Bundesliga | „Habe mich geärgert, weil wir sehr gut gespielt haben“ – Die Stimmen zu Bayerns Remis gegen Borussia Mönchengladbach

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News | Im Anschluss an das Topspiel des 4. Bundesliga-Spieltags, zwischen dem FC Bayern und Borussia Mönchengladbach, sammelte Sky Stimmen ein.

Bayern verzweifeln an Sommer – und erkämpfen sich dennoch Remis

Auch ohne außergewöhnliche Hitze sollte es in München an diesem Samstagabend einen Rekord-Sommer geben. Das Topspiel des 4. Bundesliga-Spieltags entwickelte sich von Beginn an zum Privatduell FC Bayern gegen Yann Sommer. Nach weniger als einer Minute verneinte er Dayot Upamecano. In den Folgeminuten fing er einige Bälle stark ab oder die Versuche des Rekordmeisters gingen (knapp) über den Querbalken. Deren 34 waren gespielt, als sich Kingsley Coman sowie Leroy Sané nach vorne arbeiteten. Thomas Müller flankte von rechts perfekt an den zweiten Pfosten, sodass Sadio Mané nur noch einschieben musste. Viertes Saisontor? Eigentlich schon. Dennoch erkannte Daniel Schlager nach Rücksprache mit Tobias Reichel und Rafael Foltyn in Köln den Treffer ab, weil Leroy Sané zwar abseits stand, Sommer dennoch die Sicht genommen haben soll. Eine Einschätzung, die man – besonders nach dem Kölner Ausgleich in Frankfurt durch Jan Thielmann vergangenes Wochenende – nicht zwingend teilen muss.

So schien es mit dem torlosen Remis in die Pause zu gehen. Borussia Mönchengladbach hatte bis zur 43. Minute null Torschüsse und einen xG von 0,00 aufzuweisen. Es spielte ausschließlich der FC Bayern. Dann jedoch verpasste es Upamecano, einen Befreiungsschlag von Christoph Kramer zu klären, Marcus Thuram war auf und davon und schob frei vor Neuer zum 0:1 ein. Damit war der Spielverlauf komplett konterkariert.

 



 

In der zweiten Halbzeit sollte Yann Sommer erst recht in den Fokus rücken. 48 Minuten waren gespielt, als er am kurzen Pfosten einen Kopfball von Thomas Müller parierte. In der 61. Minute nahm Coman im Zentrum Müller mit, der nochmal für Sadio Mané auflegte. Sommer parierte einmal herausragend. Der zweite Versuch aus einem Meter musste doch jetzt einfach…
Aber auch diesen Ball rettete Gladbachs Keeper.

Vier Minuten später spielte Benjamin Pavard bei einem Konter einen Bilderbuch-Steilpass auf Leroy Sané, der Ko Itakura entwischte und frei durch war. Abermals parierte Sommer. 71. Minute, Sommer lenkte zuerst einen Schlenzer Sanés zur Seite. Die anschließende Coman-Flanke landete perfekt auf dem Kopf von Thomas Müller. Doch auch er konnte den Schweizer nicht überwinden. Eine Viertelstunde vor Schluss parierte Sommer auch einen starken Distanzschuss von Pavard.

Es war absurd, dass Borussia Mönchengladbach zu diesem Zeitpunkt noch 1:0 führte. Ein 3:1 oder 4:1 wäre aufgrund des Chancenverhältnisses längst gerechtfertigt gewesen. Langsam lief den Münchenern allerdings die Zeit davon. 83. Minute, Alphonso Davies nahm im Zentrum den eingewechselten Jamal Musiala mit, der sich einmal drehen konnte und das Auge für den im Rückraum postierten Leroy Sané hatte. Und tatsächlich: Mit dem 27. Torschuss (!!!) war Yann Sommer dann doch geschlagen. Diesmal auch regelkonform. Akkurat unten links landete der Ball. 1:1!

