Kommunikation des BVB: Überall Fragezeichen

BVB: Reyna und Haaland fallen noch länger aus
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Borussia Dortmund hat in den letzten Jahren auf kommunikativer Ebene eine Entwicklung genommen, die den eigenen Fans immer wieder sauer aufstößt und keinerlei Vorteile mit sich bringt. Ein Kommentar.

BVB: Was ist eigentlich mit Gio Reyna?

Alles Gute, Gio Reyna! Der US-Amerikaner vom BVB feiert am 13. November seinen 19. Geburtstag. In der aktuellen Saison legte der Offensivspieler einen vielversprechenden Start hin und erinnerte Verantwortliche sowie Fans an sein großes Potenzial. In der vorherigen Spielzeit trat Reyna ab und zu sehr lustlos auf, was für viel Frust sorgte. Doch solche Phasen gehören natürlich auch zur Entwicklung eines jungen Spielers. Umso erfreulicher waren die Auftritte, die er unter Marco Rose bislang hinlegte. Zwei Tore und eine Vorlage in fünf Pflichtspielen waren ein Fingerzeig, was in der Zukunft möglich sein könnte.

Das Problem: Dabei blieb es dann auch bis heute. Sehr wahrscheinlich sogar noch bis zur Rückrunde. Denn Reyna leidet seit Anfang September an einer Muskelverletzung. Vor der Partie in Leipzig am vergangenen Wochenende verriet sein Trainer, dass Reynas Verletzung „langsam“ besser werde und sprach von einer „leichten Sehnenbeteiligung“ sowie Nerven-Problemen, die bei „bestimmten Reha-Prozessen“ aufgetreten seien. Der 45-Jährige teilte weiter mit, dass er hoffe, noch in diesem Jahr auf den US-Amerikaner zurückgreifen zu können. Die Ruhr Nachrichten berichteten wenige Tage später, dass dies unwahrscheinlich sei.

Beispiel Reyna: Fans tappen im Dunkeln

Und die Fans? Die tappen mal wieder im Dunkeln. So wie fast immer beim BVB. Denn in Dortmund herrscht seit längerem eine sehr merkwürdige Entwicklung in Sachen Kommunikation. Der Verein informiert die eigene Anhängerschaft immer weniger über die Verletzungen sowie die damit verbundene Ausfallzeit der jeweiligen Spieler. Es bleibt bei vagen Aussagen, wie die vorhin geschilderten Informationen von Rose. Am Beispiel von Reyna kann der übliche Verlauf der Kommunikation sehr gut veranschaulicht werden.

Der mittlerweile 19-jährige Profi verletzte sich Anfang September auf einer Länderspielreise. Rose erklärte daraufhin, dass er im Oktober mit einer Rückkehr rechne. Eine Fehleinschätzung, wie sich später herausstellte. Welche Verletzung er genau erlitt, wurde nicht mitgeteilt. Danach herrschte lange komplette Funkstille.

Auch die Verletzung von Erling Haaland wurde zu einem Staatsgeheimnis gemacht. Die Öffentlichkeit wurde primär über dessen Vater und ausgerechnet seinem Teamkollegen Marin Pongracic, der sich auf Twitch in Plauderlaune präsentierte, informiert. Mo Dahoud sollte ersten Prognosen zufolge auch schon längst wieder auf dem Platz stehen, verschwand dann allerdings von der Bildfläche. Erst vor wenigen Tagen gab es dann ein Update in Form einiger Trainings-Fotos. Bei manchen Akteuren kann mitunter schonmal vergessen, dass sie überhaupt noch beim BVB unter Vertrag stehen.

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Es gibt – auch aufgrund der großen Personalsorgen des BVB – etliche Beispiele für das immer gleiche Vorgehen in Dortmund. Aber warum eigentlich? Was hat der BVB davon, sich derart bedeckt zu halten? Hat der Verein Angst, seine Fans mit falschen Prognosen zu verärgern, wenn ein Spieler doch länger Zeit braucht, um vollständig fit zu werden? Das könnte mit simplen Updates gelöst werden und würde sicherlich keine Shitstorms auslösen.

