Bundesliga | Warum Unions Start mehr als eine Momentaufnahme ist – und der FC Bayern nicht nur an Sommer scheiterte – Die Brennpunkte des Wochenendes

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News | Der 4. Spieltag ist offiziell Geschichte. Zeit, auf die Brennpunkte zu schauen – mit Union Berlin, dem FC Bayern und abermals einem neuen Frankfurter System.

1. Unions Saisonstart: Mehr als nur eine Momentaufnahme

„Im Stile einer Spitzenmannschaft“ ist eine der abgedroschensten Reporterphrasen. Was Union Berlin vergangenes Wochenende anbot, war allerdings genau das. Sie wussten, dass sie es auf Schalke mit einem aufmüpfigen Gegner zu tun bekommen, der Borussia Mönchengladbach noch ein Remis abgetrotzt hat. Also kam es besonders auf konsequente Chancenverwertung an.

 

Dahingehend hat die Mannschaft Urs Fischer nur bedingt im Stich gelassen. Sechs Tore aus einem xG von 1,05 sind nicht nur ein herausragender Wert. Die Mannschaft hat diese Treffer zu den bestmöglichen Zeitpunkten platziert. Einmal ganz früh durch Morten Thorsby (6′), direkt nach dem Ausgleich (36′) sowie kurz vor (45’+3) und Sekunden nach der Pause (46′). Während sich Frank Kramer noch eine Halbzeitansprache für ein 1:2 zurechtgelegt haben dürfte, kam Königsblau praktisch mit einem 1:4 aus der Kabine. Dass es letztendlich sogar ein 6:1 wurde, spricht auch für die Kaderbreite, die Union dieser Tage hat. Wenn das bislang exzellent funktionierende Duo aus Sheraldo Becker und Jordan Siebatcheu ausgepumpt ist, kommen Sven Michel und Kevin Behrens in die Partie und holen sich selbst noch ein Stück vom Kuchen. Auch die Neuzugänge schlugen bislang ein: Dass Jordan Siebatcheu ein Volltreffer ist, wurde hinlänglich thematisiert. Auf Schalke trafen mit Thorsby und Janik Haberer gleich zwei Neue, Danliho Doekhi holte sich zudem den Assist vor dem 0:1 ab.

 



 

Das zeigt aber auch, dass es nahezu unmöglich ist, diese Mannschaft „kaputtzukaufen“. Robert Andrich, Marvin Friedrich, Max Kruse, Grischa Prömel, Andreas Luthe und auch Toptorschütze Taiwo Awoniyi haben den Verein jüngst verlassen. Dennoch werden diese Abgänge so aufgefangen, dass die Mannschaft immer wieder ein neues Level erreicht. In der Bundesliga-Debütsaison reichte es zu Platz 11, anschließend qualifizierte man sich als Siebter erstmals für Europa. Vergangene Saison legte man mit Rang 5 und dem Halbfinale des DFB-Pokals die beste Saison der Vereinsgeschichte hin und nun befindet man sich mit 10 Zählern nach vier Spielen punktgleich mit dem FC Bayern auf Platz 2.

Klar, niemand erwartet von Union, dass sie kurz- oder sogar mittelfristig den Platz von Borussia Dortmund, beziehungsweise RB Leipzig als Herausforderer des Rekordmeisters einnehmen. Aber wenn man sich anschaut, wie diese Mannschaft spielt, wie dieser Klub wirtschaftet und gezielt Spieler verpflichtet, mit denen der Verein kein großes Risiko eingeht, dafür aber maximalen Ertrag bekommt, dann ist es schwer zu glauben, dass der aktuelle Unioner Saisonstart lediglich ein Wetterleuchten ist. Ob sie es hören wollen oder nicht – wenn sie ihren Weg weitergehen, spricht nicht viel dagegen, dass sich Union Berlin langfristig im oberen Tabellendrittel festsetzt.

2. An Lewandowskis Fehlen lag Bayerns erster Punktverlust nicht – und nur bedingt an Yann Sommer

Auch wenn er inzwischen für den FC Barcelona tätig ist, waberte der Name Robert Lewandowski die ganze Zeit über der Säbener Straße. Es brauchte nur den geringsten Wackler, um die Diskussionen um seinen Abgang wieder ins Rollen zu bringen. An diesem Spieltag gab es besagten Wackler, der FC Bayern ließ beim 1:1 gegen Borussia Mönchengladbach erstmals Punkte liegen. Natürlich kam sofort die Frage auf: Hätte man dieses Spiel mit Robert Lewandowski vielleicht gewonnen?

