Bundesliga: Union überragt, Trainerwechsel mit gemischter Wirkung – Die Tops und Flops der Saison 2021/22

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Spotlight | Die Bundesliga-Saison 2021/22 steht in den Geschichtsbüchern! Die Entscheidungen sind, abgesehen von der Relegation, gefallen. Zeit also, auf Höhepunkte dieser Spielzeit zu schauen – im positiven wie negativen Sinne.

Die Tops der Saison 2021/22

Union Berlin

Der einzige Klub der Bundesliga, der reihenweise Leistungsträger abgeben kann und sich dabei trotzdem verbessert. Vor der Saison ging Nico Schlotterbeck zurück nach Freiburg, Robert Andrich schloss sich Bayer Leverkusen an, Marius Bülter und Marcus Ingvartsen zog es zu Schalke, beziehungsweise Mainz. In der Winterpause folgten noch Marvin Friedrich (Borussia Mönchengladbach) und Max Kruse (VfL Wolfsburg). Das Ergebnis: Die beste Saison der Vereinsgeschichte mit Platz 5 sowie dem Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals und die zweite europäische Teilnahme im dritten Bundesliga-Jahr. Man muss sich immer wieder vergegenwärtigen, dass dieser Verein erst 2019 aufgestiegen ist. Von ihrer Stabilität, der Personalphilosophie sowie dem klaren Plan, den man seit Jahren verfolgt, könnten sie genauso gut 30 Jahre dabei sein. Im Sommer verlässt Grischa Prömel den Verein gen Hoffenheim. Als Ersatz hat Union bereits Janik Haberer aus Freiburg verpflichtet. Auch der am Montag bekanntgegebene Transfer von Innenverteidiger Danliho Doekhi sieht auf dem Papier vielversprechend aus. In der verganenen Saison war der 23-Jährige Kapitän von Vitesse Arnhem, hat also bereits Erfahrung in Europa vorzuweisen und kann sowohl innen, als auch in den Halbräumen verteidigen.

Seit Gründung der Bundesliga bis ins Jahr 2021 ist es keinem Berliner Verein gelungen, am Saisonende vor Hertha BSC zu stehen. Diese Serie hat Union in den letzten beiden Spielzeiten auf erstaunliche Art und Weise beendet, mit zuerst 15 und nun 24 Punkten Vorsprung. Dazu kommt, dass sie alle drei Derbies gegen die Hertha gewinnen konnten (2:0, 3:2 (Pokal), 4:1). Machen sie so weiter, spricht nur wenig dagegen, dass sie auch in Europa Dauergast werden.

Steffen Baumgart

Seine Verpflichtung stellte sich als absoluter Glücksgriff heraus. Übernahm Köln frisch aus der Relegation kommend und führte sie auf Anhieb nach Europa. Das gelang zuletzt Bruno Labbadia mit dem VfL Wolfsburg 2018/19. Doch während man von den Niedersachsen gewohnt ist, dass sie in der Lage sind, auf einem konstant hohen Level zu performen, ist es bemerkenswert, wie sich die Mannschaft unter Baumgart entwickelt hat. Ihr Ziel ist es, immer die spielerische Lösung zu suchen. Dabei wissen sie genau abzuwägen, wo Mut endet und Leichtsinn beginnt. Das konnte man auch bei Baumgart selbst in dieser Saison erkennen. Über weite Teile der Spielzeit ging es darum, die Klasse zu halten. Als sich die Tür nach Europa öffnete, ging er genau rechtzeitig medial ins Risiko und gab das Saisonziel neu vor, sodass die Mannschaft noch auf den Zug aufspringen konnte. Darüber hinaus half er Anthony Modeste, zu alter Stärke zurückzufinden. Mit 20 Treffern hat er einen großen Anteil an Kölns Topsaison. Angesichts der Tatsache, dass der Kölner Kader diesmal auch qualitativ breiter aufgestellt ist, als 2017/18, ist dem Effzeh kommende Saison auch europäisch einiges zuzutrauen.

Pellegrino Matarazzo

Es war eine Saison, in der Pellegrino Matarazzo die gesamte Klaviatur des Trainerdaseins bespielen musste. Führte er den VfB Stuttgart verganene Spielzeit noch auf einen souveränen 9. Platz, so zeichnete sich die jetztige vor allem durch eine Menge Verletzungen aus. Bereits Ende März 2021 riss sich Silas das Kreuzband. Auch Sasa Kalajdzic fiel mit einer Schulterverletzung langfristig aus. Damit brachen Matarazzo praktisch mit Saisonbeginn 27 der 56 in der vergangenen Saison erzielten Tore weg. Das als Verein wegzustecken, ist schwer genug. Wenn die Personalproblematik dann soweit führt, dass Konstantinos Mavropanos über weite Strecken Toptorjäger seiner Mannschaft war und Roberto Massimo oder Philipp Förster im Sturm aushelfen müssen und sich dazu noch mehrere Sieglosserien ergeben, braucht es viel Geschick, um während des Sturms trotzdem noch Kurs auf das Ziel, den Klassenerhalt, zu haben.

