1. FC Köln mit Problemen: Ist Markus Gisdol noch der richtige Mann?

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Der 1.FC Köln legte einen ernüchternden Start ins neue Kalenderjahr hin. Mehrere besorgniserregende Auftritte reihten sich aneinander. Die „Geißböcke“ fielen auf den Relegationsplatz zurück, sodass auch Trainer Markus Gisdol vor dem eminent wichtigen Kellerduell beim FC Schalke 04 (Mittwoch, 18.30 Uhr) in den Fokus der Kritiker geriet. Doch wie viel Anteil hat er an der aktuellen Misere?

  • Die Domstädter sind seit fünf Spielen ohne Tor
  • Die Offensivabteilung beim Effzeh ist zu dünn besetzt
  • Große Schwerigkeiten im Spiel mit dem Ball

Die Probleme beim 1. FC Köln begannen mit dem Re-Start

Im November 2019 übernahm Markus Gisdol (51) den 1.FC Köln auf einem Abstiegsplatz liegend. Nach kurzen Anlaufschwierigkeiten führte er den Traditionsverein mit einem famosen Lauf im Winter aus dem Tabellenkeller. Dieser endete mit einer 1:2-Niederlage beim Rivalen Mönchengladbach – im ersten Geisterspiel der Bundesligageschichte. Es folgte die coronabedingte Unterbrechung der Saison. Nach dem Restart gewannen die „Geißböcke“ keines der neun verbliebenden Spiele und schlossen die Spielzeit auf Rang 14 ab.

Der Negativlauf setzte sich zu Beginn der Saison 2020/21 fort. Lediglich drei Unentschieden sprangen aus den ersten acht Begegnungen heraus. Somit standen die Kölner bei 18 Bundesligaspielen am Stück ohne Sieg. Schon damals gab es es Fragen nach der Zukunft von Gisdol. Dass die Mannschaft den Weg ihres Trainers mitgeht, stellte sie in den anschließenden Partien unter Beweis. Der 2:1-Coup bei Borussia Dortmund leitete die kurzfristige Trendwende ein, in deren Zeit auch ein Sieg in Mainz sowie achtbare Unentschieden gegen Wolfsburg und Leipzig fielen.

Mit elf Punkten aus 13 Spielen und dem erreichten DFB-Pokal-Achtelfinale gingen die Domstädter in die kurze Winterpause, in der sie ihren Rhythmus verloren. Schwache Vorstellungen führten zu einer 0:1-Heimniederlage gegen Augsburg sowie einem peinlichen 0:5 in Freiburg. Auch das torlose Remis im Vergleich mit Hertha BSC ließ das Stimmungsbarometer rund um das Geißbockheim kaum ansteigen. Trainer Gisdol geriet daher vor dem Kellergipfel gegen Tabellenschlusslicht Schalke 04 erneut unter Beschuss. Es ist zudem das Duell der nach Arminia Bielefeld – mit lediglich 13 Saisontoren – schwächsten Offensiven der Liga, womit die Hauptproblematik des Karnevalsvereins offensichtlich wird.

Cordoba und Uth hinterlassen Lücke beim 1. FC Köln

Im abgelaufenen Transfersommer verloren die Kölner Jhon Cordoba (27) an Hertha BSC (15 Millionen Euro Ablöse). Auf ihren treffsichersten Stürmer (13 Tore) war fast das gesamte Angriffsspiel ausgerichtet. Zudem endete die Leihe von Mark Uth (28), der im letzten Drittel des Spielfelds einen Großteil der kreativen Momente zu verantworten hatte.

Die Verhandlungen mit dem inzwischen zu den direkten Konkurrenten zählenden Schalkern über einen möglichen Kauf scheiterten. Den Verlust zweier absoluter Leistungsträger wollte die sportliche Leitung um Horst Heldt (51) durch mehrere Neuzugänge auffangen, indem sie die Einnahmen aus dem Cordoba-Abgang reinvestierte. 6,5 Millionen Euro flossen in die Verpflichtung des in der Vorsaison bei Union Berlin überzeugenden Sebastian Andersson (29). Der Angreifer legte in der Rheinmetropole mit drei Scorerpunkten aus den ersten fünf Begegnungen einen guten Start hin. Zuletzt litt er jedoch unter Knieproblemen, die ihn bereits während seiner Zeit in der Hauptstadt plagten.

