Datenanalyse: Der ineffizienteste Stürmer der Bundesliga

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Spotlight | Sechs Spieltage sind in der Bundesliga bereits rum, 540 Minuten konnten maximal und regulär gespielt werden. Genug Gelegenheit für Stürmer, sich warmzuschießen. Erling Haaland (BVB, 21) und Robert Lewandowski (FCB, 33) haben jeweils schon sieben Tore auf ihrem Konto und liefern sich ein Kopf-an-Kopf Rennen um die Torjägerkanone. Doch wer ist eigentlich der ineffizienteste Stürmer der Bundesliga?

Bundesliga: Stürmer für Tore gesucht

Es ist kein Geheimnis, dass Stürmer im Fußball vor allem eine Sache tun sollen: Tore schießen oder ermöglichen. Während die Spieler diese Qualität unter den wachsamen Augen von Trainern, Experten und Fans versuchen unter Beweis zu stellen, zählt neben dem subjektiven Eindruck auch immer mehr die objektive Messung der Abschlussfertigkeiten. Immer fortgeschrittenere Techniken zur Datensammlung und Analyse ermöglichen es, die Effektivität eines Stürmers punktgenau zu bestimmen.



Während man den Erfolg der Spieler am Ende der Saison leicht an ihren Torbeteiligungen festmachen kann, ist das nur die halbe Wahrheit. Ein Stürmer kann auch sehr gut sein, wenn er die ihm gebotene Chancen effizient nutzt, auch wenn am Ende nur wenige bei herauskommen. Gleichzeitig kann ein auf den ersten Blick guter Stürmer auch viele Großchancen kläglich vergeben. So ein Spieler trägt nicht unbedingt zur Stabilität und Verlässlichkeit des Offensivspiels bei.

Ein Blick in die Bundesliga-Daten

Grund genug also, einen Blick in die Daten zu werfen. Die Rohdaten kommen von fbref.com. Das komplette Datenset umfasst 181 Variablen für jeden Spieler in der Bundesliga. Es liegt auf der Hand, dass nicht alle Spieler und Messwerte berücksichtigt werden können. In die folgende Betrachtung fließen deshalb nur Spieler ein, die laut fbref.com als primäre oder sekundäre Position „Sturm“ haben (eine genauere Einteilung ist leider nicht möglich) und mehr als 25% aller möglichen Minuten für ihr Team absolviert haben (> 135 Minuten nach dem 6. Spieltag).

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Bedeutend ist zunächst die Differenz zwischen Toren und expected Goals (xG) an. Der xG-Wert ist eine Wert von 0-1 der angibt, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Torschuss zu einem Tor führt. Spieler mit einem positiven Wert sind also besonders effizient, da sie aus unwahrscheinlichen Situationen trotzdem Tore schießen. Für Spieler mit negativen Wert gilt das Gegenteil. Eigentlich hätten sie mehr Tore schießen müssen, als sie getan haben. Darüber hinaus ist die Anzahl von Schüssen, die für ein Tor gebraucht werden, von Bedeutung. Zuletzt wird noch der Anteil tatsächlichen Torschüssen (SaT%) und die durchschnittliche pro 90 Minuten gezeigte Anzahl von Aktionen, die zu einem Schuss führten (SCA / 90min – Dribbling, Pass etc.; egal von wem der Schuss abgegeben wurde) verglichen.

via fbref

Die Vergrößerung aller Spieler mit einer negativen Differenz zwischen erzielten und erwarteten Toren, lässt vier Spieler besonders hervorstechen: Rafael Borré (SGE, 26), Wout Weghorst (WOB, 29) Andrej Kramaric (TSG, 30) und Dickson Abiama (SGF, 22). Alle vier Spieler brauchen vergleichsweise viele Schüsse für ein Tor und weniger als die Hälfte ihrer Schüsse geht auch tatsächlich aufs Tor. Während ein Spieler wie Jonas Hofmann (BMG, 29) ungefähr fünf zum Schuss führende Aktionen pro 90 Minuten einleitet, sind es bei den vier vorherigen Spielern, nie mehr als drei. Besonders Borré sticht in dieser Gruppe heraus. Obwohl er 87% aller möglichen Minuten für die Eintracht gespielt hat, konnte er bislang nur ein Tor erzielen. Bei einem xG-Wert von 2.6!

