Abstiegscheck Bundesliga | Wer ist gerettet, wer muss zittern?

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29 Spieltage in der Bundesliga sind absolviert, lediglich 5 Chancen blieben für die „Kellerkinder“ noch um zu punkten. In einer relativ engen Bundesliga-Saison haben einige Teams ihr Potenzial nicht einmal ansatzweise ausschöpfen können, wiederum andere hatten mit vielen Verletzungen zu kämpfen. Wir machen den Abstiegscheck in der Bundesliga und blicken auf die aktuelle Situation im Keller! 

 

FC Augsburg: Eigentlich besser als erwartet

Platz 11 |  36 Punkte | -2 Tore

Dass der FC Augsburg vor einer jeden Saison erst einmal zu den Mannschaften zählt, die gegen den Abstieg spielen, ist bekannt. In den letzten Jahren schaffte der FCA aber immer den Klassenerhalt, spielte sogar eine Saison im Europapokal. Auch vor dieser Saison gab es zumindest leise Zweifel, niemand wusste wie Manuel Baum nach einem guten halben Jahr weiterarbeiten würde, Transfers wie Cordova oder Rani Khedira waren nicht einfach einzuschätzen, dafür verließen einige gute Spieler den Klub, darunter Dominik Kohr und der langjährige Führungsspieler Paul Verhaegh.

(Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Doch die Zweifel konnten schnell beiseite geräumt werden. Die Fuggerstädter starteten gut in die Saison, gerade Neuzugang Gregoritsch, der aus Hamburg kam, fügte sich hervorragend in die Offensive ein. Der Österreicher ist derzeit mit 11 Treffern vereinsinterner Torschütze Nummer 1, gleichauf mit Alfred Finnbogason. Diese Torgaranten in der Offensive kombiniert mit einem sehr effizienten Caiuby und vielen lauf- und zweikampfstarken Spielern sind der Schlüssel dafür, dass der FC Augsburg auf einem relativ beruhigenden 11. Platz steht, dabei auch noch eine sehr ordentliche Tordifferenz (-2) hat.

Improvisation und kleine Formdellen

Gerade die Rolle von Trainer Manuel Baum muss in dieser Saison hervorgehoben werden. Nicht nur, dass es ihm gelang, die Schlüsselspieler gut zu ersetzen, er schaffte es auch häufig hervorragend auf die Ausfälle zu reagieren, die die Augsburger schwer trafen. Zurzeit fehlen Finnbogason, Framberger, Jakob und Danso – es gab aber Phasen in dieser Saison, in denen noch deutlich mehr Spieler ersetzt werden mussten. In diesen angesprochenen Phasen musste Baum improvisieren und das gelang häufig auch ganz gut. Auch die Suspendierung von Daniel Opare fiel bei gleichzeitiger Framberger-Verletzung nicht ins Gewicht, Augsburg spielt seitdem mit dem eigentlich offensiv ausgerichteten Jonathan Schmid auf der rechten Außenverteidigerposition.

(Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Die ständigen Wechsel, die hohe Intensität im Spiel und die eher rar gesäten Rotationsmöglichkeiten haben aber einen immensen Kräfteverschleiß zur Folge, den man in Augsburg nun spürt. Es gelingt seltener über 90 Minuten hochkonzentriert zu sein, individuelle Fehler, die bestraft werden, sind die Folge. In den letzten 8 Spielen konnte man nur einen Sieg einfahren (3:1 in Hannover), die Stimmung ist aber trotzdem weiterhin gut, weil der Klub sich im Soll befindet. Zudem könnte Alfred Finnbogason nach seiner Wadenverletzung in Kürze wieder eingreifen, zumindest ab dem 31. Spieltag stehen die Chancen ganz gut.

Restprogramm: 
Wolfsburg (A)
Mainz (H)
Hertha (A)
Schalke (H)
Freiburg (A)

 

Prognose: Augsburg bleibt souverän drin

5 Spieltage sind noch zu absolvieren, der Vorsprung des FC Augsburg auf den Relegationsplatz beträgt 9 Punkte und der derzeitige Tabellen-16. aus Mainz versprüht auch nicht die allergrößte Gefahr, dementsprechend ist die Wahrscheinlichkeit eines Augsburger Klassenerhaltes als sehr hoch einzustufen. Hinzu kommt, dass nach schwierigen Wochen mit Duellen gegen Hoffenheim, Bayern, Dortmund und Leverkusen ein machbares Restprogramm mit einigen Konkurrenten ansteht. Der FCA hat alles selbst in der Hand.

