Borussia Dortmund hat sich mit sofortiger Wirkung von Sportdirektor Sebastian Kehl getrennt. Die Verkündung kam überraschend, dennoch ist die Entscheidung sinnvoll.
Am Sonntag überraschte Borussia Dortmund einige mit der Nachricht, dass man sich mit Sportdirektor Sebastian Kehl auf ein sofortiges Ende der Zusammenarbeit geeinigt hat. Denkt man jedoch einen Moment über diese Entscheidung nach, erscheint sie für beide Seiten sinnvoll. Für den BVB bietet sich mit dem bereits vorgestellten neuen Sportdirektor Nils-Ole Book die Gelegenheit, im Sommer einen echten Umbruch zu vollziehen und sich von der unkreativen Transferpolitik der vergangenen Jahre abzuwenden. Sebastian Kehl erhält die Chance, bei einem anderen Klub mehr Verantwortung zu übernehmen. Bereits in Dortmund hatte er darauf gehofft, Sport-Geschäftsführer zu werden. Allerdings ging dieser Posten im Jahr 2024 an Lars Ricken.
Die Arbeit von Kehl als BVB-Sportdirektor war durchwachsen
Kehl war von 2002 bis 2015 als Spieler für den BVB aktiv. Er hat die Kapitänsbinde getragen, holte dreimal die Meisterschaft und einmal den DFB-Pokal mit den Schwarzgelben. 2018 wurde er Leiter der Lizenzspielerabteilung, 2022 dann schließlich Sportdirektor. An seine Erfolge aus der aktiven Zeit konnte er in seinen neuen Rollen nie anknüpfen. Seit 2022 hat er 360 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben und dennoch keinen wirklichen Volltreffer gelandet. Zudem wurde der Kader unter ihm immer teurer, die Gehaltskosten explodierten und liegen aktuell bei rund 200 Millionen Euro.
Allerdings gehört zur Wahrheit dazu, dass Kehl nie alleine entscheiden konnte und Entscheidungen vielleicht auch deswegen oft zögerlich wirkten. Zudem hat der 46-Jährige sich mit der geräuschlos verlaufenen Vertragsverlängerung des Leistungsträgers Felix Nmecha verabschiedet und mit der Trennung von Julian Brandt den geplanten Umbruch im Sommer noch mit eingeleitet. So kritisch wie im Umfeld des BVB wird die Arbeit von Kehl bei anderen Experten und Bundesliga-Klubs nicht gesehen. Deshalb ist davon auszugehen, dass er schon bald bei einem neuen Verein unterkommen wird. Aktuell ist er als Sportgeschäftsführer beim Hamburger SV im Gespräch.
Neue Ideen für den BVB durch Book?

Für die Dortmunder bedeutet die sofortige Trennung von Kehl, dass ein klarer Schnitt gemacht wurde. Passend dazu soll auch der Kader ein neues Gesicht bekommen. Erste Schritte hat Kehl bereits mit der Trennung von dem dienstältesten Akteur Brandt, von Topverdiener und Bankdrücker Niklas Süle eingeleitet. Die ersten Neuzugänge stehen mit den beiden talentierten Südamerikanern Justin Lerma und Kaua Prates ebenfalls bereits fest.
Nils-Ole Book, der Elversberg in seiner Funktion von der Regionalliga bis in die 2. Bundesliga führte und dort zum Aufstiegsaspiranten formte, soll in Dortmund wieder eine andere Transferpolitik etablieren. Weg von mittelmäßigen Bundesligaakteuren oder satten Spielern aus der Premier League wieder hin zu kreativen Lösungen, wie sie den BVB einst ausmachten. Book versteht es, Kaderwerte zu schaffen und talentierte Spieler zu finden. Selbstverständlich ist Dortmund ein paar Nummern größer als Elversberg, seine Fähigkeiten könnten jedoch genau das sein, was der BVB für einen echten Umbruch braucht. Außerdem wurde erstmals seit längerer Zeit wieder externe Expertise auf einer Entscheider-Position verpflichtet, während die Posten zuvor immer wieder durch Personen mit Stallgeruch geholt wurden. Auch das kann im Klub für entscheidende Aufbruchsstimmung sorgen und den Umbruch gelingen lassen.