Tore sind nicht alles

Bevor sich aber die Missgunst der Fans über Borré, Weghorst, Kramaric und Abiama entleert, lohnt es sich nochmal genauer hinzuschauen. Diesmal auf den Unterschied zwischen Vorlagen und erwarteten Vorlagen (Assists – xA), den durchschnittlichen Toren alle 90 min (Tore / 90min). Der Kurzpassquote und auf die durchschnittliche pro 90 Minuten gezeigte Anzahl von Aktionen, die zu einem Tor führten (GCA / 90min). Diese Werte sollten verraten, ob ein Spieler in der Lage ist, seine Mitspieler gut in Szene zu setzen.

Eine Datenanalyse der xA-Werte der Bundesliga-Angreifer

via fbref

Vor allem Kramaric weiß sich hier zu behaupten. Der xA Wert gibt an, wie hoch der xG-Wert nach einem Pass ist. Ein positiver Wert bedeutet, dass die Spieler, zu denen der Pass ging diesen dann zuverlässiger verwandelt haben, als erwartet. Kramaric hat 4 Vorlagen auf seinem Konto, rein statistisch hätten aus den Pässen aber nur 2.4 Tore daraus entstehen dürfen. Dabei bedeutet ein positiver Assists– xA Wert nicht unbedingt, dass die Vorlagen des Spielers schlecht sind. Dafür sind xG und xA zu Situations- und Spieler abhängig. Beide Werte bieten aber dennoch einen guten Einblick in die Abschlussqualität des entsprechenden Spielers, aber eben auch, wie effektiv seine Mitspieler seine Pässe verwandeln.

Bezeichnend ist außerdem, dass Kramaric knapp 83% seiner Kurzpässe (4.5 bis 13.8 Meter) an den Mann brachte. Zusammen mit seinen Assists ergibt das 0.83 Aktionen pro 90 Minuten, die zu einem Tor führten. Der Hoffenheimer ist also mitnichten ineffizient. Vielmehr spielt er sehr teamdienlich und ist so ein wichtiger Faktor im Offensivspiel der TSG.

Ein Wert, sie zu messen

Ganz anders sieht es bei Rafael Borré von Eintracht Frankfurt aus. Der Kolumbianer, der in diesem Jahr ablösefrei an den Main wechselte, konnte bisher nur ein Tor und keine Vorlage verbuchen. Die relativ niedrige Anzahl an Aktionen, die zu Schüssen führen, der negative Tore – xG Wert, nur 35% Torschüsse und eine Kurzpassquote von knapp unter 80%, zeichnen das Bild eines recht glücklosen Mittelstürmers, der noch einige Argumente für seinen Marktwert von 17 Millionen Euro (transfermarkt.de) liefern muss.

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Foto: IMAGO

Auch wenn Borré keine Ablöse gekostet hat und noch 28 Spieltage Zeit hat, seine Rolle bei der Eintracht zu finden: Das, was er aktuell zeigt, ist zu wenig. Trotzdem, auch wenn seine Werte auf den ersten Blick nicht überzeugen, muss man vorsichtig sein mit absoluten Zuweisungen, wie „Ineffizientester Spieler.“ Quantitative Daten können immer nur einen Teil des Gesamtbildes liefern und der Fall Kramaric zeigt eben auch, wie sich die individuellen Qualitäten eines Spielers im Mannschaftsbild niederschlagen können. Nichts desto trotz bieten objektive Zahlen eine Diskussionsgrundlage für Trainer, Experten und Fans und im wahrsten Sinne des Wortes den Maßstab, an dem sich ein Spieler messen lassen muss. Auch nach dem 6. Spieltag.

Niklas Döbler

Foto: IMAGO

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