 

Werder Bremen: Es wird Fußball gespielt

Platz 12 | 36 Punkte | -2 Tore

Was in Sachen Abstiegskampf für den FC Augsburg gilt, gilt auch für Werder Bremen – zumindest in den letzten Jahren. Das ist nicht der Anspruch des Vereins und soll sich mittelfristig auch wieder ändern. Dass man an der Weser genau daran wieder glauben kann liegt nicht zuletzt daran, dass man sich entschieden hat Alexander Nouri Ende Oktober 2017 als Cheftrainer zu beurlauben und Florian Kohfeldt zu installieren, der die Mannschaft sukzessive in Schwung brachte. Der 35-jährige wählte im Abstiegskampf einen fußballerischen Ansatz, verbesserte die Mannschaft Schritt für Schritt und spielte phasenweise wirklich sehenswerten Fußball.

(Photo by PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images)

Die grundsätzliche Entwicklung unter Kohfeldt ist definitiv positiv, dementsprechend wurde der Vertrag kürzlich auch langfristig verlängert. Ihm gelingt es häufig eine gute Startelf zu finden, gleichzeitig aber auch während des Spiels Dinge anzupassen und zu verändern, wie vor wenigen Spieltagen in Gladbach, als Bremen nach einem 0:2-Rückstand noch zurückkam und einen Zähler holte. Besonders wichtig ist auch die Heimstärke, denn die letzten 4 Begegnungen im Weserstadion gewann Werder, die letzte Niederlage datiert vom 29. Oktober gegen Augsburg.

Derzeit voll im Soll

Wichtig ist, dass in Bremen derzeit niemand zu euphorisch wird. Die Mannschaft befindet sich nach einem problematischen Start mittlerweile im Soll, hat sich ein Polster erarbeiten können, weiß aber auch, dass noch einige Punkte einzufahren sind. Das kurzfristige Ziel ist der frühzeitige Klassenerhalt, mittelfristig will sich Werder langsam nach oben orientieren und langfristig wieder die Möglichkeit haben international zu spielen. Dafür müssen aber weitere kluge Entscheidungen getroffen werden und deswegen wird man wohl Thomas Schaaf installieren, der den Klub kennt und künftig die Strukturen überwachen und verbessern soll. Werder hat den ersten wichtigen Schritt in Richtung Kontinuität gemacht, weitere müssen nun folgen.

Restprogramm:
RB Leipzig (H)
Stuttgart (A)
Dortmund (H)
Leverkusen (H)
Mainz (A)

Prognose: Auch Werder lässt nichts mehr anbrennen

Die Heimstärke von Werder Bremen wurde bereits angesprochen, bei drei verbleibenden Heimspielen dürfte die Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt die nötigen Punkte ziemlich sicher einfahren. Die Mannschaft befindet sich in einer guten Form, auch wenn die Niederlage in Hannover als kleines Warnsignal gesehen werden sollte. Noch ist es nicht überstanden, die Ausgangslage ist aber sehr gut.

 

Hannover: Gutes Polster, aber…

Platz 13 | 35 Punkte | -6 Tore

Als Aufsteiger war für Hannover 96 klar, dass es nur darum geht in der Liga zu bleiben. Das Duo bestehend aus Andre Breitenreiter und Horst Heldt machte vor allem in der Hinrunde einen sehr guten Eindruck, sorgte aber auch dafür, dass in der sportlich schwächeren Rückrunde größtenteils die Ruhe bewahrt wurde, trotz einiger Nebenkriegsschauplätze. Das große Polster aus der Hinrunde ist entscheidend für die jetzige Platzierung, hinzu kommt der elementar wichtige Heimsieg gegen Werder Bremen vergangene Woche.