Bundesliga Stuttgart Köln

Photo by Matthias Hangst/Getty Images

Vor allem, um der Mannschaft den Glauben zu vermitteln, dass am Ende wirklich alles gut wird. Auch, wenn es gerade komplett anders aussieht. Letzten Endes gewann Stuttgart zwar lediglich drei seiner letzten 19 Spiele. Es waren aber diese Siege gegen Gladbach (3:2) und Augsburg (3:2) die Matarazzo und die Mannschaft bestätigten, dass die Saison eben nicht mit der Relegation oder dem Abstieg enden würde und letzendlich in der Jubelexplosion nach Wataru Endos Siegtreffer gegen Köln (2:1) mündeten. Im Englischen gibt es das Sprichwort „Good things come to those who wait“. Genau das trifft auf Matarazzo und den VfB Stuttgart zu.

Christopher Nkunku

Um zu wissen, auf welchem Niveau Christopher Nkunku angekommen ist, muss man lediglich einen Blick auf die Torjägerliste der Champions League werfen. Siebenmal traf der Franzose. Damit ist er vor dem Finale hinter Mohamed Salah (8), Sébastien Haller (11), Robert Lewandowski (13) sowie Karim Benzema (15) auf Rang 5. Das bemerkenswerte: Nkunku kam mit RB Leipzig nicht über die Gruppenphase hinaus und bekam es dort mit Manchester City und Paris Saint-Germain zu tun. Das alles, während sich seine Mannschaft unter Jesse Marsch national wie international äußerst schwertat.

Auch in der Bundesliga sorgte er mit seinen 20 Toren und 13 Assists, dass RB Leipzig doch noch die Qualifikation zur Champions League gelang. Sein Einfluss auf Leipzigs Spiel erinnert ein wenig an Kevin De Bruyne beim VfL Wolfsburg. In Bochum tat sich Leipzig lange schwer. Ein einziger Torschuss gelang ihnen vor der Pause. Nach 58 Minuten kommt Nkunku und erzielt den Siegtreffer. Das gleiche Spiel in Leverkusen. Null Torschüsse zur Halbzeit, Nkunku wird eingewechselt und legt Dominik Szoboszlai das Siegtor auf. Beim 4:1 in Dortmund traf er einmal selbst und holte sich zwei Assists. Auch gegen Augsburg, einem brutal wichtigen Spiel glänzte Nkunku per Doppelpack. Im Angelsächsischen nennt man so etwas „cheat code“. Hochverdient zum Spieler der Saison gewählt.

14. Spieltag

Mit 41 Treffern der torreichste dieser Saison. Hatte von erwartbaren hohen Siegen (Leverkusen 7:1 Fürth) über erwartbartbare knappe Siege (Dortmund 2:3 Bayern) bis hin zu hohen Überraschungssiegen (Gladbach 0:6 Freiburg) alles dabei – alles, außer ein 0:0. Fußballunterhaltung in Reinkultur. Genau so muss Bundesliga aussehen.

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Die Flops der Saison 2021/22

Trainerrochade

Es hatte Züge des Kinderspiels „Reise nach Jerusalem“, was sich vergangenen Sommer in der Bundesliga ereignete. Nach dem Abgang von Marco Rose zu Borussia Dortmund verließ Adi Hütter Frankfurt gen Gladbach, die sich wiederum Oliver Glasner aus Wolfsburg holten. Hansi Flick zog es derweil vom FC Bayern weg. Sein Nachfolger wurde Julian Nagelsmann. Jesse Marsch, Steffen Baumgart, Mark van Bommel und Gerardo Seoane kamen von außerhalb der Bundesliga dazu. Am Saisonende lässt sich fazitieren, dass diese Maßnahme mehr Verlierer als Gewinner hatte. Marsch, van Bommel und Hütter sind schon wieder Vergangenheit bei ihren jeweiligen Vereinen, Marco Rose nicht unumstritten. Julian Nagelsmann mag für den FC Bayern zwar die zehnte Meisterschaft in Folge geholt haben, punktetechnisch spielte der Rekordmeister allerdings die schwächste Saison in einer Dekade. Inwieweit man Frankfurts 11. Platz in der Bundesliga an Glasner festmachen will, steht jedem offen. Wegdiskutieren lässt er sich allerdings nicht.

Die einzigen, bei denen sich der Trainerwechsel vollauf und ohne jegliche Bedenken gelohnt hat, sind der 1. FC Köln, die satte 29 Punkte mehr vorzuweisen haben, als in der Vorsaison und Bayer Leverkusen. Gerardo Seoane übernahm eine Mannschaft, die nach der Entlassung Peter Boszs ein Stück weit auf der Suche nach sich selbst war und führte sie von Platz 6 zurück in die Champions League – trotz Verletzungen von Leistungsträgern wie Patrik Schick, Florian Wirtz oder Jeremie Frimpong und der Abgänge von Führungsspielern wie den Bender-Zwillingen.

