Was ist los mit Luis Suarez?

1. November 2017 | News | BY Christoph Albers

Der FC Barcelona blieb gestern, im Spiel gegen Piräus, erstmals seit fünf Jahren in einem Gruppenspiel der UEFA Champions League ohne eigenen Treffer. Ein Grund dafür ist sicherlich auch die anhaltende Schwäche-Phase von Torjäger Luis Suarez, der in dieser Saison nicht so richtig auf Touren zu kommen scheint. Grund genug, um sich seine Situation einmal genauer anzusehen.

Schwächster Start seiner Barcelona-Karriere

Luis Suarez ist noch nie, seit er beim FC Barcelona ist, so schlecht in eine Saison gestartet. In der Liga gelangen ihm bei seinen sieben Einsätzen lediglich drei Tor, in der Champions League blieb er bisher (bei vier Einsätzen) ebenso ohne Tor, wie in der Supercopa (bei zwei Einsätzen). Für ein Tor brauchte er durchschnittlich 387 Spielminuten – deutlich zu viele für einen Stürmer mit seinem Anspruch. Zum Vergleich: In der letzten Saison brauchte er in den ersten 13 Pflichtspielen nur 100 Minuten für ein Tor, 2015/16 waren es 171 Minuten für ein Tor.  Doch woran liegt das?

Liegt es an der Gesamtperformance der Mannschaft? Eher nicht. In der vergangenen Saison erzielte die gesamte Mannschaft 30 Tore in den ersten 10 Ligaspielen, die für 22 Punkte reichten. In dieser Saison sind es nach 10 Ligaspielen 28 Tore, bei 28 erreichten Punkten. Insgesamt präsentiert sich die Mannschaft wesentlich besser, die Anzahl der Tore ist nur unwesentlich gesunken, was auch eher daran liegt, dass eben Suarez nicht mehr so treffsicher ist wie gewohnt.

Liegt es am Neymar-Abgang? Klar ist, mit Neymar war die ohnehin schon große Offensivpower der Katalanen noch gewaltiger. Der Brasilianer schuf durch seine Spielweise und Präsenz Räume für seine Mitspieler, machte das Offensivspiel noch weniger vorhersehbar und legte obendrein auch 15 Tore in der Liga auf. Seit seinem Abgang sind vor allem Messi und Suarez stärker in der Verantwortung und logischerweise noch mehr im Fokus der Verteidiger. Allerdings wird er nun auch verstärkt von seinen Mitspielern gesucht und er hat ausreichend Chancen, die er nicht gut genug ausnutzt. Seine Schussgenauigkeit (Schüsse auf Tore/Schüsse) liegt lediglich bei 50%, in den vergangenen Saisons war sie jeweils deutlich darüber (58% 2016/17, 56% 2015/16).

Fehlender Rhythmus

Woran könnte es sonst noch liegen? An Verletzungen. Suarez hatte in den letzten Problemen immer wieder mit kleineren Blessuren zu kämpfen. Oftmals wurde er trotzdem eingesetzt, auch in der Nationalmannschaft. Dadurch konnte der Uruguayer nicht an seine besten Leistungen anknüpfen. Zudem verpasste er im August zwei Spiele aufgrund einer Knieverletzung. Ihm gelang daher es nicht den Schwung der Sommervorbereitung mit in die Saison zu nehmen, ihm fehlt sichtlich der Rhythmus. Dies wurde durch die anstrengenden Länderspielreisen nach Südamerika zusätzlich verstärkt. Ein gewisser Mangel an Grundfitness, der angesichts der Umstände absolut nachvollziehbar ist, und die fehlende Selbstverständlichkeit seines Spiel, aufgrund des fehlenden Rhythmus, sind womöglich die Hauptursachen für seine schwache Form.

Sollte Suarez fit bleiben und seinen Rhythmus bald wiederfinden (es steht in nächster Zeit ja auch nur noch eine Länderspielpause an), dürfte seine Schwächephase auch bald vorübergehen. Mit 30 Jahren dürfte er noch nicht zu alt sein, um an seine Top-Form anzuknüpfen. Aktuell dürfte er dafür ausreichend Zeit und Vertrauen von Trainer Valverde bekommen, schließlich läuft es trotzdem hervorragend für seine Mannschaft. Doch um die ganz großen Ziele zu erreichen, wird ein Luis Suarez in Top-Verfassung notwendig sein.

(Photo by LOUISA GOULIAMAKI/AFP/Getty Images)

 

Christoph Albers

Cruyff-Jünger und Taktik-Liebhaber. Mag präzise Schnittstellen-Pässe, schwarze Leder-Fußballschuhe, Retro-Trikots und hat einen unerklärlichen Hang zu Fußball-Finanzen. Seit 2016 bei 90PLUS.


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