Real Madrid | Der Start in die 2000er Jahre – die Galaktischen 1.0

Real Madrid Die Galaktischen
UEFA CL/EL

Erfolgreich, glanzvoll, dominierend – Real Madrid ist für viele der größte Klub der Welt. Insgesamt 13-Mal gewannen die „Königlichen“ alleine die Champions League in ihrer ruhmreichen Historie. Anfang der 2000er Jahre strahlt die Mannschaft aber einen nie zuvor gesehenen Glanz aus. Das mit Stars gespickte Team feierte erst große Erfolge, die riesigen Erwartungen vermag es jedoch nicht dauerhaft zu erfüllen.

Die neue Ära begann im Sommer 2000. Real Madrid hat gerade im Finale von Paris die Champions League gewonnen. Mit 3:0 besiegte der spanische Rekordmeister gegen den FC Valencia. Real hat damit die schwache Saison trotz eines katastrophalen fünften Platzes in der Liga gerettet. Im jenem Sommer standen im Verein die Präsidentschaftswahlen an: Amtsinhaber Lorenzo Sanz galt klarer Favorit, die Champions-League-Erfolge 1998 und 2000 sprachen für ihn. Sein Widersacher, der Bauunternehmer Florentino Perez aber lockte mit einem kühnen Versprechen.

Florentino Perez baut die Galaktischen

Wenn er Präsident von Real wäre, würde er Luis Figo kaufen, versprach er im Wahlkampf. Der Portugiese ist zu jenem Zeitpunkt einer der allerbesten Mittelfeldspieler der Welt und spielt beim Erzrivalen FC Barcelona. Perez hatte Figo vor der Wahl ein Handgeld von 2 Millionen Euro versprochen, welches er auch dann bekommt, wenn der Bauunternehmer nicht gewählt wird.
Es ist ein riskanter Plan, aber er gelingt: Perez wird gewählt und Luis Figo kommt für 60 Millionen Euro. Er ist fortan der teuerste Spieler der Welt und in Barcelona als Verräter für immer verhasst.

Neben Figo kommen auch die Mittelfeldspieler Claude Makélélé und Flávio Conceicao, Steve McManaman und Fernando Morientes. Im Sommer 2000 gibt Real Madrid unter Perez fast 120 Millionen Euro für Neuzugänge aus. Aus heutiger Sicht nicht viel, damals aber der fast Vierfache wie der damals auf dem Transfermarkt aktivste Bundesligist Borussia Dortmund. Die Investitionen zahlen sich aus: Real gewinnt in der Saison 2000/2001 die spanische Meisterschaft mit sieben Punkten Vorsprung auf Titelverteidiger Deportivo La Coruna, es ist die erste Meisterschaft seit vier Jahren.

Real Madrid die Galaktischen
(Photo by Pierre-Philippe Marcou /AFP via Getty Images)

In der Champions League scheitern die Madrilenen dagegen im Halbfinale am späteren Sieger Bayern München, der Plan von Perez ist im ersten Jahr aber aufgegangen. Im Sommer 2001 will er daher noch mehr: „Der größte Club braucht die besten Spieler der Welt“, verkündete Perez. 77,5 Millionen Euro bezahlte Real Madrid alleine für Zinédine Zidane und brach den erst ein Jahr zuvor selbst aufgestellten weltweiten Transferrekord.

Zidane lenkt von nun an das Spiel des Hauptstadtclubs, er ist der einzige namhafte Neuzugang im Sommer 2001 und bereichert eine eingespielte Mannschaft. Der Franzose liefert in 31 Ligaspielen 16 Scorerpunkte. Dennoch tut das Team sich in der Liga schwer und wird nur Dritter. Auch im Pokal reicht es nicht, Real verliert im Finale mit 1:“ gegen Deportivo La Coruna. Ausgerechnet im Jahr des hundertjährigen Vereinsjubiläums droht Real Madrid mit leeren Händen dazustehen.

Zidane krönt Real Madrid kunstvoll

Wenigstens lief es in der Königsklasse: In der Champions League setzte das Team von Coach Vicente del Bosque gegen den FC Bayern München durch, nach einer 1:2-Auswärtsniederlage im Viertelfinal-Hinspiel siegt Real im Estadio Santiago Bernabeu mit 2:0. Im Halbfinale wird Erzrivale FC Barcelona dank eines 2:0-Auswärtssieges im Hinspiel bezwungen, ehe im Finale Bayer 04 Leverkusen wartet.