Sollten sich Spieler aufgrund eines öffentlich bekannten Zeitrahmens für ein mögliches Comeback unter Druck gesetzt fühlen, wäre es selbstverständlich in Ordnung auf eine öffentliche Diagnose zu verzichten. Dies wäre eine Entscheidung, die von der Anhängerschaft respektiert werden müsste. Ebenso wäre die Einhaltung der Privatsphäre ein valider Grund, um sich in diesen Situation so bedeckt zu halten.

Der BVB schweigt auch bei positiven Nachrichten

Allerdings ist es schwer zu glauben, dass es daran liegt. Denn auch bei freudigen Anlässen schweigt der BVB. Dass Jadon Sancho seinen Vertrag bereits 2019 bis 2023 verlängerte, wurde erst 2020 nach dem vorerst geplatzten Wechsel zu Manchester United bekannt gegeben. Die Verlängerung mit Abwehrchef Mats Hummels wurde im September von Hans-Joachim Watzke im Doppelpass verkündet. „Mats hatte eine Klausel in seinem Vertrag. Wir haben uns gedacht, dass es nicht sein kann, dass die Laufzeit eines Führungsspielers von Spielen abhängig ist. Diese Klausel haben wir gestrichen. Er ist bis 2023 dabei“, erklärte er damals.

Warum wählt der BVB ausgerechnet diesen Weg? Egal ob es negative oder positive Meldungen sind, die Kommunikation der Schwarzgelben ist merkwürdig. Und gute Gründe für solch ein Vorgehen sind kaum zu finden. Während sich andere Klubs in den sozialen Netzwerken transparent geben, positive Meldungen gebührend feiern und so die Interaktionen steigen lassen, bleibt der BVB stumm. Andere Klubs beweisen tagtäglich, dass es auch andere Wege gibt, bei denen die Fans mit gehaltvollen Informationen versorgt werden können. Nachteile fallen mir dabei nicht ein.

Hat sich Dortmund in seiner öffentlichen Darstellung und Kommunikation verrannt? Echte Liebe sollte keinesfalls so intransparent und aalglatt sein, wie sie in den letzten Jahren seitens des Klubs vorgelebt wird. So gerne sich der Klub mit seinen Emotionen und seiner Verwurzlung schmückt, so wenig schwingt davon in der Kommunikation mit. Der Ruhrpott ist von Ehrlichkeit und Direktheit geprägt, auch wenn sie mal weh tut. Der BVB zeigt davon nichts. Wem ist damit geholfen?

Das Gefühl bleibt, dass der Klub Angst hat, in kommunikative Fallen zu geraten. Ausgerechnet das Mantra von Klublegende Jürgen Klopp wird hierbei gekonnt ignoriert. Die Angst vor dem Verlieren ist bei der Öffentlichkeitsarbeit der Dortmunder größer als die Lust zu gewinnen. Es bleiben ausschließlich Fragezeichen. Damit kennen sich BVB-Fans mittlerweile immerhin gut aus.

(Photo by Alexander Scheuber/Getty Images)

Damian Ozako

Als Kind von Tomas Rosicky verzaubert und von Nelson Haedo Valdez auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht worden. Geblieben ist die Leidenschaft für den (offensiven) Fußball. Seit 2018 bei 90PLUS.

Alle Kommentare


  • LudgerB sagt:

    ich rufe mal bei aller Euch gelassenen persönlichen Einschätzung zu etwas mehr Zurückhaltung in der Wortwahl auf. Harsche Worte machen was mit einem Menschen, ziehen ihn runter. Damit meine ich nicht nur das Alter von 16 Jahren, er ist für mich fußballerisch und im Leben ein “ Erwachsener „. Aber auch die haben ein unterschiedlich “ dickes Fell „. Bei ihm warte ich gerne noch, die Umstellungszeit, die man einem holländischen Nationalspieler mit 5 Monaten und weiterhin gewährt sehe ich kritischer, vorallem mit dem ihm vorausgegangenen Ruf seiner häufiger mangelnden Trainingsbereitschaft. Erst jetzt merken Zorc und Rose kritisch an.

  • LudgerB sagt:

    Mmh, schade, eine Fehlschaltung hat den obigen Kommentar ungewollt eingespielt. Mein gewollter Tweet zu Fan-Info ist bei Buzz09 nachzulesen. Man kann ihn dann nach Absendung leider!! nicht mehr kopieren..und Euch Posten.


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