Fanpanel zu BVB vs. FC Bayern: „Beide Teams sind weit von ihrer besten Form entfernt“

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Es ist das Spiel des Jahres im deutschen Fußball. Wenn Borussia Dortmund auf den FC Bayern trifft, knistert es auf und neben dem Platz. Und die Ausgangslage hätte für den neutralen Fan kaum besser sein können: Ein mageres Pünktchen trennt die Branchenriesen voneinander. Es ist einmal mehr das Duell zwischen dem Zweitplatzierten und dem Tabellenführer der Bundesliga.

Im Vorfeld der Partie haben wir mit unserem Redakteur und BVB-Fan Julius Eid sowie mit Justin Kraft (u.a. miasanrot.de) über die Ausgangslage und wichtigsten Themen rund um die beiden Mannschaften gesprochen.

FC Bayern „der klare Favorit“

90PLUS: Borussia Dortmund machte zuletzt ein gutes Spiel in Wolfsburg, schied zuvor jedoch bitter aus der CL aus, ist generell noch zu inkonstant in seinen Auftritten. Der FC Bayern dagegen hatte mit vielen Nebenkriegsschauplätzen zu kämpfen. Wie schätzt ihr die Ausgangslage vor dem Topspiel ein?

Julius Eid: In der Bundesliga würde ich den BVB gar nicht unbedingt als inkonstant bezeichnen. Im Gegensatz zu den letzten Jahren wirkt die Mannschaft bei den ungeliebten Aufgaben gegen kleinere Teams gefestigter und zumindest die Ergebnisse stimmen, nur deshlab ist die Tabellenlage vor diesem Duell ja auch noch recht spannend.

Es hapert beim BVB in der Leistungsspitze, deshalb hat man folgerichtig die bitteren Niederlagen dieser Saison schlicht auf einem Niveau eingefahren, auf dem man (noch) nicht mithalten kann. Dieses Niveau hat der FC Bayern trotz aller Querelen und alleine deshalb sind die Münchner der klare Favorit. Kimmich wird sportlich fehlen, aber wer den Rekordmeister in den letzten zehn Jahren beobachtet hat, kann diesen Favoritenstatus nicht aberkennen.

Justin Kraft: Beide Teams sind weit von ihrer besten Form entfernt. Beide hatten unterschiedlich gelagerte Probleme. Bei Borussia Dortmund sind die vielen Ausfälle sicher der wichtigste Faktor. Auch wenn die Spieler nach und nach zurückkehren, hatten sie zuletzt stark damit zu kämpfen. Es spricht für sie, dass sie in dieser Phase dennoch die Punkte geholt haben. Allerdings spricht es wiederum nicht für die Kaderbreite, dass der Leistungsabfall enorm war.

Schaut man sich die letzten Partien an, war da wenig überzeugendes dabei. Bei den Bayern hat die Coronasituation zu Problemen geführt. Es gab für Nagelsmann kaum noch Möglichkeiten zur Rotation und das hat man der ersten Elf angemerkt. Die Woche Pause könnte insofern sehr wichtig für sie gewesen sein. Dennoch hat uns die Vergangenheit bei diesem Duell ja gelehrt, dass die Vorzeichen oft egal für den Ausgang sind.

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Dortmunder müssen „Schwächen in der Defensive abstellen“

90PLUS: Was erwartet ihr euch am Samstag vom jeweiligen Kontrahenten?

JE: Aus Dortmunder Sicht ist der FC Bayern blöderweise wieder an einem Punkt angelangt, an dem ein deutlicher Statement-Sieg angebracht wäre, um das eigene Selbstverständnis zu bestätigen und um die Unruhe rund um den Klub etwas abzukühlen. Meist gelingt dann eben ein solcher Statement-Sieg auch. Ich erwarte einen selbstbewussten und gnadenlosen FC Bayern. Fragezeichen sehe ich dennoch bei der Defensivarbeit. Upamecano und co. sind gerne einmal für einen Ausrutscher gut und Kimmich, der fehlt, kann das Gebilde nicht zusammenhalten. Hier liegt die Chance für den Außenseiter aus Dortmund, der nicht nur Phasen des Leidens überstehen muss, sondern auch die Eiseskälte vor dem Tor des Gegners benötigt.

JK: Dortmund spielt zuhause, wenn auch noch nicht klar ist, vor wie vielen Zuschauer:innen. Dementsprechend erwarte ich, dass der BVB mutig agiert und Bayern auch mal unter Druck setzt. Sie werden versuchen, vor allem im Mittelfeld Ballgewinne zu erzeugen und dann mit schnellem Passspiel hinter die hochstehende Abwehr der Bayern zu kommen. Die Qualität dazu haben sie, allerdings müssen sie dafür auch die eigenen Schwächen in der Defensive abstellen. Gerade auf den Außenbahnen, wo die Bayern bekanntermaßen sehr stark sind, waren sie zuletzt zu anfällig.

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Wie schwer wiegt der Kimmich-Ausfall? „Goretzka und Tolisso zu monoton in ihrem Spiel“

90PLUS: Julius, mit Jude Bellingham steht einer der zentralen Spieler für den Samstag auf der Kippe. Generell hat der BVB in dieser Saison mit vielen Verletzungen zu kämpfen. Auf wen wird es neben Erling Haaland und Marco Reus besonders ankommen? Hat Mahmoud Dahoud vielleicht das Potenzial, am Samstag einer der Schlüsselspieler zu werden?

