Nachspielzeit: Auswärtsfahrt! – Bayer Leverkusen vs Hamburger SV

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Schlag 8 Uhr. Der Wecker klingelt, der Kopf brummt ein wenig. Lange war die Partynacht am Freitag gewesen. Doch gleich mit dem
nächsten Gedanken war das alles vergessen: Heute geht es zum HSV, heute geht es zum ersten Mal alleine auf die Reise in den Stehbereich der HSV-Fans. Endlich mithüpfen, mitsingen, mitjubeln und mitleiden. Lange im Vorfeld freute ich mich auf diesen Tag und die Erwartungen wurden gar übertroffen – trotz der bitteren Pleite!

Beim Frühstück noch schnell die letzten News zum Spieltag abgeholt, das Brötchen schnell verputzt und den Kaffee hastig hinuntergespült.

 

Jetzt aber schnell, sonst verpasse ich noch meinen Bus.

Das Anziehen wurde begleitet von „Könige des Nordens“, „HSV Forever“ und natürlich „Hamburg meine Perle“. Mit dem schönen Ohrwurm im Gepäck ging es auf den Weg. Gute zweieinhalb Stunden Fahrt hatte ich vor der Brust – natürlich deutlich weniger als die Jungs aus der schönsten Stadt der Welt. Verabredet war ich mit zwei HSV-Fans aus Köln, die ich beim Testspiel in Bochum vor etwas über einem Monat kennen gelernt habe. Die HSV-Kneipe mitten im Herzen von Köln, das „Boogaloo“, war das Ziel. Bereits im Zug von Essen nach Köln ging das Fachsimpeln los, die ersten HSV-Fans gesichtet. Total offen und guter Dinge sprach ich mit eigentlich fremden und doch nahen Personen über den HSV, Gott und die Welt. Die 30-minütige Verspätung des Zuges wurde nicht im Ansatz gemerkt, die Zeit verging wie im Flug. Angekommen in Köln begrüßte mich die Sonne. Perfektes Wetter, einfach genial! Schließlich gelangte ich an mein Ziel, zuvor war ich etwas orientierungslos und ging zwei bis zehnmal in die falsche Richtung.

(Photo PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images)

Endlich da, jetzt geht´s los

Aus weiter Entfernung sah ich dann aber schon meine beiden Kollegen, die Begrüßung herzlich, das erste Bier schon bereit. Auch die anderen empfingen mich so, als wäre ich schon Jahre dabei – toller Start.

 

So und nicht anders muss das unter Fans sein – egal welches Trikot sie tragen!

Angekommen am Stadion war die Stimmung immer noch prächtig und wurde sogar noch besser. Man unterhielt sich, man lachte, man erinnerte sich.

 

2010. Euro League – man war das geil. Eindhoven, Lüttich, Fulham. Hab ich alles mitgemacht, unglaublich!

Auch ich schwelgte in Erinnerungen. Elf Jahre alt war ich, als Petric in Lüttich zum Fallrückzieher ansetzte und den Freistoß in den Winkel von Mark Schwartzer knallte. Mitten drin kam der HSV-Bus mit allen Spielern, Betreuern und Trainerstab an uns vorbei. Millimeter vor meiner Nase fuhr der Rauten-Express – mein Tweet wurde vom HSV und von der BILD verbreitet.

Mit leuchtenden Augen, strahlendem Gesicht und bester Laune ging es ins Stadion. Der Tag – das wusste ich schon jetzt – war ein voller Erfolg. Anschließend einigten wir uns kurz darauf wer die Bratwurst und das nächste Getränk bezahlt und besorgt, die Wurst fiel ins Bier und das Brezel fast auf den Boden. Nochmal schnell zur Toilette und pünktlich zum Anstoß saßen – äh standen – wir dann auf unseren Plätzen. Ich wollte schon nach der Reihe und meinem Platz fragen, da fiel mir ein, eine Stehplatzkarte zu besitzen.

In der Kurve erlebte ich offene und positiv Verrückte Menschen, die nichts anderes im Kopf hatten als den HSV bedingungslos zu unterstützen. Teilweise mit nacktem Oberkörper, teilweise mit pinkem Trikot oder auch einfach in Zivil – diese 3.000 verschiedenen Menschen verband in 90 Minuten einfach alles: Der Fußball. Der HSV. Nichts anderes zählte an diesem Tag für all diese Menschen – mich eingeschloßen.

Das Spiel in der ersten Halbzeit war in Ordnung. Die Mannschaft kämpfte und kratzte. Leverkusen war kaum gefährlich. Die Fans quittierten das mit Beifall und Sprechchören. Achtbar sollten sich die Jungs schlagen – und das taten sie. 0:0. Pause. Nächste Pommes und zwischendurch auch mal ein Wasser. Flugs wieder auf die Plätze und weiter ging´s.

Dann passierte es. Unbedingt wollte ich Jubeln, unbedingt ein Tor in der Kurve erleben.

 

Jungs! Jaaa, Bobby ist durch…

Hä was? Ich drehte mich wieder zum Spiel, weil um ehrlich zu sein: Alles bekommt man im Block einfach nicht mit. Gerade rechtzeitig sah ich wie Leno über den Ball trat und Bobby Wood alleine vor dem leeren Tor stand. Der Ball war noch zwei, drei Meter von der Linie entfernt und alle 3.000 Fans lagen sich in den Armen. Dieses Tor, dieser Jubel ist einfach nur unfassbar und ein einmaliges Erlebnis. Ich weiß, dass es sicherlich noch emotionalere Momente als ein Treffer in Leverkusen gibt / hab, aber für mich war es nunmal das „erste Mal“. Die Stimmung im Anschluß an die Führung explodierte – ein Video dazu findet ihr hier. Ständige Wechselgesänge, noch mehr oberkörperfreie Körper und heisere Stimmen. 6 Mal deutscher Meister, 3 Mal Pokalsieger, immer erste Liga. Könnte das Leben besser sein? Ich glaube in dem Moment hätte ich verneint, 10 Minuten war alles gerichtet für eine mega Party. Der HSV führte in Leverkusen.

Doch bei all der Euphorie und der Überflutung von Gefühlen und Reizen – gibt es ja da auch noch die unbeschrieben Gesetze im Fußball und die verlässliche Unzuverlässigkeit des Hamburger SV. Ungefähr 10 Minuten und drei Treffer (wer hat die eigentlich gemacht?) für Leverkusen später herrschte Frust und Tristesse im Block.

 

Von ganz oben nach ganz unten…

… geht es halt ganz schnell, vor allem beim Fußball. Doch die Mannschaft wurde trotzdem mit Sprechchören verabschiedet. Auch in der Kurve liegen Freud und Leid nah beieinander. Die anderen Fans trösteten mich: „Jung wir sind jetzt seit mehr als 20 Jahren dabei, irgendwann ärgert man sich nicht mehr, sowas haben wir schon oft erlebt.“ Natürlich verstand ich das in diesem Moment erstmal nicht.

Zunächst dominierte die Enttäuschung und die Wut meine Gefühlswelt, doch schon heute blicke ich auf diesen fantastischen Tag zurück und denke mir, dass man schlichtweg dankbar sein muss soetwas erleben zu dürfen: „Danke an die Fans vom HSV“, die mich so super aufnahmen und alles für ihren geliebten Club versuchen.

 

 

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