Bundesliga: Nach nur fünf Spieltagen wackeln die ersten Trainerstühle

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Der 5. Spieltag in der Bundesliga ist noch nicht einmal vorüber und der ein oder andere Trainerstuhl wackelt bereits – mehr oder weniger intensiv. Die ersten handfesten Krisen sind da und viel Zeit, um diese zu bewältigen, haben die Klubs nicht. 

Bundesliga: Der Fluch des engen Spielplans

Ein guter Start in die neue Saison ist in jeder Spielzeit von Bedeutung. 2022/23 aber ganz besonders. Denn der eng getakteten Spielplan hat es in sich. Insbesondere Klubs, die im Europapokal unterwegs sind, spielen eine englische Woche nach der anderen. Vor allem besteht kaum eine Möglichkeit, die ursprüngliche Ausrichtung, mit der die Teams in die Saison gingen, signifikant zu verändern. Zwischen Belastungssteuerung und vielen Reisen bleibt nicht viel Zeit, um an Inhalten zu arbeiten. Das könnte dem ein oder anderen Trainer schon früh zum Verhängnis werden.



Doch zurück zum Programm: Ab dem 19. September steht noch einmal eine Länderspielphase an. Die Nationalspieler müssen auf Reisen gehen, um Spiele in der Nations League auszutragen. Weil es keine Möglichkeit einer Vorbereitung vor dem WM-Turnier gibt, werden die Nationaltrainer auf ihre Schlüsselspieler setzen. Für die Klubs in der Bundesliga – wie auch in den anderen Topligen – ist dieser Zeitpunkt eine Möglichkeit, um auf einen schlechten Start zu reagieren. Wenn es überhaupt so lange dauert.

Kovac, Tedesco & Seoane: Den Ansprüchen in der Bundesliga hinterherlaufend

Domenico Tedesco (36) wollte RB Leipzig im Sommer noch weiter verbessern. Mit dem Pokalsieg in der Vorsaison war eine gute Basis geschaffen, außerdem konnten Schlüsselspieler gehalten werden. Was allerdings auf dem Platz passiert, ist eine andere Geschichte. Leipzig wirkt ideenlos, alles andere als gefestigt und lässt sich mit leichten Mitteln düpieren. 0:4 verlor RB in Frankfurt, das Fazit des Trainers fiel entsprechend aus: „Wir waren grottenschlecht“, lautete die ernüchternde Bilanz. Mit Marco Rose (45) auf dem Markt, könnte es in Zukunft schon ungemütlich für den Leipzig-Trainer werden. 

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Auch für Gerardo Seoane (43) lief der Start in die neue Saison nicht wie geplant. Das 2:3 zuhause gegen den SC Freiburg war schon die vierte Niederlage im fünften Spiel. Hinzu kommt das Aus im DFB-Pokal. Ähnlich wie Tedesco hat auch Seoane die Möglichkeit, unter der Woche in der Champions League für ein positives Gefühl zu sorgen, indem ein Sieg eingefahren wird. Der Schweizer sah zwar einige Basics, die vorhanden waren, aber es braucht Ergebnisse. In Leverkusen herrscht aber noch nicht die gleiche Unruhe wie in Leipzig. 

Hohe Ambitionen hat der VfL Wolfsburg seit Jahren auch. Doch die Realität sieht anders aus. Niko Kovac (50) sollte den Kader wieder auf Kurs bringen, doch die Verpflichtung sowie die Kompatibilität mit der Mannschaft wurden schon im Sommer skeptisch beäugt. Fünf Spiele sind in der Bundesliga absolviert, auf einen Sieg warten die Niedersachsen noch immer. Beim 2:4 gegen einen 1. FC Köln, der nicht gerade seine beste Elf auf das Feld schickte, wirkte Wolfsburg desolat, überfordert und ganz leicht auszuspielen. Nun folgen die Auswärtsaufgaben bei Union und in Frankfurt. Viel Spaß dabei, VfL. 

Kramer und Reis: Hausgemachte Probleme

Etwas anders sieht die Sache mit der Erwartungshaltung beim FC Schalke 04 und dem VfL Bochum aus. Trotzdem: Die ganz große Ruhe herrscht dort auch nicht. Nun hat Schalke an diesem Spieltag nicht verloren und beim VfB Stuttgart auch gute Momente gezeigt, steht mit drei Punkten aus drei Remis an den ersten fünf Spieltagen auch nicht kolossal schlecht da, aber die Fans der Schalker hatten sich, ähnlich wie die Verantwortlichen, etwas mehr Mut gewünscht. Die Ausrichtung wirkt sehr kritisch beobachtet, von zu viel Destruktivität ist die Rede. 

Und: Schalke hat nicht die Möglichkeit, dem sofort entgegen zu wirken. Trainer Frank Kramer (50) hat sich vor der Saison für diese Art Fußball entschieden und von Beginn an im Training alles daran gesetzt, die Mannschaft damit vertraut zu machen. Zwölf Gegentor führen die Hoffnung auf viel Kompaktheit allerdings auch schnell ad absurdum. Bochum und Augsburg lauten die nächsten beiden Heimspiele, zwischendrin geht es nach Dortmund. Punkte müssen her! Der VfL Bochum, nächster Gegner von Schalke 04, hat bisher noch gar keinen Punkt auf dem Konto. Hier sieht die Situation also rein tabellarisch noch schlimmer aus.

Bochum wurde von vielen als einer der heißesten Abstiegskandidaten gesehen, was vor allem an der Zusammenstellung des Kaders liegt. Leistungsträger verließen den Klub und wurden nicht vollends adäquat ersetzt. Die Probleme sind auch hier hausgemacht, denn aktuell ist nicht etwa das sportliche Abschneiden für die Unruhe verantwortlich, sondern Nebengeräusche. Angebliche Verhandlungen von Trainer Thomas Reis (48) im Sommer mit Schalke, die medial ausgebreitet wurden, stachelten die Situation noch einmal an. Nach außen gibt es Bekenntnisse und keinen Zweifel am Trainer und dessen Arbeit, aber der Fußball ist dafür bekannt, dass sich die Dinge schnell ändern können. Die Gründe für die aktuelle Ungewissheit rund um die Zukunft für diese Trainer sind unterschiedlich, eines eint sie aber alle: Es müssen Resultate her. So schnell wie möglich. 

(Photo by Cathrin Mueller/Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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