(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Und dieser Sieg war so wichtig, weil es zuvor 6 sieglose Spiele in Folge gab, darunter 5 Niederlagen. Die Frage ist nun, ob sich Hannover durch den Werder-Sieg stabilisieren kann, oder ob es weitere Rückschläge geben wird, gerade da es in der Defensive einige Personalprobleme gibt, zudem auch noch der Wechsel von Salif Sane zu Schalke 04 so gut wie fix sein soll, was zusätzlich nicht gerade zur Ruhe beiträgt. Trotzdem kann Hannover weitgehend zufrieden mit der Aufstiegssaison sein, Heldt und Breitenreiter müssen bereits die kommende Saison planen und benötigen erneut Transfers der Güteklasse Bebou oder Füllkrug, wenngleich letzterer bereits 2016 kam.

Mehr Effizienz in den letzten Spielen

Wichtig für den Klassenerhalt dürfte sein, dass die Angreifer in den letzten Spielen wieder effizienter werden. Martin Harnik traf nach längerer Durststrecke gegen Werder wieder, was für seine mentale Verfassung sehr wichtig sein dürfte. Zudem sollten keine weiteren Ausfälle mehr dazukommen, gerade in der Defensive ist die Personaldecke eher dünn. Alles in allem können die Anhänger der 96er aber zuversichtlich sein, dass man auch in der kommenden Saison in der Bundesliga spielt.

Restprogramm:
Stuttgart (A)
Bayern (H)
Hoffenheim (A)
Hertha (H)
Leverkusen (A)

 

Prognose: Nur bei Negativserie noch Probleme

Bei 8 Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz sieht es für Hannover 96 sehr gut aus. Das Restprogramm der Niedersachsen ist aber keinesfalls zu unterschätzen und hat es mit drei Auswärtsspielen durchaus in sich. Probleme könnte es aber wohl nur dann geben, wenn 96 alle restlichen Spiele verliert, aber selbst dann müssen Mainz & co. auch noch einige Zähler einfahren. Hannover bleibt wahrscheinlich drin!

 

Weiter geht’s mit Freiburg, Wolfsburg & Mainz

[nextpage title=“Teil 2: Zittern!“]

SC Freiburg: Streichs schwere Aufgabe

Platz 14 | 30 Punkte | -22 Tore

Die Saison des SC Freiburg gleicht einer emotionalen Berg- und Talfahrt. Der Sportclub hatte Probleme, stabilisierte sich aber zum Ende der Hinrunde deutlich. Im Winter gelang dem Team von Trainer Christian Streich eine sehr gute Serie, die für ein Polster sorgte, das bald aufgebraucht ist. Streich verlor vor der Saison erneut einige Schlüsselspieler, darunter Grifo und Philipp, dazu zog sich Stürmer Niederlechner einen Achillessehnenriss zu und auch sonst gab es einige personelle Probleme, die immer wieder auftauchten, sodass erneut junge Spieler wie Sierro oder Kath ins kalte Wasser geworfen werden mussten.

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Einige junge, talentierte Spieler konnten nicht über die gesamte Saison hinweg konstanten Fußball spielen, der Druck war permanent vorhanden. Auch für den Trainer war das keine leichte Situation, denn der Fußball, den Christian Streich spielen lässt, verlangt den Spielern einiges ab. Mehr Verletzungen bedeuteten gleichzeitig weniger Ruhepausen, die Schlüsselspieler durften sich kaum einmal ausruhen und auch nicht alle Neuzugänge funktionierten wie erwartet. Trotzdem stimmt es in der Mannschaft, die Mentalität ist gut und die Fans stehen vollkommen hinter dem SC Freiburg.

 

Mit ruhenden Bällen zum Klassenerhalt

Da der fußballerische Ansatz, den Christian Streich gerne im Spiel seines Teams sehen will, mit diesen Problemen kaum möglich ist, geht es vielmehr um Kampf und Einsatz. Freiburg läuft viel, versucht schnell umzuschalten, ist aber insgesamt nicht torgefährlich genug. Ohne Niederlechner hängt viel von Nils Petersen ab, der nach Möglichkeit trifft und eine gute Saison spielt. Der Schlüssel, gerade in den erfolgreichen Wochen, waren ruhende Bälle. Genau darauf wird es – neben einer stabilen Defensive – in den letzten Wochen der Saison ankommen, denn jeder Punkt und jedes Tor kann entscheidend sein.

