Jamal Musiala wollte nach seinem Traum-Comeback noch einmal ganz sicher gehen. „Ein Assist, oder?“, fragte der genesene Zauberfuß von Bayern München, bevor er von seinen Teamkollegen vor die feiernde Fankurve geschubst wurde. Nach dem Statement-Sieg bei RB Leipzig war die Stimmung beim unbezwingbaren Bundesliga-Spitzenreiter bestens, einmal mehr untermauerte der deutsche Rekordmeister seine Dominanz – und hat nun auch noch einen weiteren Unterschiedsspieler zurück.
„Wir haben ihn jeden Tag gesehen, wie er ackert, wie er kämpft, dass er schnell wieder zurück ist“, sagte Aleksandar Pavlovic nach dem 5:1 (0:1) beim Verfolger aus Leipzig am Samstagabend: „Er ist ein überragender Weltklassespieler. Wir freuen uns jetzt, dass er wieder da ist und dass wir wieder mit ihm zocken können.“
Das taten die Münchner in der Red Bull Arena erstmals seit dem Schockmoment bei der Klub-WM im vergangenen Sommer wieder. In der 87. Minute war es soweit, Musiala kehrte 196 Tage nach seiner Horrorverletzung auf den Platz zurück – und legte eine Minute später das Tor des überragenden Michael Olise (88.) auf.
Bayern zerlegt auch RB Leipzig
Im Anschluss an seine perfekte Rückkehr hielt sich Musiala zurück. „Dankbar für jede Sekunde“, schrieb er kurz und knapp auf Instagram. Das Reden übernahmen andere. „Jamal ist zurück, er ist unser Bambi. Wir brauchen ihn und freuen uns, dass er wieder da ist“, sagte Jonathan Tah bei Sky.
Hinter Musiala, der einen Wadenbeinbruch und eine Sprunggelenksluxation überstanden hat, liegt eine lange Leidenszeit. Auch deshalb schraubte Max Eberl die Erwartungen an den 22-Jährigen zurück. Dieser solle im Januar „Spaß haben, Minuten sammeln“, um dann „in der wichtigen Phase da zu sein“, betonte der Sportvorstand.
Doch auch ohne Musiala sind die Münchner derzeit kaum aufzuhalten. An der Tabellenspitze zieht Bayern in der Bundesliga einsam seine Kreise, in der Champions League ist es bislang nur dem FC Arsenal gelungen, das Team von Trainer Vincent Kompany zu bezwingen. Leipzig hatte die Überflieger mit einer starken Leistung zwar lange im Griff, konnte am Ende vor allem Olise jedoch nichts entgegensetzen.
Nach dem Ausgleichstreffer von Serge Gnabry (50.) war der Franzose, der aus Gründen der Belastungssteuerung zuerst auf der Bank Platz genommen hatte, ins Spiel gekommen – und mit ihm die Wende. Erst bereitete der 24-Jährige die Treffer von Harry Kane (67.), Tah (82.) sowie Pavlovic (85.) vor und setzte dann selbst nach Vorlage von Musiala den Schlusspunkt in einer furiosen Schlussphase.
Leipzig sei in der ersten Halbzeit „deutlich“ besser gewesen, sagte Kompany. Seine Mannschaft sei dann aber „ohne Angst nach vorne gegangen, einfach Vollgas“. Im zweiten Durchgang, in dem auch der zuletzt angeschlagene Joshua Kimmich zurückkehrte, sei Bayern „sechs Kilometer mehr gelaufen – das war irre“.
Und so setzten die Münchner nach der Machtdemonstration im Hinspiel (6:0) das nächste Ausrufezeichen gegen Leipzig. „Wenn wir in den Flow kommen“, erklärte Eberl, „dann ist es auch schwer, uns zu halten.“
Mit Musiala wird es womöglich noch schwerer.