In der Allianz Arena herrschte mittlerweile eine Spannung und Stimmung, wie im Champions-League-Halbfinale. Kurz nach dem Treffer packte Julian Nagelsmann die Brechstange aus und brachte Matthijs De Ligt als Mittelstürmer für Torschütze Sané. 87. Minute, Davies knallte drauf, Sommer lenkte den Volley zur Seite. In der 91. durften die Münchener nach einem zu zentralen Abschluss von Thuram, den sich Manuel Neuer sicher schnappte, nochmal kontern, Pavard köpfte nach vorne. Dort legte Serge Gnabry – ebenfalls per Kopf für De Ligt ab. Dessen wuchtiger Schuss landete – natürlich – bei Yann Sommer.

So blieb es beim 1:1. 19 Paraden zeigte Sommer an diesem Abend, das ist neuer Bundesligarekord. Alexander Schwolow hielt mit 14 Saves den alten. Sommer selbst gelangen in einer Partie nie mehr als zwölf. Sky sprach nach der Partie mit den Beteiligten.

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„Unser bestes Saisonspiel“ – Beim FC Bayern passt alles, bis auf den Abschluss

„Es war ein bisschen bitter heute. Aber wir kennen das, dass der Yann Sommer gegen uns sehr, sehr gut spielt“, fasste Joshua Kimmich die Partie zusammen. Generell war man auf Münchener Seite mit der Leistung an sich nicht unzufrieden, eher mit dem Ergebnis und den äußeren Faktoren – auch dem Schiedsrichter.

„Ja, ich habe mich geärgert, weil wir sehr gut gespielt haben. Und ich habe mich auch geärgert, weil der Schiedsrichter einfach jede, jede kleine Situation, die man 50:50 entscheiden kann, hat er alle für Gladbach entschieden. Aber jede einzelne“, wütete Julian Nagelsmann. „Und dann mit seinen gelben Karten, alle für uns. Die liegen 25 Mal am Boden und nehmen nur Zeit von der Uhr. Auf einmal hat jeder in der 50. Minute schon Krämpfe gehabt von denen. Da weiß ich nicht. Es gibt 50:50-Entscheidungen, die muss man auch mal 50:50 für beide treffen. Leroy Sané hat, glaube ich, 28 Fouls von Kramer gekriegt – aber keinen Freistoß. Die Stimmung im Stadion war gut, da hat der Schiedsrichter auch seinen Beitrag dazu geleistet, ich sicherlich auch, hab mir eine gelbe Karte abgeholt. Ich hab da nur gefragt, ob das Headset funktioniert. Arschloch-Frage von mir, eine berechtigte gelbe Karte.“

Nagelsmann könne seiner Mannschaft „nur bei dem, was die Chancenverwertung angeht“ einen Vorwurf machen. „Aber das war jetzt das erste Mal das Problem. Gegen eine so tiefe Mannschaft, die auch in die Champions League will. Man sagt immer, Bundesliga ist langweilig, aber das ist eine Mannschaft, die auch in die Champions League will und dann zehn auf zehn Meter verteidigt. Da haben wir 35 Torschüsse. Bis zur 40. müssen wir eigentlich drei Tore machen. Dann hatten wir zwei Abseitsentscheidungen, die minimal waren, aber ist Abseits, kein Problem. Wir haben davor trotzdem noch drei gute Chancen gehabt. Und dann machen wir einen kleinen Fehler, eine falsche Entscheidung von Upa, den Ball nach hinten spielen zu wollen. Auch in der zweiten Halbzeit auch, bis auf die Chancenverwertung. Klar, die letzten fünf Minuten haben wir sehr aufgemacht. Aber das ist auch normal, wir wollten gewinnen. Und ich glaube, dass es tatsächlich bis jetzt unser bestes Saisonspiel war.“

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Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images

