Warum die Topteams der Premier League nicht in die Spur finden

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Nach sechs Spieltagen in der Premier League zeigt der Blick auf die Tabelle, dass alles noch sehr ausgeglichen ist. Die „Big Six“ schwächeln bisher, lassen unnötig Punkte liegen. Doch was sind die Gründe?

  • Premier League: Die Topteams straucheln häufiger
  • Ausgeglichene Liga – wo liegen die Gründe?
  • Können sich Außenseiter in den Fokus spielen?

Premier League: Ein Trend bahnte sich an

(Photo by JASON CAIRNDUFF/POOL/AFP via Getty Images)

Der Trend dahingehend, dass die Schere zwischen den Big Six und dem Rest kleiner wird, war bereits letzte Saison erkennbar. Von 2017 bis 2019 waren immer dieselben Teams vorne, dazu klaffte zwischen Platz sechs und sieben nicht selten eine große Lücke. Die Saison 2019/20 war bereits ein erster Anhaltspunkt, dass sich dies in Zukunft ändern würde. Leicester City wurde erst am letzten Spieltag endgültig von den Champions-League-Rängen verdrängt, die Wolverhampton Wanderers landeten vor Arsenal und standen bis kurz vor Saisonende auch vor Tottenham. Damals schob man es noch auf ein schwächelndes Arsenal und die sehr starke Hinrunde Leicesters. Dass dies nicht die einzigen Gründe waren, zeigt sich umso deutlicher in der Frühphase der aktuell laufenden Saison

Fehlende Vorbereitung als Faktor

Ein weiterer Faktor ist die eingeschränkte Vorbereitung. Das trifft in der Premier League die beiden Manchester-Vereine, aber auch Chelsea und die Wolverhampton Wanderers. Diese vier Teams waren im August noch im internationalen Wettbewerb vertreten. Machten die anderen Premier-League-Vereine am 26.07. ihr letztes Spiel der Saison, musste Manchester United noch am 16.08. im Halbfinale der Europa League ran. Die Zusatzbelastung hinterließ spuren, der Urlaub wurde verkürzt. Dass der erste Spieltag für Manchester United und Manchester City verschoben werden musste, da zwischen Ende der abgelaufenen und Beginn der neuen Saison mindestens 30 Tage liegen müssen, spricht Bände. Hinzu kommt noch, dass mitten in der Vorbereitung Anfang September Länderspiele stattfanden, die den Klub wiederum den Rhythmus nahmen.

Enger Terminkalender schränkt Klubs aus der Premier League ein

Ein anderer wichtiger Punkt, der unter anderem von Jürgen Klopp (53) immer wieder betont wird, ist, dass die Topteams quasi keine Trainingsmöglichkeiten haben. War es im letzten Jahr noch so, dass erst nach dem sechsten Spieltag die erste englische Woche auf die Teams wartete, war dies in diesem Jahr bereits nach Spieltag zwei der Fall. Somit konnte auch hierdurch die sehr kurze Vorbereitung nicht „aufgeholt“ werden. Stattdessen können diese Teams weder eigene Automatismen einstudieren, noch sich ausreichend auf den kommenden Gegner einstellen. Da dies den nicht international spielenden Mannschaften möglich ist, sind die Topteams bereits dazu übergegangen, mit neuen Systemen zu experimentieren, um den Gegnern den Vorteil der Vorbereitung zu nehmen. So spielte der FC Liverpool zuletzt ungewohnt im 4-2-3-1, andere Mannschaften traten bereits mit Dreierkette an. Dass hierbei die Abstimmung nicht perfekt funktionieren kann, dürfte klar sein. Doch den Teams bleibt kaum etwas anderes übrig.

