Martin Ødegaard: Das „Wunderkind“ ist bereit für die große Bühne

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Junge Talente werden in ihren jungen Jahren oftmals hoch gejubelt. Mit diesem plötzlichen Hype um seine Person musste sich auch Martin Ødegaard auseinandersetzen, noch bevor er zu Real Madrid wechselte. Durch Umwege ist der Norweger auf einem sehr guten Weg

Martin Ødegaard: Der Junge aus Drammen

45 Kilometer südwestlich von Oslo liegt die mittelgroße Stadt Drammen in der Provinz Viken. Diese Stadt bringt man nicht zwingend sofort mit dem Fußball in Verbindung, eher mit schönen Orten zum Angeln oder. Doch aus dieser ruhigen Stadt kommt Martin Ødegaard, der als ruhiger und zurückhaltender Mensch beschrieben wird.

Das Spiel mit dem Ball erlernt Ødegaard im ortsansässigen Fußballverein namens „Strømsgodset IF“. Aufgrund seines vorbildlichen und höflichen Verhaltens abseits des Platzes wird er von allen nur liebevoll „Martin“ genannt. Schon früh erkennt man in ihm einen Spieler, der den Unterschied ausmachen kann. Im Alter von 15 Jahren wird Ødegaard bereits in einem Länderspiel der norwegischen Nationalmannschaft eingesetzt, spätestens zu diesem Zeitpunkt erobert der junge Norweger ganz Europa, Zusammenfassungen seiner Dribblings und Torvorlagen erobern die sozialen Medien.

Er absolviert Probetrainings bei Bayern München und Real Madrid und lässt sich bei der Entscheidung für seinen neuen Verein viel Zeit. Letztendlich entscheidet sich der Blondschopf für die „Königlichen.“ Sein Vater erwähnte vor diesem Wechsel, dass man nicht zu viel wollen darf und sich sein Junge behutsam entwickeln sollte. Der Wechsel zum wohl größten Fußballverein der Welt passt auf den ersten Blick nicht wirklich ins Bild.

Die Niederlande als Neuanfang

In Madrid dagegen feierte man die Verpflichtung des begehrten Spielers, die Verantwortlichen lobten Ødegaard in den höchsten Tönen. Es kam, wie es kommen musste. Ähnlich wie andere Talente hatte er mit starken Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. Für den Kader kam er eine lange Zeit nicht in Frage, weshalb er hauptsächlich bei Real Madrid Castilla, also bei der zweiten Mannschaft, Einsatzminuten sammelte.

Da dies natürlich kein Dauerzustand bleiben konnte, suchten sowohl der Klub als auch die Spielerseite nach einer Lösung. Diese ergab es schließlich in den Niederlanden. Der SC Heerenveen besaß großes Interesse, Ødegaard für ein Jahr auf Leihbasis unter Vertrag zu nehmen. Eine Liga, die offensiv ausgerichtet ist und in der junge Profis früh das Vertrauen erhalten, schien der absolut logische Schritt zu sein. Ein Jahr später konnten alle Parteien von einer gelungenen Leihe sprechen. Der Youngster aus Norwegen spielte zwar nicht überragend, aber er zeigte gute Leistungen in einer guten Liga und ging den nächsten Entwicklungsschritt.

In Madrid war man aber noch nicht zufrieden, weshalb eine weitere Leihe in die Eredivisie, dieses Mal zu Vitesse Arnheim, erfolgte. Dort entwickelte der Norweger sich rasant. Ødegaard absolvierte 39 Spiele, erzielte hierbei starke elf Tore und legte weitere zwölf auf. Diese starken Zahlen wollte er nun auch in La Liga bestätigen, weshalb er sich am Anfang der aktuellen Saison zu Real Sociedad ausliehen ließ. Neben den Basken war auch Bayer Leverkusen stark an ihm interessiert. Die Werkself wollte ihn fest verpflichten, da Madrid ihn aber nicht ganz abgeben wollte, erhielt Sociedad den Zuschlag. Der Plan der „Königlichen“, die Entwicklung Ødegaards Schritt für Schritt zu lenken und bestimmen zu können, ging scheinbar auf.

Ødegaard: Passstärke und Übersicht als Stärken

Sein Spielstil und seine Stärken liegt ganz klar im technischen Bereich. Schon in jungen Jahren konnte man ihm sehr gut zusehen, die Anlagen, die er hat, sind überwältigend gut. In 23 Spielen in La Liga steht Odegaard bisher bei vier Toren und fünf Assists, er ist Teil einer sehr starken Mannschaft von „La Real“ und harmoniert sehr gut mit seinen Mitspielern.

Doch um seine Stärken genauer zu beschreiben, reicht ein Blick auf die typischen Spieler-Statistiken nicht. Ødegaard beherrscht es, seine Mitspieler besser zu machen, Bälle im Mittelfelddrittel so zu Spielen, dass gefährliche Chancen entstehen. Er ist in allen Bereichen des Spielfelds für das Offensivspiel wichtig, sei es durch schnelle Bewegungen, Richtungswechsel, Tempoverschärfungen oder eben einen simplen, aber effektiven Pass in gefährliche Zonen.

Mit 54 Chancen die er kreiert hat, liegt er in „LaLiga“ auf Platz drei und hat mit 205 Pässen in den Strafraum die meisten Pässe in die gefährliche Zone gespielt.
Bei all diesen Stationen wird vergessen, dass der Norweger erst 21 Jahre alt ist, deswegen besitzt er noch enormes Entwicklungspotential. Gerne könnte Ødegaard noch häufiger den Abschluss suchen, in der Rückwärtsbewegung das ein oder andere Prozent zulegen, gleiches gilt für physische Komponenten.

Dennoch besitzt Ødegaard alle Fähigkeiten und weiterhin auch das Potential um langfristig einer der besten Spieler der Welt zu werden. In einer ballbesitzorientierten Mannschaft könnte er der Spieler sein, der den entscheidenden Pass spielt und mit seiner Zielstrebigkeit dafür sorgt, dass seine Mannschaft nicht in Schönheit stirbt.

Bereit für Real Madrid?

Fraglich ist seine Zukunft. Real Sociedad hat ihn für zwei Jahre ausgeliehen, was bedeutet, dass er auch nächste Saison für „LaReal“ auflaufen wird. Sein großes Ziel ist das Erreichen der UEFA Champions League, welches man mit dem aktuellen vierten Platz sogar erreicht hätte. Hier könnte er den nächsten Schritt machen und sich auch auf internationalem Parkett beweisen.

Die nächste Vereinswahl ist für Ødegaard enorm wichtig. Ein Verbleib bei Madrid ist definitiv ein Thema für den Norweger, allerdings haben die „Königlichen“ in der Offensive mit Takefusa Kubo, Reinier, Rodrygo Goes, Brahim Diaz und Vinicius Junior einige herausragende Talente in petto. Nuancen werden entscheiden, Kleinigkeiten können bei der Frage nach Stammplatz, einer weiteren Leihe oder einem Verkauf ausschlaggebend sein. Betrachtet man die Entwicklung von Martin Ødegaard, so bleibt festzuhalten, dass das einstige Wunderkind nicht nur gereift ist, sondern auch bereit zu sein scheint, auf der ganz große Bühne in Erscheinung zu treten.

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(Photo by Juan Manuel Serrano Arce/Getty Images)

Hendrik Wiese

Aufgewachsen mit dem Spielstil von Bastian Schweinsteiger bevorzugt Hendrik spielerische Dominanz und technisch ansehnlichen Fußball. Seit Dezember 2019 ist er für 90PLUS unterwegs, bevorzugt im deutschen Oberhaus.

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