Für seinen Fehler nahm Nagelsmann Upamecano ein Stück weit in Schutz: „Er will die saubere Lösung, in Ballbesitz bleiben, aus sicherem Ballbesitz zu Manu spielen. Aber jeder, der schonmal Fußball gespielt hat, weiß, wie schwer das ist, wenn der Ball dir quasi entgegenfliegt und du willst ihn dann direkt nach hinten verlängern. Das ist sehr, sehr schwer, den zu verarbeiten. Da muss er den Ball einfach nach vorne spielen, mit dem Kopf oder dem linken Fuß nach vorne spielen. Das ist aber kein sicherer Ballbesitz. Er wollte es elegant lösen, das hat nicht geklappt. Er hat aber bis dahin und auch danach ein sehr gutes Spiel gemacht.“

In den letzten Minuten kam auch Matthijs De Ligt ins Spiel. Aber nicht für Upamecano, sondern Sané als Mittelstürmer: „Wir wollten ein bisschen mehr Flanken spielen, wir haben oft die Flügelspieler Eins-gegen-Eins isoliert und dann haben wir oft das Eins-gegen-Eins gesucht. Ich hätte mir zwei, drei mehr Rückpässe auf Benji (Pavard) oder auf der anderen Seite auf Sadio oder Lucas sogar gewünscht, um dann gegen die herauspumpende Kette nochmal zu flanken. Wir haben zu viel in den Block da reingeflankt. Aber klar, Matthijs hatte zwei Abschlusschancen. Den einen hält Sommer sehr, sehr gut. Das war, glaube ich, der schwerste, den er gehalten hat. Und noch eine Kopfballchance, wo er so ein bisschen an den Arm von einem Gladbacher Spieler köpft. Er ist sehr torgefährlich, war er schon immer. Er hat auch einen sehr, sehr guten Abschluss tatsächlich. Wenn er ihn noch ein bisschen mehr drüberrutschen lässt, geht er ins Eck. Aber es war ein super Abschluss“, erläuterte Nagelsmann die Maßnahme.

„Bin froh, dass mir eine gute Leistung gelungen ist“ – Über-Sommer spricht über eigene Performance und seine Zukunft

„Es war hart, es war richtig hart“. So fällt das Fazit des Spielers dieser Partie – und wahrscheinlich auch des Spieltags aus: Yann Sommer. Es ist beileibe nicht das erste Mal, dass er die Münchener zur Verzweiflung bringt. Aber was er an diesem Samstagabend in der Allianz Arena zeigte, war. selbst für seine Standards, herausragend. „Wir wussten vor dem Spiel, was uns erwartet: Bayern in einer Topform. Das ist eine absolute Topmannschaft in Europa. Dass sie viele Bälle reinschlagen werden, dass da viel Arbeit kommen wird, viel Druck. Und ich finde, wir haben es – im Großen und Ganzen – gut verteidigt. Es ist ja klar, dass man gegen so eine Mannschaft nicht alles verteidigen kann. Ich bin froh, dass mir eine gute Leistung gelungen ist und wir heute diesen Punkt mitnehmen konnten.“

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Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images

Über den Sommer (die Jahreszeit und den Torhüter) gab es bereits Gerüchte, er könne den Verein verlassen. OGC Nizza um Ex-Gladbach-Trainer Lucien Favre soll interessiert gewesen sein. Sommer selbst klang nach der Partie vorsichtig optimistisch, was einen Verbleib angeht: „Dass das gut zusammenpasst, ich bin acht Jahre hier. Wenn das nicht gut zusammenpassen würde, wäre ich schon lange nicht mehr hier. Das ist für mich natürlich eine Familie geworden. Wir haben jedes Jahr tolle Mannschaften gehabt, sehr familiär der Klub. Es macht sehr viel Spaß, hier zu arbeiten. Jetzt setzen wir uns in den nächsten Tagen zusammen und werden dann informieren, wenn es was zu informieren gibt.“ Beim letzten Satz fing er leicht an zu schmunzeln, was in diesem Fall nicht nur mit seiner herausragenden Leistung zusammenhängen dürfte.

Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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