Auswirkungen haben die Verletzungssorgen des schwedischen Nationalspielers auch auf den zweiten kostspieligen Neuzugang. Ondrej Duda (25) kam im Sommer von der Hertha und sollte eine Uth ähnelnde Rolle einnehmen. Dies gelang ihm in der Zeit des kurzen Aufschwungs durchaus. In den letzten Wochen lief er jedoch häufiger auf der für ihn ungewohnten Stürmerposition auf, die seinen Einfluss aufs Kölner Spiel deutlich sinken ließ. Der einst unter viel Trubel zurückgekehrte Anthony Modeste (32) ist derzeit ein Fremdkörper und der aus Lettland ausgeliehene Tolu Arokodare (20) stellt noch keine ernsthafte Alternative dar.

Simon Terodde (32) durfte vor Saisonbeginn trotz laufenden Vertrags ablösefrei zum HSV gehen. Somit stand Gisdol in den vergangenen Wochen kein etatmäßiger Mittelstürmer zur Verfügung. Neben Duda probierten sich auch schon Youngster Jan Thielmann (18) oder der vielseitige Marius Wolf (25) mit mäßigen Erfolg in vorderster Reihe aus. Auch der für 3,5 Millionen Euro von PAOK Saloniki verpflichtete Flügelspieler Dimitrios Limnios (22) half bislang nicht weiter.

1. FC Köln seit geraumer Zeit ohne Tor

Angesichts der Personalsorgen im Angriff ist die Torarmut der letzten Spiele kaum verwunderlich. Seinen letzten Treffer bejubelte der 1.FC Köln am 12. Dezember beim 1:0-Sieg in Mainz. Elvis Rexhbecaj (23) erzielte in der 55.Minute das goldene Tor. In den folgenden fünf Begegnungen brachte der Tabellen-16. das Spielgerät nicht einmal im gegnerischen Gehäuse unter. Damit stehen 485 Minuten am Stück ohne eigenen Treffer zu Buche. Allerdings wäre es zu einfach dies einzig und allein am Stürmerproblem festzumachen. Dafür offenbarten die „Geißböcke“ zu viele Schwächen im Spiel mit dem Ball.

Aus den Spielen im Kalenderjahr 2021 erreichten die Schützlinge von Markus Gisdol zusammengerechnet keinen „x-Goals“-Wert von eins. Auf vielen Positionen mangelt es an Spielstärke und Sicherheit im eigenen Ballbesitz. Gisdol setzt auf der Sechser- und Achterposition zumeist auf Arbeiter wie den laufstarken Ellyes Skhiri (25) – zugleich mit drei Treffern bester Kölner Torschütze -, Salih Özcan (23) oder eben Rexbecaj. Die Rückkehr des über weite Teile der bisherigen Spielzeit ausfallenden Kapitäns Jonas Hector (30) sollte für eine Steigerung der spielerischen Qualität sorgen, die bislang allerdings nicht sichtbar wurde.

Gisdol erkennt die Schwierigkeiten ebenfalls. Auf der Pressekonferenz vor dem morgigen Schalke-Spiel äußerte er:„Wir haben mit Ball nicht das größte Selbstbewusstsein“. Eine Lösung hat er allerdings – wie bei seiner vorherigen Anstellung in Hamburg – noch nicht gefunden. Unzählige lange Bälle prägten beim trostlosen 0:0 gegen die Hertha das Geschehen. In der vergangenen Saison gelang es Zielspieler Cordoba zumeist das Spielgerät zu sichern und abzudecken, sodass die Mitspieler nachrücken konnten und der weite Schlag als wirkungsvolles Stilmittel galt. Nach seinem Verlust ist diese Stärke verloren gegangen. Im letzten Drittel kommen die Kölner auf dem Spielfeld kaum zum Zug. 139 abgegebene Torschüsse (8,7 pro Partie) sind die wenigsten aller Mannschaften. 49 erarbeitete Torchancen bedeuten im Ligavergleich Rang 16. Auch dessen ist sich Gisdol bewusst:„Wir wissen, dass wir keine Mannschaft sind, die 60 Tore erzielt. Wir müssen die Spiele eng halten und defensiv stabil sein“, merkte er im Anschluss an das Hertha-Spiel an.

