Einen kleinen Spannungsbogen für die wichtigste Nachricht des Tages konnte sich Vincent Kompany nicht verkneifen. „Sie können das jetzt kurz alles aufschreiben“, warnte der Trainer des FC Bayern, angesprochen auf die Ausfälle für das Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach, die anwesenden Journalisten und begann: Hiroki Ito „nicht dabei“, Alphonso Davies „nicht dabei“ – so weit, so bekannt. „Und“, ergänzte Kompany in fast flüsterndem Ton, „Harry Kane ist nicht dabei.“
Wegen eines Schlags auf die Wade verpasst der Engländer am Freitag (20.30 Uhr/Sky) erstmals in dieser Saison eine Partie der Bayern. Die Jagd nach dem Torrekord von Robert Lewandowski? Vorerst unterbrochen. Viel wichtiger aber: Ein längerer Ausfall droht Kane wohl nicht. Er „gehe davon aus“, dass der Stürmer bis zum Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League bei Atalanta Bergamo am Dienstag wieder zur Verfügung stehe, sagte Kompany: „Wir sind ziemlich entspannt.“
Kein Kane? Kein großes Problem
Letztlich habe bei Kane „vielleicht“ nur ein zusätzlicher Tag gefehlt, meinte der Belgier. Entsprechend klar war die Botschaft: Die Bayern gehen zum Start in die heiße Saisonphase kein Risiko ein. Nur verständlich, angesichts von elf Punkten Vorsprung auf „Verfolger“ Borussia Dortmund. Zumal Kompanys Vertrauen in die Mannschaft auch nach dem Ausfall des Superstars unerschüttert bleibt.
„Wichtig ist, dass die Jungs, die morgen dabei sind, sich riesig auf dieses Spiel freuen“, sagte der 39-Jährige mit einem Lächeln: „Sie sind heiß drauf. Wenn Harry nicht dabei ist, gibt es wahrscheinlich einige Jungs, die schon hoffen: ‚Okay, jetzt habe ich meinen Moment‘.“ Serge Gnabry könnte Kane in der Sturmspitze ersetzen, auf der Zehn wäre dann wiederum Platz für Jamal Musiala oder Lennart Karl. Auch der zuletzt selten eingesetzte Nicolas Jackson wäre eine Alternative.
Ohnehin kündigte Kompany an, in den kommenden Wochen den kompletten Kader nutzen zu wollen. „Wenn wir wenige Spiele haben, gibt es einige Spieler, die vielleicht wenige Minuten machen“, sagte der Trainer: „Das wird sich jetzt wieder ändern.“ Bis zur Länderspielpause Ende März bestreiten die Bayern innerhalb von rund zwei Wochen fünf Spiele. „Komisch war, dass wir keine englischen Wochen hatten“, scherzte Kompany: „Was jetzt auf uns zukommt, ist das, was wir gewohnt sind.“

Das Spiel gegen Gladbach dürfte ein willkommener Auftakt sein, vom einstigen Angstgegner war zuletzt nicht mehr viel übrig. Die Bayern, die wieder auf Kapitän Manuel Neuer setzen können, haben die vergangenen fünf Liga-Partien gegen den früheren Erzrivalen und aktuellen Tabellenzwölften gewonnen, das gelang den Münchnern bislang nur in den ersten fünf Duellen nach dem Aufstieg 1965.
Kane traf gegen Gladbach in eben jenen fünf Partien dreimal, nur gegen Bayer Leverkusen (ein Tor) hat er in der Bundesliga bei so vielen Spielen eine schlechtere Quote. Im Zweifel geht es also auch ohne den Engländer.

