Max Kruse: Der Gegenentwurf zum modernen Profi

Max Kruse im Trikot von Union Berlin
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Spotlight | Nach eineinhalb Jahren verlässt Max Kruse den FC Union und kehrt nach Wolfsburg zurück. Ein weiteres Kapitel in der Geschichte eines Spielers, der als Gegenentwurf zum modernen Profi gelten kann.

Max Kruse – Auf und neben dem Platz unterhaltsam 

Max Kruse (33) wechselt zurück nach Wolfsburg. Der Transfer kam schnell und unerwartet zustande, der Spieler selber erklärt seine Entscheidung freimütig und bittet bei den Fans von Union Berlin für ein „Verständnis für meine Entscheidung, ein Angebot, das langfristig und hoch dotiert ist, anzunehmen.“ Dass Kruse nur einen Abend zuvor auf Pro7 bei Schlag den Star antrat und Steven Gätjen besiegte ist nur eine weitere, komödiantische Anekdote rund um die Karriere eines hochveranlagten aber ebenso unangepassten Fußballers. Größere und kleinere Skandale säumen den Weg des Offensivspielers, der nach seiner Rückkehr aus der Türkei zu einem Aufsteiger, der zuvor noch nie in der Bundesliga aktiv war, mühelos wieder zu einem der besten Spieler der Liga wurde.

Ob es um eine lächerlich hohe Geldsumme (zumindest für Normalverdiener) geht, die nach einer Pokernacht im Taxi liegen gelassen wurde oder um ein kleines Filmchen, das sicherlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war und dennoch an eben diese geriet. Ob Kruse nach einem Sieg in Bochum deren Fans als „Ruhrpott-Asis“ bezeichnete oder in einem schier schwer zu ertragenden Interview nach einem Olympia-Spiel Deutschlands nonchalant einen Heiratsantrag an seine Partnerin in der Heimat sendete, welches er mit dem Satz „In dem Sinne… Schöne Grüße nach Deutschland“ abschloss. Neben dem Feld kann man sich auf gute Unterhaltung durch den Wolfsburg-Rückkehrer verlassen. 

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Kruse hat eigene Maßstäbe 

Klar ist aber auch, dass seine Art und seine Entscheidungen ihm wohl eine größere Karriere im klassischen Sinne verbaut haben. Bei seinem ersten Anlauf in Wolfsburg hatte er wohl wenig Einsatz beim Training, dafür sehr viel Elan am Nutella-Glas gezeigt. Bei der Nationalmannschaft gab es keine weitere Nominierung mehr für den Spielmacher, nachdem Joachim Löw seine Eskapaden neben dem Platz als zu unprofessionell einstufte. Und als viele ihn im Herbst seiner Karriere sahen, entschied er sich gegen eine Vertragsverlängerung als Mannschaftskapitän von Werder Bremen und damit auch gegen die Möglichkeit als Norddeutscher doch noch bei einem Verein einen besonderen Platz im Fanherzen zu gewinnen. Er ging in die Türkei und man kann wohl jetzt schon konstatieren: Gemessen an Titeln und Fanliebe, den harten Währungen bei der Bewertung einer Karriere, hat Max Kruse weder sein Potenzial ausgeschöpft noch seine Chancen genutzt.

Max Kruse bei einem Spiel der deutschen Nationalmannschaft

PATRIK STOLLARZ/AFP via Getty Images

Doch das Erfrischende an dem Mann mit dem Spitzbart und dem schelmischen Grinsen ist eben, dass er andere Maßstäbe hat. Und daran hat er auch nie einen Zweifel gelassen. Nach seiner Zeit in der Süperlig brachte er sich selber bei Bundesliga-Vereinen ins Gespräch mit dem netten Nebensatz, dass er gerade bei seinem letzten Job genug verdient habe um jetzt für fast jeden erschwinglich zu sein, wenn die sportliche Aussicht passe.

Er hielt Wort, kam zu Union Berlin und bewies erneut seine besondere Klasse auf dem Feld. Ein bisschen Eigenwerbung musste sein, dass wusste der tüchtige Geschäftsmann, wenn man in Deutschland noch einmal ordentlich Geld verdienen wollte. Dieses Projekt gelang. Jetzt folgt also der Wechsel nach Wolfsburg aufgrund des lukrativen Angebotes, auch da macht er keinen Hehl drum. Spekulationen über eine mögliche Karriere eines Spielers seiner Qualität mit einem anderen Charakter erübrigen sich. Max Kruse wird nach seinem letzten Spiel auf seinen Kontostand schauen und seine Maßstäbe erfüllt haben. 

Photo by Maja Hitij/Getty Images

Julius Eid

Seit 2018 bei 90PLUS, seit Riquelme Fußballfan. Gerade die emotionale Seite des Sports und Fan-Themen sind Julius‘ Steckenpferd. Alleine deshalb gilt: Klopp vor Guardiola.

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