Wie gut war eigentlich? Teil 1: Roy Makaay

Wie gut war eigentlich...?

Er war kein Mann großer Worte, ließ lieber Leistungen auf dem Platz und vor allem Tore für sich sprechen: Roy Makaay. Im Sommer 2010 beendete der Angreifer aus den Niederlanden seine Karriere, in seinem letzten Ligaspiel erzielte er standesgemäß einen Dreierpack. Wir blicken zurück auf seine Karriere.

Roy Makaay: Das Torphantom aus Wijchen

Geboren wurde Rudolpus Antonius „Roy“ Makaay am 9. März 1975 in der niederländischen Kleinstadt Wijchen, in der er auch mit dem Fußballspielen begann. 1989 zog es Makaay zu Vitesse Arnheim, seinem ersten großen Klub. Dort durchlief er einige Jugendabteilungen, ehe er in 1993 als 18-jähriger in der höchsten Spielklasse der Niederlande debütierte.

Schon als junger Profi zeichnete sich Makaay durch seine klugen Bewegungen und viel Zug zum Tor aus. Für Vitesse traf er in 109 Pflichtspielen 42-mal, sodass spanische Klubs auf den Stürmer aufmerksam wurden. 1997 wechselte er nach Teneriffa, zwei Jahre später zu Deportivo La Coruña, wo Makaay endgültig zu einem eiskalten Torjäger reifte.

Mit Deportivo La Coruña in den Fokus

Der Wechsel zu „Depor“ sollte sich schnell als absoluter Glücksfall herausstellen. Makaay wurde in seiner ersten Saison mit dem Klub sofort spanischer Meister, ein Jahr später belegte die Mannschaft Platz zwei in La Liga. Zusammen mit seinem kongenialen Offensivpartner Diego Tristán verbreitete Makaay Angst und schrecken. Deportivo La Coruña spielte schnell, schnörkellos und nutzte sich bietende Möglichkeiten eiskalt aus.

(Photo by PATRICK HERTZOG/AFP via Getty Images)

Während dieser Zeit erlebte er aber einen Tiefpunkt, als er sich während der Europameisterschaft 2000 im eigenen Lande verletzte. „Es pas­sierte im Trai­ning vor dem Halb­fi­nale gegen Ita­lien, in meinem rechten Knö­chel war alles kaputt. Sie brachten mich ins Kran­ken­haus gleich neben der Ams­terdam Arena. Ich sagte dem Arzt: ​„Gebt mir bitte kein Zimmer mit Aus­blick auf das Sta­dion“, so Makaay später in einem Interview mit „11Freunde“.

Die Saison 2002/03 war für Roy Makaay schließlich in vielerlei Hinsicht bedeutend. Einerseits gewann er mit 29 Toren in La Liga den begehrten Goldenen Schuh der UEFA als bester Torschütze Europas, andererseits spielte er sich in den Fokus des FC Bayern München. Und das im direkten Duell.

Es war der 18. September 2002 im Olympiastadion München, als Roy Makaay mit einem Dreierpack für die 2:3-Niederlage des FC Bayern zum Auftakt in der Champions League sorgte. Auch im Rückspiel, beim 2:1 für Depor, traf Makaay. Vier seiner neun Tore in der Königsklasse wurden also gegen den deutschen Rekordmeister erzielt. Und es kam, was kommen musste. 

Makaay schließt sich dem FC Bayern an

Der FC Bayern sicherte sich die Dienste des niederländischen Angreifers – für knapp 20 Millionen Euro. Der Klub genoss zwei Jahre nach dem Titelgewinn in der Champions League ein hohes Ansehen in Europa, für Makaay war dieser Schritt der nächstmögliche, um in Europa nach den ganz großen Titeln streben zu können. Paradoxerweise gelang gerade dies während seiner Zeit in München nicht.

(Photo by Vladimir Rys/Bongarts/Getty Images)

Dreimal endete der Traum von Silberware in Europa schon im Achtelfinale, einmal im Viertelfinale. Die Gegner hießen AC Mailand (2x), Chelsea FC und Real Madrid. In dieser Phase gehörte der Rekordmeister nicht zu den europäischen Schwergewichten, Roy Makaay war dies aber egal. Der Niederländer verrichtete seine Arbeit, traf wie am Fließband.

Nach vier Jahren in München, in denen der Stürmer vier Titel gewinnen konnte, wechselte er noch einmal in seine Heimat, die Niederlande. Mit Feyenoord konnte Makaay sogar noch einmal den Pokal gewinnen (2008), zudem führte er die Mannschaft in seiner letzten Saison in die Champions League. Auch ohne den großen Titel in Europa oder mit der Nationalmannschaft, für die er 43-mal auflief, durchlebte der mittlerweile 45-Jährige eine ereignisreiche und runde Karriere.