Große Veränderungen im Kader

(Photo by RICHARD HEATHCOTE/POOL/AFP via Getty Images)

Auch die Fluktuation im Kader spielt eine Rolle. Das trifft vor allem Chelsea und die Tottenham Hotspurs. Kamen bei den Spurs mit Sergio Reguilón (23), Matt Doherty (28), Pierre-Emile Höjbjerg (25) und Gareth Bale (31) vier potentielle Stammspieler, so waren es bei Chelsea gleich deren sechs. Kai Havertz (21), Timo Werner (24), Ben Chilwell (23), Hakim Ziyech (27), Thiago Silva (35) und Eduard Mendy (28) sollen alle in die Startelf eingebaut werden. Doch wie? Auch bei Arsenal (drei), Liverpool (zwei), Manchester City (zwei) und Manchester United (zwei) kamen neue potentielle Stammspieler hinzu, für die es aufgrund der kurzen Vorbereitung und des fehlenden Trainings während der Saison deutlich schwerer als normal ist, sich in der Mannschaft zurechtzufinden.

Lange Transferphase als Problem

2019 wurde eine Änderung des Transferfensters in England beschlossen. So schloss das Fenster, in dem man Spieler für eine Spielberechtigung in der Premier League anmelden konnte, am Vorabend des ersten Spieltags. Das brachte den Teams vor allem Planungssicherheit. In diesem Jahr wurde durch die sich bis in den Juli ziehenden Vorsaison das Transferfenster bis einschließlich 05. Oktober verlängert. Spieler aus den der EFL zugehörigen Ligen in England konnten sogar noch später verpflichtet werden. Etwas, das zunächst wie ein Vorteil für größere Vereine wirkte, scheint ihnen jetzt zum Nachteil zu gereichen. Ob Arsenal mit Thomas Partey (27), die Spurs mit Sergio Reguilon (23), Chelsea mit Edouard Mendy (28) oder Manchester City mit Rúben Dias (23), vier der sechs Topteams verpflichteten essentielle Stammspieler nach Beginn der Saison. Dass dies nicht gerade zur Eingespieltheit beiträgt, versteht sich von selbst.

Auch die Außenseiter haben ihren Anteil

(Photo by Alex Pantling/Getty Images)

Zu guter Letzt muss man auch einfach festhalten, dass die kleineren Mannschaften in der Premier League gute Arbeit geleistet haben. Was Aston Villa, Leicester, der Everton FC oder auch andere Mannschaften in diesem Sommer auf dem Transfermarkt geleistet haben, muss absolut positiv bewertet werden. Clevere Leihen wie die von Ross Barkley (26, Aston Villa), Jack Harrison (23, Leeds United), Cengiz Ünder (23, Leicester City) oder Theo Walcott (31, Southampton FC) spielten in Zeiten der coronabedingten Einschränkungen auf finanzieller Ebene eine wichtige Rolle.

Auch ablösefreie Spieler von besseren Vereinen schlossen sich den Mannschaften unterhalb der großen Sechs an, beispielsweise Adam Lallana (32, Brighton & Hove Albion), James Rodríguez (29, Everton FC) oder Jeff Hendrick (28, Newcastle United). Zu guter letzt wurde auch das vorhandene Geld in den meisten Fällen wirklich gut investiert. Beispiele hierfür sind Tomas Soucek (25, West Ham United), Timothy Castagne (24, Leicester City) und Abdoulaye Doucouré (27, Everton FC). Nahezu jeder Transfer stellt sich bisher als echte Verstärkung der Teams heraus. Und auch auf den Trainerbänken sitzen inzwischen nahezu überall innovative, gute Trainer.

Fazit

All dies sind mögliche Gründe, warum die einzelnen Mannschaften noch nicht wie gewohnt in die Saison gestartet sind. Doch da auch keine andere Mannschaft vollends überzeugen und sich absetzen konnte, besteht bisher noch nicht die Gefahr, dass sich für die Topteams etwas dramatisch ändern wird. Allerdings müssen sie allesamt anfangen, in die Spur zu finden. Die anderen Teams lauern und werden da sein, sollte die Schwächephase der Big Six noch länger anhalten.

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Lukas Heigl

Liebhaber des britischen Fußballs: Von Brighton über Reading und Wimbledon bis nach Inverness. Ist mehr für Spiele der dritten englischen Liga als für den Classico zu begeistern. Durch das Kommentatoren-Duo Galler/Menuge auch am französischen Fußball interessiert

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