Den defensiven Teil seines Plans setzte die Mannschaft ordentlich um, denn bis auf die Spiele gegen Leverkusen und Freiburg leistete sie sich keine krassen Aussetzer. Zwar kam das frühe und höchst intensive Pressing, was den FC in der Erfolgsphase unter Gisdol auszeichnete, nur selten zum Vorschein. Doch zumeist verteidigte er sehr geschlossen und ließ auch die hochbegabten Offensivreihen aus Dortmund oder Leipzig kaum zur Entfaltung kommen. Zu schafften machte den Domstädtern jedoch die Menge an individuellen Fehlern.

Der schon länger umstrittene Torwart Timo Horn (27) leistete sich mehrere Schnitzer. Die Außenverteidigerpositionen gelten ebenfalls als nicht ausreichend besetzt. Auf rechts fungierte Marius Wolf oftmals als Notlösung, da Gisdol sowohl von Kingsley Ehizibue (25) als auch von Benno Schmitz (26) wenig überzeugt wirkt. Links konnte Noah Katterbach (19) nicht an seine starken Anfangsleistungen anknüpfen und auch Jannes Horn (23) hinterließ keinen bleibenden Eindruck. Zudem verschuldeten die Kölner gleich sechs zum Teil äußerst unnötige Elfmeter, was den Liga-Höchstwert darstellt.

Schalke-Duell als mögliches “Endspiel“ für Gisdol

Aussetzer dürfen sich die „Geißböcke“ morgen Abend auf Schalke nicht erlauben. Die Begegnung mit dem Tabellenletzten genießt höchste Priorität. Bei einem Erfolg könnten die Kölner Schalke schon auf acht Punkte distanzieren. Eine Niederlage ließe die „Königsblauen“ bis auf zwei Zähler heranrücken – und auch die Stimmen, die eine Ablösung von Markus Gisdol fordern, dürften sich mehren. Womöglich wäre es mit Publikum in den Stadien bereits dazu gekommen. Die äußerst passive Vorstellung im ersten Durchgang gegen Hertha hätte die Stimmung auf den Rängen zum Negativen kippen lassen können, nachdem Gisdol in der Vorwoche schon für reichlich Kopfschütteln sorgte, indem er seiner Mannschaft nach dem 0:5-Debakel in Freiburg attestierte „alles gegeben zu haben“. Der Trainer benötigt nun Erfolgserlebnisse um auch in näherer Zukunft der Trainertätigkeit am Geißbockheim nachgehen zu können. Dem Gastspiel auf Schalke folgen Duelle mit Hoffenheim und Bielefeld, die ebenfalls zu den Rivalen im Abstiegskampf zählen.

Fazit: Es gibt nachvollziehbare Gründe, die für eine baldige Ablösung von Markus Gisdol sprechen. Neben den schon länger ausbleibenden Resultaten verspricht auch die zur Schau gestellte Spielweise nur wenig Hoffnung auf Besserung in den kommenden Wochen. Zu viele Mängel offenbarte der 1.FC Köln – gerade im Spiel mit dem Ball.

Klar ist auch, dass Gisdol die Umstände keineswegs in die Karten spielen. Prägende Figuren aus der Vorsaison konnten nicht angemessen ersetzt werden. Dazu kommen die Personalsorgen – vor allem im Offensivbereich – sowie ein ohnehin unausgewogen besetzter Kader. Wintertransfers scheinen angesichts der auch finanziell komplizierten Situation eher schwer umsetzbar zu sein. Ein Fortschritt ist auch mit einem Trainerwechsel – der bei weiteren schwachen Ergebnissen jedoch unausweichlich scheint – nicht garantiert. Zumal geeignete Nachfolgekandidaten auch nicht in Scharen zur Verfügung stehen und auch die finanzielle Komponente hinsichtlich einer Abfindung bei einem Vertrag bis 2023 eine Rolle spielt.

(Photo by Lars Baron/Getty Images)

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