Am 15. Mai 2002 traf Real Madrid im Hampden Park in Glasgow auf ein Leverkusener Team, welches in den Wochen zuvor Dramatisches erlebt hat: In der Meisterschaft wurde Borussia Dortmund am letzten Spieltag mit einem Punkt vor Bayer Meister und eine Woche später scheiterte Leverkusen im DFB Pokal-Finale am FC Schalke 04.

Beide Mannschaften starten mit einem 4-4-2 System mit einer Raute im Mittelfeld. Im Tor der Madrilenen beginnt César Sánchez, links hinten verteidigt Roberto Carlos, der mit seinem hohen Tempo, seinen harten Schüssen und seinen raffinierten Freistößen stilprägend für die Galaktischen ist. Auf dem rechten Pendant spielt Míchel Salgado und in der Innenverteidigung das Duo aus Ivan Helguera und Kapitän Fernando Hierro. Die Mittelfeld-Raute besteht aus Claude Makélélé auf der defensiven Position, Luís Figo und Santiago Solari auf den Seiten und dem offensiven Zinédine Zidane. Im Sturm spielen Fernando Morientes und Raúl.

Jenem Raúl, damals 24 Jahre alt und ein Eigengewächs des Clubs, gelang in der siebten Minute das Führungstor mit links, Roberto Carlos bereitete den Treffer mit einem weiten Einwurf vor. Aber Leverkusen schüttelte sich und kann nur fünf Minuten später zurückschlagen: Innenverteidiger Lúcio traf nach einer Freistoßflanke Bernd Schneiders zum Ausgleich.

Kurz vor der Halbzeitpause spielte Roberto Carlos einen Doppelpass mit Morientes. Links vor dem Strafraum hob er den hochgespielten Ball von Morientes mit dem Rücken zum Tor und mit nur einer Bewegung über seinen Gegenspieler in die Mitte. Zidane nahm die kunstvolle Hereingabe Volley von der Strafraumgrenze und versenkte den Ball mit links ins linke Eck. Ein Kunstwerk, verkleidet als Tor. Es ist bis zum heutigen Tag vielleicht das schönste Tor in der Geschichte der Champions League Finals.

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Photo by Damien Meyer /AFP via Getty Images)

Ein Treffer eines Eigengewächses, und ein Tor des teuersten Spielers der Welt. Diese Mischung zeigte das Vorgehen von Präsident Florentino Perez, junge Spieler zusammen mit Weltstars spielen zu lassen, damit diese sich entwickeln.

Und ein weiteres Eigengewächs ist auf dem Weg, Real Madrid zu prägen: In der zweiten Hälfte musste César Sánchez verletzungsbedingt vom Platz und für ihn kam ein erst 20-jähriger Torhüter in die Partie, der schon das Finale vor zwei Jahren gegen Valencia gespielt hat. Sein Name: Iker Casillas.
Leverkusen spielte weiter mutig nach vorne und erspielte sich einige Chancen, doch der Augsleich sollte nicht mehr gelingen. Casillas parierte mehrmals stark und Real Madrid vor allem wegen seiner Leistungen zum dritten Mal in fünf Jahren die Champions League. Es ist der erste internationale Titel der Ära Florentino Perez.

Real Madrid mit David Beckham in einer neuen Dimension

Im Sommer 2002 verpflichtete der Bauunternehmer den nächsten Weltstar. Ronaldo kommt als frischgebackener Weltmeister und doppelter Finaltorschütze für 45 Millionen Euro nach Madrid. Wie Zidane im Vorjahr ist er der einzige namhafte Neuzugang. Wie Figo vor zwei Jahren kommt ein Spieler mit einer Vergangenheit beim FC Barcelona nach Madrid. Der Transfer zahlte sich sofort aus: Ronaldo schießt in seinem ersten Jahr in Madrid 23 Tore. Das Team um die Weltstars Raul, Figo, Zidane und Ronaldo wird spanischer Meister. Im Pokal scheiterte man jedoch krachend im Viertelfinale mit 0:4 bei RCD Mallorca und in der Champions League ist im Halbfinale gegen Juventus Turin Schluss.