Hier „Ja“ zu sagen, wäre reichlich kurz gedacht. Natürlich hätte ein Lewandowski im Kader zumindest nicht geschadet. Dennoch kam die Mannschaft auch ohne ihn auf insgesamt 33 Torschüsse sowie deren 20 aufs Tor. Diese Statistiken sind nicht zuletzt Zeugnis der neuen, flexiblen, Münchener Offensive. Gladbach konnte sich zu keinem Zeitpunkt auf einen der Angreifer fokussieren und war praktisch 96 Minuten lang in die Defensive gedrängt. In den vergangenen Partien, die sie gewinnen konnten, gab es zumindest ansatzweise Entlastungsphasen. An diesem Samstag hingegen kam die Borussia über vereinzelte Konter nicht hinaus.

Bundesliga FC Bayern Borussia Mönchengladbach

Photo by KERSTIN JOENSSON/AFP via Getty Images

Gerade in solchen Spielen hätte Lewandowski ständig mindestens zwei Bewacher an seiner Seite gehabt und die Mannschaft, wissend um seine Fähigkeiten, versucht, ihn in Szene zu setzen, anstatt selbst Lösungen zu suchen. Die drei Partien der Vorsaison sind der eindeutige Beweis dafür. Auch diesmal bemängelte Julian Nagelsmann, dass man gegen Ende der Partie mit Matthijs De Ligt als Brechstange zu sehr „in den Block reingeflankt“ habe.

Dass es letztendlich nicht zum Sieg reichte, war eher dem Ausnahmetag Yann Sommers geschuldet. Vor allem aber der Tatsache, dass es der Rekordmeister in Halbzeit eins im letzten Drittel zu unsauber und kompliziert spielte, um einen frühen Treffer zu forcieren und Gladbach von Beginn an unter Druck zu setzen. So konnte die Defensive um Ko Itakura und Nico Elvedi die meisten Situationen bereinigen. Hätten die Münchener von Beginn an die Geradlinigkeit und Passschärfe der zweiten Hälfte gezeigt, in der sie 22 Torschüsse und 15 aufs Tor hatten, verglichen mit den elf Torschüssen und fünf aufs Tor vor der Pause, wäre es gut möglich, dass sie jetzt noch verlustpunktfrei wären.

3. Frankfurts neues System nimmt Konturen an

Am Wochenende holte Eintracht Frankfurt mit einem wilden 4:3 in Bremen den ersten Saisonsieg. Dass die Spielzeit einmal mehr holprig beginnt, liegt daran, dass die Eintracht nach André Silva nun mit Filip Kostić und Martin Hinteregger die nächsten Schlüsselspieler ersetzen muss – und sich dabei einmal mehr an ein neues System gewöhnen muss. Kostić und Hinteregger waren die beiden größten Faktoren für den Frankfurter Erfolg im 3-4-2-1. Nun hat man mit Mario Götze eine klassische Zehn im Kader. Zudem ist Luca Pellegrini eher ein Linksverteidiger, denn ein Schienenspieler wie Kostić.

Bundesliga Werder Bremen Eintracht Frankfurt

Photo by Cathrin Mueller/Getty Images

Also, zurück zum 4-2-3-1, das Oliver Glasner bereits zu Beginn seiner Amtszeit in Frankfurt etablieren wollte und auch schon in Wolfsburg erfolgreich umsetzte. Klar, Kristijan Jakić als Rechtsverteidiger ist noch etwas gewöhnungsbedürftig, auch für ihn selbst. Aber in Bremen wussten vor allem Götze sowie Randal Kolo Muani als klassische Neun zu überzeugen. Beide finden sich konsequenterweise auf der Torschützenliste wieder. Auch die Doppelsechs aus Djibril Sow und Sebastian Rode machte einen ordentlichen Eindruck. Ersterer traf zum entscheidenden 2:4.

Mit diesem Ergebnis befinden sich die Frankfurter auf Rang elf. Kommendes Wochenende geht es gegen RB Leipzig, die mit einem 2:0 über den VfL Wolfsburg ebenfalls ihre Sieglosigkeit abstreifen konnten, dennoch ob des Saisonstarts unter Druck stehen. Anschließend steht der erste Spieltag der Champions League an, gegen Sporting CP, bevor der VfL Wolfsburg nach Frankfurt kommt. Gerade diese Partien werden zeigen, ob hinter den Konturen des neuen Frankfurter Systems mehr steckt, oder es bei den Konturen bleibt.

Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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