FC Bayern & Borussia Dortmund

Ja, in der Bundesliga haben die beiden Alphatiere ihr jeweiliges Saisonziel erreicht. Trotzdem ist es beiden Teams gelungen, dabei unter den eigenen Erwartungen zu bleiben. Während der FC Bayern eine durchaus konstante und ansprechende Hinrunde spielte, ließ die zweite Hälfte dieser Spielzeit einiges zu wünschen übrig. Die Offensive wirkte flacher und berechenbarer, die Mannschaft nicht mehr so gefestigt, wie in der Hinrunde. In Spielen wie in Bochum (2:4), gegen Leverkusen (1:1), Borussia Dortmund (3:1) oder jüngst in Wolfsburg (2:2) reichte zumeist ein Gegentor, um die Münchener komplett aus der Spur zu bringen. Strukturgeber wie David Alaba oder Thiago, die den Verein in den letzten Jahren verließen, gingen der Mannschaft in diesen Momenten sichtlich ab. Man darf gespannt sein, wie sich die kommende Saison gestaltet, sollte sich auch Robert Lewandowski im Sommer verändern.

Bundesliga FC Bayern Dortmund

Photo by Matthias Hangst/Getty Images

Die Tatsache, dass der FC Bayern trotz seiner Unzulänglichkeiten komfortabel Meister wurde, hat auch mit der zweiten Kraft der Bundesliga zu tun: Borussia Dortmund. 52 Gegentore stehen für den BVB zu Buche. Der höchste Wert seit der Saison 2007/08 unter Thomas Doll. Damals schloss man die Spielzeit auf Platz 13 mit 62 Gegentreffern ab. Immer wieder gab es krasse defensive Patzer, die zu fragwürdigen Auftritten wie in Berlin (2:3), gegen Bayer Leverkusen (2:5), in Augsburg (1:1), gegen Leipzig (1:4) oder den VfL Bochum (3:4) führten, als man zwischenzeitlich ein 0:2 drehte – nur, um die Partie in den Schlussminuten doch noch herzugeben. Dazu kam eine Reihe von Verletzungen – unter anderem auch Erling Haaland betreffend. Seine zwischenzeitliche Abwesenheit dürfte der Mannschaft genauso wenig geholfen haben, wie die anhaltenden Diskussionen um seine Zukunft. Dazu kommen andere Debatten, wie die, um das in Dortmund inzwischen auf dem Index stehende M-Wort. Rose wich in seinen Interwiews daher zumeist auf den Begriff „Haltung“ aus. Mit den Transfers von Nico Schlotterbeck, Niklas Süle oder Karim Adeyemi hat man dem Team eine Frischzellenkur verpasst, die sich in der kommenden Saison positiv auswirken könnte.

Auch international zeigten sich beide Teams durchwachsen. Der FC Bayern gewann in der Champions League zwar alle seine Gruppenspiele. In der K.O.-Runde tat man sich jedoch vor allem auswärts extrem schwer, musste in Villarreal die erste Niederlage seit gut viereinhalb Jahren einstecken und schied letztlich im Viertelfinale hochverdient gegen das gelbe U-Boot aus. Borussia Dortmund hingegen kam überhaupt nicht über die Gruppenphase hinaus und strich in den Playoffs der Europa League gegen die Rangers (2:4, 2:2) sang- und klanglos die Segel.

Hertha BSC

Bei seinem Dienstantritt bezeichnete Jürgen Klinsmann Hertha BSC als „spannendstes Fußballprojekt Europas“. Nach dieser Spielzeit ist es höchstens noch das chaotischste. Zu Saisonbeginn gab es fünf Niederlagen aus den ersten sieben Partien. Die Mannschaft kämpfte von Beginn an gegen den Abstieg. Dabei sollte mit der Verpflichtung von Fredi Bobic vieles besser werden. Stattdessen steht ein unausgeglichen zusammengestellter Kader sowie zwei Trainerwechsel zu ominösen Zeitpunkten. Als Hertha nach einem 1:1 am 13. Spieltag gegen den FC Augsburg auf Platz 14 stand, wurde aus Pál Dárdai Tayfun Korkut. Es brauchte neun sieglose Bundesligaspiele am Stück, bevor auch er ausgedient hatte. Dazu kommt der überraschende Rücktritt von CEO Carsten Schmidt, der Abgang von Sportdirektor Arne Friedrich sowie die Streitigkeiten zwischen Lars Windhorst und Präsident Werner Gegenbauer.

Felix Magath hat aus der Mannschaft fast noch das meiste herausgeholt. Dass sie in Bielefeld (1:1), gegen Mainz (1:2) und in Dortmund (1:2) drei Matchbälle am Stück zum Klassenerhalt vergaben, kann man ihm schwerlich anlasten. Mit der Eingliederung von Jugendspielern, darunter Julian Eitschberger oder Luca Wollschläger, sowie der Installation Kevin-Prince Boatengs als unumstrittener Leader auf dem Platz hat er ihnen das Maximum an Stabilität gegeben. Wie im DFB-Pokal zu sehen war, ist der HSV eine alles andere als kleine Hürde. Die Mannschaft hat unter Tim Walter nur noch wenig vom Chaosverein, der 2018 abstieg.

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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