Roy Makaay: Die eiskalte Tormaschine

Doch was zeichnete Roy Makaay besonders aus? Es war weder eine bestimmte Art, wie er seine Tore erzielte, noch eine kurze Phase in seiner Karriere, in der er einen sehr guten Lauf hatte. Roy Makaay traf nahezu immer und überall – und es war ihm völlig egal, wie er das tat. Der Niederländer konnte mit links abschließen, mit rechts Tore erzielen, aus dem Lauf, aus dem Stand, im Dribbling, per Abstauber oder aus der Distanz. Makaay war ein guter Elfmeterschütze, konnte auch Freistöße schießen, traf per Kopfball, war quasi nicht aus dem Spiel zu nehmen.

Selbst wenn Roy Makaay 89 Minuten quasi unsichtbar blieb, konnte er in der 90. Minute zuschlagen. Er benötigte keine besondere Bindung zum Spiel, war nie ein Kombinationsspieler, sondern einfach da, wenn er gebraucht wurde. An der Linie zum Abseits bewegte sich der Stürmer geschickt, hatte ein gutes Gefühl für sich bietende Möglichkeiten und handelte in vielen Szenen instinktiv richtig.

 (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Dieser Spieler hat sich persönlich nie selbst in den Mittelpunkt gestellt, könnte sogar als wortkarg und wenig emotional beschrieben werden. Von außen zumindest. Er benötigte den Mittelpunkt und die ganz große mediale Aufmerksamkeit auch nicht. Makaay ging auf den Platz, suchte nach Möglichkeiten, erzielte Tore und fuhr wieder nach Hause. Zweifelsohne liebte er das, was er machte und beherrschte sein Handwerk enorm gut.

Auch neben dem Platz musste sich der Stürmer nicht in den Mittelpunkt stellen.  „Die Musik war okay, aber zum Fei­er­biest bin ich nicht geboren“, sagte er einst, angesprochen auf Partynächte im P1, das er nach eigener Aussage nur nach Titelfeiern mit dem FC Bayern besuchte. Und wenn das jemandem zuzutrauen ist, dann ihm.

Ajax-Knaller und das „10-Sekunden-Tor“

Eine jede Karriere ist natürlich auch geprägt von besonderen Momenten. Der Dreierpack gegen Bayern, der seine weitere Karriere maßgeblich ebnete, wurde – wie auch der Gewinn des „Goldenen Schuhs“ – bereits erwähnt. Darüber hinaus sind es nicht die Titel, die bei Roy Makaay in Erinnerung bleiben, es sind auch nicht die vielen Tore, die er nach Halbfeldflanken von Sagnol oder Lizarazu erzielte, nicht die 1-gegen-1-Situationen, in denen er kurz durchatmete und dem Torhüter keine Chance ließ. Es sind vor allem zwei ganz besondere Tore, die sofort kopfnickend vor dem geistigen Auge noch einmal durchgespielt werden.

Da wäre logischerweise das Tor in der Allianz Arena gegen Real Madrid in der Champions League 2007. Nach einer 2:3-Niederlage im Bernabeu war der FC Bayern im Rückspiel sofort wach. Hasan Salihamidzic nutzte einen technischen Fehler von Roberto Carlos (!), sprintete in Richtung Strafraum, spielte den Ball nach innen – genau in den Lauf von Roy Makaay. Der Niederländer schloss sofort ab, der Ball flog vorbei an Iker Casillas in das linke untere Eck und nach nur zehn Sekunden (!) ging der Rekordmeister in Führung. Das Spiel endete 2:1, Bayern zog in das Viertelfinale ein und Roy Makaay war der gefeierte Held in der Allianz Arena.

(Photo by Ralph Orlowski/Bongarts/Getty Images)

Ein anderes, ganz besonderes Tor erzielte der Niederländer noch im altehrwürdigen Olympiastadion. Und zwar im September 2004 gegen Ajax Amsterdam, einen Klub aus seiner Heimat. Nach guten Anfangsminuten deutete sich der Führungstreffer für den FC Bayern an -und sollte auch fallen. Hargreaves spielte einen langen Ball, Makaay löste sich geschickt, nahm den Ball technisch nicht einmal brillant, aber dennoch gut mit. Dann schaute er kurz hoch, vermittelte Torhüter Lobont das Gefühl, dass er es gar nicht versuchen müsse, zog ab – und traf den Ball perfekt. Der stramme Schuss landete im oberen Eck, Makaay ebnete mit diesem wichtigen Tor den Weg zum 4:0-Heimsieg. Er selbst legte noch zwei Tore nach, fuhr anschließend nach getaner Arbeit nach Hause. Ein ganz normaler Tag im Leben des Roy Makaay.

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(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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