Restprogramm:
Mainz (A)
Hamburg (A)
Köln (H)
Gladbach (A)
Augsburg (H)

 

Prognose: Es wird eng

Der Druck und die mentale Belastung  sind hoch, es wird schwer für den SC Freiburg in der entscheidenden Phase die nötigen Resultate einzufahren. Gerade die Tatsache, dass man an den kommenden beiden Spieltagen gleich zweimal auswärts gegen Konkurrenten spielt, erhöht diesen Druck noch einmal. Gelingen Freiburg noch 2 Siege, dann sollte die Mannschaft von Christian Streich durch sein, wenn nicht, wird es tatsächlich ganz ganz eng.

 

VfL Wolfsburg: Die Geschichte von Anspruch und Wirklichkeit

Platz 15 | 29 Punkte | -7 Tore

Wenn bei einem Klub in der Bundesliga in dieser Saison Anspruch und Wirklichkeit soweit auseinander klaffen wie nur möglich, dann beim VfL Wolfsburg. Die letzten Jahre waren bereits unbefriedigend, aber durch neue Investitionen wollte man in der laufenden Saison endlich wieder um Europa mitspielen. Pustekuchen! Die „Wölfe“ erleben ein Auf und Ab, haben immer wieder Rückschläge hinnehmen müssen und auch unter dem neuen Coach Bruno Labbadia wurde die Situation noch nicht viel besser, auch wenn das wichtige Spiel in Freiburg am vergangenen Spieltag gewonnen werden konnte.

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Natürlich ist die individuelle Klasse beim VfL Wolfsburg hoch, natürlich ist die Qualität vorhanden um auch am Saisonende noch einmal einen guten Endspurt hinzulegen, aber der 16. der Rückrundentabelle kann das keinesfalls als Garantie sehen, gerade weil mit eben jenem Kader und diesen Verstärkungen vor der Saison teilweise katastrophaler Fußball gespielt wurde. Im Sommer steht nun schon wieder ein Umbruch an, die „Wölfe“ wissen aber noch gar nicht in welcher Liga sie in der kommenden Saison spielen – eine komplette Kehrtwende scheint zurzeit also nicht unbedingt in Sicht.

Gibt der Freiburg-Sieg Auftrieb?

Man sollte meinen, dass das Erfolgserlebnis in Freiburg jetzt dafür sorgt, dass der VfL Wolfsburg mit Schwung in die kommenden Spiele geht. Das muss aber nicht unbedingt der Fall sein, denn bereits im Saisonverlauf gab es einige Probleme mit der Konstanz, auch nach Erfolgserlebnissen folge häufig ein Rückschlag. Bruno Labbadia ist nun gefordert und muss die Mannschaft mental gut einstellen, damit es nicht erneut zu einer Negativspirale kommt.

Restprogramm:
Augsburg (H)
Gladbach (A)
HSV (H)
Leipzig (A)
Köln (H)

 

Prognose: Blaues Auge für den VfL

Die Saison war insgesamt nicht gut, der VfL Wolfsburg steht zurecht dort, wo er im Moment steht, aber im Endeffekt sieht es so aus als würde man noch einmal mit einem blauen Auge davonkommen. 1-2 Siege sind auf jeden Fall noch drin, gerade die drei Heimspiele erscheinen durchaus machbar. Verliert man zuhause gegen Augsburg und dann in Gladbach, dann könnt sich das Blatt aber auch noch einmal wenden.

 

Mainz 05: Offensiv zu wenig

Platz 16 | 27 Punkte | -17 Tore

Nach der letzten Saison, in der dem FSV Mainz 05 relativ knapp der Klassenerhalt gelang, sollte die Saison 2017/18 eine Spielzeit ohne das ganz große Zittern werden. Nach 29 Spielen steht fest: Dieses Ziel haben die Mainzer verfehlt. Unter dem neuen Trainer Sandro Schwarz spielt man erneut nicht den attraktivsten Fußball, lässt gerade in der Offensive zu viel liegen und konnte speziell in der Rückrunde (bisher magere 10 Punkte) kein Mittel finden, um wieder in die Spur zu kommen.

(Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Die fehlende Konstanz ist das Problem, punktuell kann der FSV Mainz 05 gute Leistungen zeigen, Gegner auch einmal überraschen, aber eine große Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr ist nicht zu sehen. Auch die im Winter verpflichteten, erfahrenen de Jong und Ujah brachten die Mannschaft nicht weiter. So kam es, wie es kommen musste, derzeit stehen die 05er auf dem Relegationsplatz – und das auch zurecht. Zwar hält man bis Saisonende an Sandro Schwarz fest, eine Trennung im Sommer gilt aber als denkbar.

Mentale Belastung am Maximum

In Mainz kennt man die Situation Abstiegskampf aber, bei den Verantwortlichen und den Fans dreht deswegen niemand durch, die Belastung der Spieler, gerade auf mentaler Ebene, ist aber enorm hoch. Ein Abstieg bedeutet immer finanzielle Verluste, einen Umbau und eine etwas ungewisse Zukunft, auch wenn die 05er sich von vergangenen Rückschlägen immer gut erholt haben. Noch ist aber nichts verloren, der Abstand nach oben ist nicht groß.

Restprogramm: 
Freiburg (H)
Augsburg (A)
Leipzig (H)
Dortmund (A)
Bremen (H)

 

Prognose: Mainz in die Relegation

Beim FSV Mainz 05 war in den letzten Wochen zwar zu merken, dass die Mannschaft will, aber ihr fehlen die Mittel. Eine symptomatische Szene war die vergebene Riesenchance von Quaison in der 94. Minute in Köln. Trifft Quaison, dann gewinnt Mainz und steht nun punktgleich mit dem VfL Wolfsburg etwas besser dar. So droht noch etwas Ärger von unten, wenngleich der Vorsprung noch vorhanden ist. Aufgrund des komplizierten Programms sieht es derzeit so aus als müsse man sich in Mainz mit der Relegation „anfreunden“.

Zu guter Letzt: HSV & 1. FC Köln

[nextpage title=“Teil 3: Quasi abgestiegen (?)“]

HSV: Diese Saison trifft es Hamburg – oder?

Platz 17 | 22 Punkte | – 23 Tore

Mit nur 7 Punkten schlechtestes Rückrundenteam, erneut zwei Trainer verschlissen und die letzte Hoffnung ist ein Trainer aus der 2. Mannschaft, der viele junge Spieler einbaut und in dieser prekären Situation fußballerische Akzente setzen will. Kann das funktionieren? Beim Hamburger SV sollte überhaupt nichts ausgeschlossen werden, aber in dieser Spielzeit läuft es schon besonders schlecht. Von Beginn an spielte man gegen den Abstieg, ließ Konstanz vermissen, kassierte zu viele Gegentore und schoss vor allem zu wenig.

(Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Hinzu kamen unglückliche Personalentscheidungen wie der Abgang von Gregoritsch, der in Augsburg nach Lust und Laune trifft. Auch die Tatsache, dass der lange Ausfall von Nicolai Müller nicht kompensiert werden konnte, nicht einmal im Transferfenster im Winter, spricht Bände. Seit dem Amtsantritt von Christian Titz ist zumindest eine positive Tendenz erkennbar, nach dem defensiv ausgerichteten Hollerbach ist seine Herangehensweise mit dem Offensivfußball durchaus positiv, die HSV-Fans hatten in den letzten Spielen endlich wieder so etwas wie Spaß. Doch kam diese Trendwende nicht zu spät?

Punkte, Punkte, Punkte

Klar ist jedenfalls, dass der Hamburger SV durch den Sieg gegen Schalke nochmal etwas Kraft tanken konnte und wieder eine reelle Chance zumindest auf Platz 16 hat, auch wenn es sehr schwer wird. Titz muss seine teilweise sehr junge Mannschaft auch in den restlichen Spielen gut einstellen, Lösungen parat haben und die richtigen Worte finden. Die Unbekümmertheit einiger Talente kann ein Vorteil sein, aber dafür muss eben jene aufrecht erhalten werden. Die Situation ist prekär, die Spiele werden immer weniger und es werden Punkte gebraucht. Und davon viele. Christian Titz strahlt zumindest Zuversicht aus und lebt diese seiner Mannschaft vor. Gemeinsam mit den positiven Ansätzen im fußballerischen Bereich ist das wohl das Maximum, das er selbst einbringen kann.