Im Sommer 2003 möchte Perez daher noch mehr und komplettiert die Galaktischen. David Beckham kam von Manchester United für 37,5 Millionen Euro. Neben dem sportlichen Aspekt sah Perez einen hohen wirtschaftlichen Mehrwert: Er schätzte Beckhams Wert auf ungefähr 500 Millionen Euro. Das mediale Interesse an Beckham war riesig, über 500 Journalisten sind bei seiner Vorstellung anwesend, die wird in mehr als 60 Länder übertragen wird.

Der englische Mittelfeldspieler brachte noch mehr Glamour nach Madrid, was sich vor allem finanziell lohnen sollte: Real verkauft in Beckhams erster Saison dreimal so viele Trikots wie vorher. Vor allem in Asien erschloss sich der Club dadurch einen Markt und löste Manchester United als einkommenstärksten Verein ab. Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Associated Press war der Transfer das Sportevent des Jahres.

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(Photo by Pierre-Philippe Marcou /AFP via Getty Images)

Auf dem Platz bereitet Beckham in seiner ersten Saison zwölf Tore vor und trifft selbst dreimal. In der ersten gemeinsamen Saison der Galaktischen bleibt Real Madrid jedoch ohne großen Titel, erstmals unter Florentino Perez. Sportlich rentiert sich der Beckham-Transfer nicht sofort, aber wirtschaftlich durchaus.

Die Galaktischen haben zu jener Zeit auch eine große wirtschaftliche Bedeutung, denn damit ist nicht nur die Mannschaft dieser Zeit um die Toptransfers Figo, Zidane, Ronaldo und Beckham gemeint, sondern auch die vier Türme unmittelbar neben Real Madrids Trainingsgelände: Sie werden im Volksmund „Figo, Zidane, Ronaldo und Beckham“ genannt. Florentino Perez verkauft die Fläche des Vereinsgeländes in der Zeit der großen Transfers. Dort entstehen während des spanischen Bau-Booms diese Türme.

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(Photo by Denis Doyle/Getty Images)

Das Ende der Galaktischen – der Erfolg bleibt aus

In der Spielzeit 2004/2005 bleibt Real Madrid erneut ohne Titel: In der Gruppenphase der Champions League treffen die Galaktischen dabeo am ersten Spieltag abermals auf Bayer Leverkusen, den Finalgegner von 2002. Casillas, Roberto Carlos, Salgado, Helguera, Zidane, Raúl und Figo stehen wie schon im Finale 2002 auf dem Platz. Die restlichen Profis sind die Innenverteidiger Wálter Samuel und Francisco Pavón, Beckham und Ronaldo.

Die Galaktischen können offensivstarken Leverkusenern wenig entgegensetzen. Die Mannschaft, gespickt von Topstars, kann ihr Potential nicht mehr wirklich abrufen. Leverkusen gewinnt durch Tore von Jacek Krzynowek, Franca und Dimitar Berbatov verdient mit 3:0. Das Rückspiel in Madrid endete mit 1:1, beide Teams erreichten punktgleich das Achtelfinale. Dort schied Real in der Verlängerung des Rückspiels wie schon 2003 gegen Juventus Turin aus.

Im Sommer 2005 geht der erste der vier Galaktischen von Bord: Luis Figo wechselte ablösefrei zu Inter Mailand. Real Madrid bleibt 2005/2006 wieder ohne Titel und wird in der Liga wie im Vorjahr Zweiter hinter dem FC Barcelona. Im Sommer 2006 beendete Zidane seine Karriere und Real verlor seinen Organisator. Auch Ronaldo verließ bald darauf den Verein, er wechselte für 7,5 Millionen Euro zur AC Milan.

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(Photo by Liu Jin /AFP via Getty Images)

Beckham bleibt noch eine weitere Saison bei Real Madrid und wird in seiner vierten Saison erstmals spanischer Meister. Somit gewannen alle vier Stars in Madrid die spanische Liga. Den letzten Titel hatte Real 2003 geholt, bevor Beckham kam und die Galaktischen endgültig auch außerhalb des Fußballfeldes die Welt eroberten. Letztendlich muss man allerdings festhalten, dass sich die Anhänger des Vereins gerade auf internationaler Ebene mehr von dieser Ära erhofft hatten.

(Photo by Gerry Penny AFP via Getty Images)

Piet Bosse

Fasziniert von diesem einen langen Pass in die Spitze. Hat eine Schwäche für deutschen und französischen Fußball. Seit 2019 bei 90PLUS.

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