfB Stuttgart und hat damit alles richtig gemacht. Der 23 Jahre alte Mittelfeldstratege wurde gleich zur Stammkraft in Sebastian Hoeneß‘ Überraschungsmannschaft. Der im Winter ausgeliehene Mo Dahoud kam nicht über die Rolle als Teilzeitkraft hinaus, weil Stiller keinen Anlass zur Rotation bot. Der frühere U21-Nationalspieler bestach mit hoher Pressingresistenz und seinem sicheren Passspiel. Gab in einer der unterhaltsamsten Mannschaften der Liga den Takt vor und darf enttäuscht sein, dass es (noch) nicht für das DFB-Team gereicht hat.

Mittelfeld defensiv: Granit Xhaka

Nachdem er mit Arsenal in der Vorsaison Zweiter wurde, wechselte Granit Xhaka zurück in die Bundesliga und entpuppte sich schnell als Königstransfer der Alonso-Elf. Der Schweizer bestach im Mittelfeld mit seiner Zweikampfstärke und seinem Passspiel, ging als Führungsspieler auch mental stets voran. Der einstige Hitzkopf weiß sein Temperament längst zu zügeln und bestätigte das, was man bereits im letzten Arsenal-Jahr gesehen hat: Xhaka gehört zu den besten zentralen Mittelfeldspielern Europas.

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Mittelfeld offensiv: Florian Wirtz

Das Gesicht der Meisterschaft. Florian Wirtz bewies, dass er seinen Kreuzbandriss längst hinter sich gelassen hat und verkörperte über die gesamte Spielzeit absolute Weltklasse. Gewinnt er mit Bayer auch den Pokal und die Europa League, sollte man das mit Jamal Musiala größte Juwel des deutschen Fußballs auch für den Ballon d’Or auf dem Zettel haben. Wettbewerbsübergreifend gelangen dem 21-Jährigen 38 Scorerpunkte. Dass er wohl auch in der nächsten Saison unterm Bayer-Kreuz aufläuft, ist ähnlich wichtig für die Werkself wie der Verbleib von Meistertrainer Alonso.

Mittelfeld offensiv: Xavi

Der beste Spieler des Tabellenvierten ist im Sommer wohl wieder weg. PSG-Leihgabe Xavi schlug bei den Sachsen voll ein und wurde mit der Nominierung für die Europameisterschaft belohnt. Der junge Niederländer traf achtmal selbst und bereitete 13 Tore vor. Agiert manchmal noch etwas zu verspielt, lieferte allerdings über die gesamte Saison konstant ab und verweist in dieser Elf daher die Münchener Jamal Musiala und Leroy Sané auf die Ersatzbank. Es bleibt spannend, ob der hochveranlagte Offensivallrounder in Paris in die Fußstapfen Kylian Mbappés treten soll oder die Franzosen endgültig verlässt. Während Xavi für Leipzig wohl zu teuer wird, soll auch der FC Bayern ein Auge auf den 21-Jährigen geworfen haben.

Stürmer: Harry Kane

Der erste und einzige Spieler des FC Bayern. Nicht wenige empfanden die 100 Millionen Euro, die die Münchner für Harry Kane an die Tottenham Hotspur überwiesen, als eine deutlich zu hohe Summe für einen 30-Jährigen mit einem Jahr Restvertrag. Doch der Engländer ließ seine Kritiker schnell verstummen, denn er machte von Beginn an das, wofür der FCB die Schatulle geöffnet hatte: Tore, Tore, Tore. Lange jagte Kane sogar den Rekord von Robert Lewandowski, an die 41 Treffer des Polen kam er jedoch nicht ganz ran. Mit 36 Toren und acht Vorlagen lag es allerdings definitiv nicht am England-Kapitän, dass der Rekordmeister erstmals seit zwölf Jahren titellos blieb.

Stürmer: Sehrou Guirassy

Hätte der beispiellose Aufschwung des VfB Stuttgart schon vor einem Jahr stattgefunden, wäre Sehrou Guirassy mit zwölf Toren Vorsprung Torschützenkönig geworden. Hinter Überflieger Kane reichten die 28 Tore des früheren Kölners zwar nur für Platz zwei, lösten aber Mario Gomez‘ 24 Treffer (2008/2009) als Stuttgarter Vereinsrekord ab. Guirassy verkörperte dabei einen kompletten Stürmer, kombinierte Kaltschnäuzigkeit mit seinem Fähigkeiten als Zielspieler, der die gegnerischen Innenverteidiger stets beschäftigte und so Räume seine Nebenleute riss. Das kongeniale Duo aus dem Guineer und Deniz Undav erinnerte an Edin Dzeko und Grafite. Beim VfB wird man hoffen, auch in der Champions League auf seine Torgaranten bauen zu können.

Wie einst Dzeko und Grafite: Deniz Undav und Sehrou Guirassy. (Photo by THOMAS KIENZLE/AFP via Getty Images)

Die Ersatzbank

Natürlich gab es in dieser Spielzeit weitaus mehr als elf herausragende Spieler, die an dieser Stelle nicht zu kurz kommen sollen. Im Tor überzeugte Hoffenheims Oliver Baumann, der 34-Jährige kassierte jedoch zu viele Gegentore. Auf der Reservebank nimmt daher Stuttgarts Alexander Nübel Platz.

In der Innenverteidigung sind Edmond Tapsoba (Leverkusen) und BVB-Routinier Mats Hummels die ersten Alternativen, gefolgt von Castello Lukeba. Mit Bayerns Eric Dier spielte sich ein Akteur seit der Winterpause in den Vordergrund, den wohl die wenigsten als Abwehrchef des Rekordmeisters auf dem Zettel hatten. In der Schaltzentrale reiht sich Exequiel Palacios knapp hinter Xhaka und Stiller ein, der argentinische Weltmeister war jedoch in der Rückrunde verletzungsbedingt nur noch Teilzeitkraft und wurde von Robert Andrich ebenbürtig vertreten.

Die Spielzeit war zum einen die Saison des Ballbesitzfußballs, zum anderen kehrten die Torjäger in die Bundesliga zurück. Neben Kane und Guirassy knackte auch Leipzigs Neuzugang Lois Openda die 20-Tore-Marke, auch Deniz Undav und Maximilian Beier hätten in der Vorsaison die Kanone gewonnen. Augsburg Ermedin Demirovic durfte 15-mal jubeln, kaum jemand war für sein Team so unersetzlich wie der Kapitän für die Fuggerstädter.

(Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)


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