Restprogramm:
Hoffenheim (A)
Freiburg (H)
Wolfsburg (A)
Frankfurt (A)
Gladbach (H)

 

Prognose: Diesmal reicht es knapp nicht!

In dieser Saison dürfte es für den Hamburger SV tatsächlich erstmals in die 2. Liga gehen. Die Umstellung auf Christian Titz und die jungen Spieler um Steinmann kam zu spät, die 5 Punkte Rückstand werden nicht mehr ganz aufzuholen sein. Das Problem: Vor allem die Auswärtsspiele in Hoffenheim und Frankfurt die beide um das internationale Geschäft kämpfen, haben nur wenig Aussicht auf Erfolg. Die einzige Hoffnung ist wohl, dass der HSV hintereinander gegen Freiburg und Wolfsburg, also die direkte Konkurrenz gewinnt und dann noch einmal eine Schlusseuphorie entsteht.

 

1.FC Köln: Der Anfang als großes Problem

Platz 18 | 21 Punkte | -28 Tore

Dass der Effzeh in der Rückrunde zwischenzeitlich überhaupt noch einmal die Chance hat sich zumindest in Richtung des Relegationsplatzes zu kämpfen, grenzt nach der fatalen Hinrunde an ein Wunder. Dass die Saison schwer werden wird, war allen klar. Aber Platz 9-12, das Abenteuer Europa und ein bisschen mehr Belastung klang als Saisonziel ganz okay. Doch es kam anders. Nach dem Modeste-Abgang und den Neuzugängen, die nicht gut einschlugen, begann schon zu Saisonbeginn eine fatale Negativspirale, die sich nicht mehr aufhalten ließ. Abgänge von Schmadtke und Stöger folgten, Veh und Ruthenbeck wurden installiert und auch wenn die Kölner einige wirklich sehr gute Spiele absolvierten, der Rückstand ist immer noch groß.

(Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Positive Ansätze unter Ruthenbeck waren da, der Effzeh belegt in der Rückrundentabelle mit soliden 15 Punkten aus 12 Spielen Platz 10, hätte somit nicht viel mit dem Abstieg zu tun – wären da nicht die lediglich 6 Punkte aus der Hinrunde. Eine geringe Resthoffnung besteht bei den Spielern und dem Trainer natürlich noch, aber im Hintergrund bastelt Armin Veh schon fleißig am Kader für die 2. Liga. Einige Spieler werden Köln voraussichtlich verlassen, darunter Timo Horn, Jonas Hector und Dominic Maroh, auch der Trainer wird nicht mit in die kommende Saison gehen, wie der Verein kürzlich mitteilte.

Fünfmal über sich hinauswachsen

Um das Wunder tatsächlich noch zu schaffen werden die Kölner wohl mindestens 10-12 Punkte benötigen. Das ist in 5 Spielen kaum zu leisten, die Spieler müssen nicht nur komplett über sich hinauswachsen, es müssen auch die individuellen Fehler minimiert werden – und das in der Phase, in der die mentale Belastung ihren Höhepunkt erreicht. Allerdings: Nach der katastrophalen Hinrunde hat man sich in Köln schnell mit dem Thema Abstieg angefreundet. Nun geht es darum eine Basis zu schaffen die den direkten Wiederaufstieg ermöglicht.

Restprogramm: 
Hertha (A)
Schalke (H)
Freiburg (A)
Bayern (H)
Wolfsburg (A)

 

Prognose: Köln muss runter – vorzeitig

Dem Tabellenletzten den Abstieg zu prognostizieren, damit lehnt man sich nicht weit aus dem Fenster. Der Effzeh hat in der Rückrunde viel versucht, teilweise sehr ordentliche Spiele absolviert, kurzzeitig sogar einen Anflug der Euphorie gespürt. Aber die Realität ist, dass man 3-4 Siege aus 5 Spielen und zahlreiche Patzer der Konkurrenz benötigt um das Wunder zu schaffen. Ausschließen darf man im Fußball nichts, aber ein Abstieg, womöglich bereits nach 32 oder 33 Spieltagen, ist wahrscheinlich.

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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