Bundesliga | VfL Wolfsburg an der Spitze: Momentaufnahme – oder mehr?

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Spotlight | Nach vier Spieltagen steht der VfL Wolfsburg verlustpunktfrei an der Tabellenspitze der Bundesliga. Nur eine Momentaufnahme oder ist die Mannschaft von Mark van Bommel bereit für eine große Saison?

Verlustpunktfreie Wolfsburger: Klare Steigerung zur Vorsaison

Quizfrage: Wieviele der 18 Bundesliga-Trainer dürfen sich Deutscher Meister nennen? In ihren aktuellen Ämtern, kein einziger. Als Spieler, nur einer: Mark van Bommel (44). 2008 und 2010 holte der Niederländer mit dem FC Bayern die Schale.

Im Moment steht er wieder an der Spitze, diesmal mit dem VfL Wolfsburg. Vier Spiele, vier Siege, 6:1 Tore. Als einzige Mannschaft der Liga sind sie noch verlustpunktfrei. In den europäischen Topligen stehen die Wolfsburger in einer Reihe mit José Mourinhos Roma, Milan, Napoli sowie Paris-Saint-Germain, beziehungsweise Benfica. Je nachdem, welchen Maßstab man anlegt.

 



 

Das ist im Vergleich zur Vorsaison eine exponentielle Steigerung. Damals hatte der VfL ebenfalls vier aus vier – allerdings Unentschieden und stand damit auf Platz 13. Unter anderem auch, weil ihnen das entscheidende Etwas fehlte, um die Spiele noch auf ihre Seite zu ziehen. Zwei torlosen Remis gegen Leverkusen und Augsburg stehen zwei 1:1 gegen Gladbach und Freiburg gegenüber.

Generell taten sich die Wolfsburger vor allem in Spitzenspielen schwer. Beide Duelle mit dem FC Bayern (1:2, 2:3) und Borussia Dortmund (0:2, 0:2) gingen verloren. RB Leipzig konnte man immerhin zwei Punkte abtrotzen (2:2, 2:2) – unterlag dafür aber im DFB-Pokal (0:2).

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Van Bommels defensive Kompaktheit bringt dem VfL Wolfsburg den Erfolg

Und nun? Fürth (2:0), Hertha (2:1) sowie Bochum (1:0) konnte Wolfsburg bezwingen – und holte sogar den Sieg gegen Leipzig (1:0). Was auffällt, ist die wesentlich kompaktere Defensive. Der VfL kassierte erst ein Gegentor. Und das auch nur vom Punkt. Dahingehend wird schon früh die Handschrift van Bommels sichtbar, der in seiner letzten kompletten Saison 2018/19 mit der PSV Eindhoven – 2019/20 wurde aufgrund der Pandemie nach 26 Spieltagen ohne Gewinner abgebrochen – die wenigsten Gegentore kassierte (26 in 34 Spielen) sowie die wenigsten Niederlagen (drei). Dazu hatte man nach Ajax (119 Tore) die zweitbeste Offensive der Liga (98 Tore).

Copyright: Eibner-Pressefoto/Roger Buerke/imago

Im Vergleich zur Vorsaison ist die Raumaufteilung des VfL Wolfsburg wesentlich besser, als man zu oft Gegentore aus dem Rückraum heraus kassiert hat. Dazu lädt die Verteidigung den Gegner seltener zum Toreschießen ein. Was aber nicht nur an der Taktik an sich liegt, sondern auch am internen Konkurrenzkampf. Mit Sebastiaan Bornauw (22) kam eine zusätzliche Alternative für die Defensive.

Und auch offensiv ist der VfL in dieser Spielzeit wesentlich variabler aufgestellt. Ganz vorne konnte Wout Weghorst (28) trotz des ein oder anderen Flirts mit der Premier League gehalten werden. U21-Europameister Lukas Nmecha (22) kann sowohl in der Spitze, als auch auf dem Flügel spielen. Selbiges gilt auch für Luca Waldschmidt (25). So muss Weghorst das Klavier nicht mehr allein tragen. 20/21 stand der Niederländer mit 20 Treffern satte 13 vor dem zweitbesten Torschützen, Josip Brekalo (23). Auch auf Bartosz Białek (19) lastet nun weniger Druck, sodass er langsam(er) herangeführt werden kann.

Nur Momentaufnahme oder mehr? Die kommenden Wochen entscheiden

Der Start in die neue Saison ist dem VfL Wolfsburg damit geglückt, wenngleich man sagen muss, dass Siege gegen den damaligen Tabellenletzten und beide Aufsteiger zum Repertoire einer guten Champions-League-Mannschaft gehören sollten.

Jetzt gilt es, an diese Form anzuknüpfen. Denn die wirklichen Prüfungen kommen noch: Doppelbelastung aus Bundesliga und Königsklasse. Nach dem Spiel in Lille kommt Ex-Trainer Glasner mit der Eintracht zu Besuch, danach warten Hoffenheim (A), Sevilla (H), Borussia Mönchengladbach (H), Union Berlin (A) sowie RB Salzburg (A). Das alles, in bestem Wissen, dass van Bommels Ex-Klub FC Bayern sowie Borussia Dortmund von hinten unablässig Druck machen werden. Daher wird vom VfL Wolfsburg in den kommenden Wochen nicht nur taktische Disziplin, sondern vor allem auch mentale Stabilität und mannschaftliche Geschlossenheit gefragt sein. Sind sie bereit, auch den allerletzten Schritt noch zu gehen, wenngleich er sich jenseits der Schmerzgrenze befindet, um die Tabellenführung zu verteidigen?

Wenn ja, könnte es eine spannende Bundesliga-Saison werden.

Bildquelle: imago

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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