JE: Besonders gefragt sein wird die Viererkette der Schwarzgelben. Jeder Beteiligte braucht einen starken Tag und dies gilt noch einmal besonders für die Außenverteidiger. Denn hier liegen die Schwachstellen der Dortmunder, und das wird auch Julian Nagelsmann ganz genau wissen und immer wieder die Flanken attackieren lassen. Ein Thomas Meunier, der in seiner Zeit beim BVB nicht immer glücklich wirkte, und ein Raphael Guerreiro, der gerade erst nach Verletzungssorgen zurückkehrt, werden unter Dauerbeschuss stehen und dementsprechend im Fokus.

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90PLUS: Auf der anderen Seite fehlt mit Joshua Kimmich der zentrale Mann für den Spielaufbau. Justin, was bedeutet das für das Spiel gegen eine Rose-Mannschaft, die auch gegen den FC Bayern gerne mal ins Offensivpressing geht?

JK: Dass andere das Fehlen von Kimmich kompensieren müssen. Das wird sicher nicht einfach, wie auch die letzten Spiele gezeigt haben. Dennoch sollte der FC Bayern in der Lage sein, auch ohne ihn ein gutes Ergebnis zu erzielen. Bayern fehlt ohne Kimmich aber zweifelsohne ein Ruhepol in der Schaltzentrale und zugleich jemand, der das Tempo anziehen kann, wenn es nötig ist. Da sind Goretzka und Tolisso zu monoton in ihrem Spiel, während Sabitzer vor seiner Verletzung nicht zu seiner Form fand. Hier hat der BVB sicher gute Karten für den einen oder anderen Ballgewinn oder auch für Raum bei offensiven Umschaltsituationen.

Offensive ohne Haaland „wochenlang ohne ersichtlichen Schlachtplan“

90PLUS: Julian Nagelsmann hat es binnen kürzester Zeit geschafft, die Mannschaft zu verbessern. Gegenpressing und Restverteidigung haben ein besseres Gleichgewicht als das unter Hansi Flick der Fall war, offensiv greifen Automatismen auf teils unfassbar hohem Level. Wie siehst du die bisherige Entwicklung unter Nagelsmann?

JK: Ähnlich positiv. Wobei man schon anmerken muss, dass die letzten Wochen aus verschiedenen Gründen kompliziert waren und gerade offensiv nicht mehr diese Durchschlagskraft vorhanden ist wie noch zu Beginn der Saison. Es scheint im Moment ein wenig die Dynamik im letzten Drittel zu fehlen, um tiefstehenden Gegnern frühzeitig den entscheidenden Punch zu geben. Defensiv gibt es ebenfalls noch einiges zu tun. Bayern hat vor allem Probleme, die ballferne Seite in der Rückwärtsbewegung zu verteidigen, was bei Flanken und Seitenverlagerungen ein Problem ist. Mit Blick auf den BVB gibt es da mit Dahoud und Bellingham zwei Spieler, die mit Verlagerungen und gutem Laufspiel durchaus in der Lage sind, diese Schwachstellen zu nutzen.

90PLUS: Und zu den Dortmundern: Julius, wie beurteilst du die bisherige Entwicklung unter Marco Rose, gerade im taktischen Bereich?

JE: Zum jetzigen Zeitpunkt der Saison tue ich mich schwer, ein deutliches Urteil zu fällen. Denn natürlich haben die zahlreichen Verletzungen es verunmöglicht, den Plan A des Trainerteams weiterzuentwickeln oder überhaupt oft zu sehen. Eine Umstellung auf eine Fünferkette mit Hazard auf links gehörte sicherlich nicht zu den geplanten Traumlösungen, aber es waren teilweise eben keine Außenverteidiger mehr einsatzfähig.

Jetzt, wo Schlüsselspieler wie Haaland und Guerreiro langsam zurückkehren, bin ich weiterhin gespannt, wie sich die Mischung aus einer Raute mit Doppelspitze und einem 4-3-3 in Bestbesetzung präsentiert. Kritik kann man aber doch auch schon leicht üben. Denn die Offensive ohne Haaland präsentierte sich wochenlang ohne ersichtlichen Schlachtplan. Wenn man sich überlegt, dass dort trotzdem Julian Brandt, Donyell Malen und Marco Reus zum Stammpersonal gehörten, hätte man sich vielleicht doch zumindest eine kleine positive Entwicklung und eine ersichtliche Taktik gewünscht.

Borussia Dortmund oder der FC Bayern? Die Prognosen zum Spiel

JE: Der FC Bayern wird weite Teile des Spieles dominieren und sich auch immer wieder Chancen erarbeiten. Der BVB muss in jeder Situation hellwach sein und beweisen, dass man gefestigt genug ist, den Dauerstress zu überstehen. Das könnte sich am Ende lohnen, denn die Münchner werden Gelegenheiten geben, zu kontern. Wenn man in diesen Umschaltsituationen eiskalt ist und Erling Haaland erneut seine Weltklasse beweist, dann könnte das Ergebnis enger werden als der Spielverlauf.

JK: Ich denke nicht, dass es ein Spektakel wird. Ich rechne mit einem sehr engen Spiel, in dem Nuancen darüber entscheiden, wer am Ende gewinnt. Ein 0:0 oder 1:0 für eines der beiden Teams halte ich für realistisch.

 

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Michael Bojkov

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