Freitagabend, Flutlicht, Derbytime: Für 90 Minuten ist einmal nicht München oder Dortmund Deutschlands Fußball-Hauptstadt. Sondern Hamburg.
„Es ist, glaube ich, mit das größte Derby in Deutschland“, sagte St. Paulis Trainer Alexander Blessin mit Blick auf die Stadtmeisterschaft am Freitagabend im Millerntor-Stadion (20.30 Uhr/Sky) . Und in seinen Augen schimmerte schon ein besonderer Glanz: „Ganz Deutschland guckt auf dieses Derby und deswegen freuen wir uns alle.“
St. Pauli gegen den HSV, das Duell der Erzrivalen – für viele Fans ist es das Spiel des Jahres, es geht wie immer um enorm viel. Vor allem aber um Prestige, der hochverdiente 2:0-Erfolg der Kiezkicker im Hinspiel im Volksparkstadion wirkte nach. Der HSV hat sich aber längst gefangen und kann dem ungeliebten Nachbarn mit einer erfolgreichen Revanche am Millerntor so richtig wehtun.
Derby im Abstiegskampf: Was machen die Nerven?
„Wir sind voller Power, Energie und vor allem der Überzeugung, dass wir gemeinsam mit einer guten HSV-Kurve im Stadion einen richtig coolen Freitagabend erleben“, sagte Coach Merlin Polzin: „Ich halte jetzt aber wenig davon, nach außen Parolen auszurufen. Wir wollen nicht reden, sondern wir wollen liefern.“ Und zwar einen Sieg, der den Fünf-Punkte-Abstand der „Rothosen“ zum Tabellenletzten St. Pauli spürbar vergrößern würde.
Die Braun-Weißen um Blessin werden sich dagegen mit aller Macht und lautstarker Unterstützung ihres Publikums wehren – und sehen sich trotz der jüngsten 2:3-Niederlage in Dortmund im Aufwind. „Ich bin absolut überzeugt, wenn wir so eine Leistung zeigen wie gegen Dortmund, dass wir das Spiel gewinnen“, sagte Blessin, der überraschend wohl auch auf seinen zuletzt angeschlagenen Kapitän Jackson Irvine setzen kann.
Der Kämpfer und Mittelfeldmotor soll vorangehen in einer Partie, die von der Spannung im Abstiegskampf leben dürfte. Glanzvollen Fußball hat der hohe Norden schon seit einigen Jahren nicht mehr zu bieten, aber immerhin als einzige Stadt zwei Klubs in der Bundesliga. Die erbittert ausgetragene Rivalität früherer Tage haben die Verantwortlichen und Fans dabei zuletzt in die richtigen Bahnen gelenkt.
Rund ums Hinspiel blieb es vergleichsweise ruhig, auch vor dem Freitagabendduell verzichten die Protagonisten beider Lager erneut darauf, die Partie verbal anzuheizen. „Wir haben in unserer Gesellschaft ohnehin schon viel Spaltung und viele Zerwürfnisse – da brauchen wir rund um die Derbys nicht auch noch zusätzliche Eskalation“, hatte St. Paulis Präsident Oke Göttlich schon nach dem Aufstieg des HSV im vergangenen Sommer gesagt.
Dies gilt vor dem mit Spannung erwarteten Heimspiel gegen den Nachbarn noch immer. „Das Spiel sollte nicht nur unter Sicherheitsaspekten betrachtet werden, sondern es soll ein Fußballfest werden“, teilte St. Pauli dem Hamburger Abendblatt mit: „Es ist immerhin das erste Bundesliga-Derby am Millerntor seit 2010.“

