Passt Tedesco zu RB Leipzig? Fragen und Antworten zur Verpflichtung

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Domenico Tedesco ist neuer Trainer von RB Leipzig. Der Ex-Coach von Schalke 04 und Spartak Moskau unterschrieb einen Vertrag bis zum Sommer 2023. Damit ist die Nachfolge von Jesse Marsch schnell geregelt. Doch was kommt jetzt auf Tedesco zu und wie passt er zu Klub und Mannschaft?

Die Nachfolgesuche ist beendet. Domenico Tedesco (36) beerbt Jesse Marsch (48) als Trainer von RB Leipzig. Am Donnerstag stellte sich der neue Übungsleiter vor, der die Mannschaft wieder in die oberen Regionen der Tabelle führen soll. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

War Tedesco der Wunschkandidat bei RB Leipzig?

Die Frage, ob der neue Trainer der absolute Wunschkandidat war, lässt sich schwer beantworten. RB Leipzig dürfte nicht nur mit einem Trainer gesprochen haben. Der Kicker berichtete kürzlich, dass Roger Schmidt (54) von der PSV Eindhoven der heißeste Kandidat sei, allerdings erfüllt dieser seinen Vertrag beim Klub aus den Niederlanden. Schmidt, früher bei Bayer Leverkusen an der Seitenlinie, stand also nicht zur Verfügung. Der Name Tedesco geisterte schon vorher durch die Medien,  wird den Verantwortlichen also nicht spontan nach der Absage von Schmidt eingefallen sein.

Es ist normal, dass sich Klubs mit mehreren Kandidaten beschäftigen. Schmidt hätte, wenn er bereit gewesen wäre, sofort zu wechseln, auch erst noch Gesprächsrunden mit der Vereinsführung absolvieren müssen, um alle von sich zu überzeugen. Genauso lief es auch bei Tedesco. Oliver Mintzlaff (46), der Vorsitzende der Geschäftsführung, musste sich zuletzt zwar einiges an Kritik gefallen lassen, dass er hier aber nicht einen Plan A-C hatte, darf angezweifelt werden. Nicht umsonst hieß es zunächst, dass sich der Klub bis zum Rückrundenstart Zeit lassen wolle. Dass das nicht der Fall war, ist Tedesco selbst zu verdanken.

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Wie gut passt Tedesco zu RB Leipzig?

Da wären wir nämlich schon beim nächsten, entscheidenden Punkt. Im Rahmen der Pressekonferenz wurde hervorgehoben, dass Tedesco mit seiner analytischen Art überzeugt habe. In den Gesprächen hat der neue Übungsleiter die aktuelle Situation detailliert und wohl auch derart zutreffend analysiert, dass die Verantwortlichen schnell ein gutes Gefühl hatten. Der neue Chefcoach bringt viele Eigenschaften mit, die im „RB-Kosmos“ von Bedeutung sein können. Er ist sachlich, ruhig, aber auch intelligent und jung. In diesem Punkt passt er zu einer Mannschaft mit vielen Talenten.

Tedesco

(Photo by Epsilon/Getty Images)

Das alleine sagt noch nicht aus, ob ein Trainer gut zu einer Mannschaft passt. Aber der erste Eindruck auf der Pressekonferenz war ein harmonischer, beide Parteien schwärmten voneinander. So sagte Mintzlaff über Tedesco: „Wir haben uns überlegt, welcher Trainer zu uns passt und der diese tolle Mannschaft auch wieder in die Erfolgsspur führen kann. In den guten und intensiven Gesprächen haben wir gespürt, dass wir jemanden haben, der extrem überzeugt ist von diesem Kader.“ Auf den ersten Blick scheinen sich hier zwei Parteien gesucht und gefunden zu haben. Allerdings sei gesagt: Kein Verantwortlicher äußert sich bei der Pressekonferenz in irgendeiner Form skeptisch über den neuen Trainer.

Welchen Fußball lässt der neue Trainer spielen?

Das ist der entscheidende Punkt, der noch Fragen aufwirft. Tedesco hat mit dem FC Schalke 04 die Vizemeisterschaft eingefahren, dabei aber keinen Champagnerfußball spielen lassen. In der Folgesaison gab es eine Negativspirale, trotz des Einzuges in das Achtelfinale der Champions League. Vielen blieb vor allem diese Phase in Erinnerung. Danach, bei Spartak Moskau, ließ Tedesco mit einer höheren Pressinglinie als zuvor spielen, hatte mit seiner Mannschaft viele Ballbesitzmomente. Er kann sich also anpassen, seine Ausrichtung an das vorhandene Spielmaterial angleichen. Und bei RB Leipzig hat er viele technisch versierte Spieler, kann eine Mischung aus Pressing, Balljagd und Kontrolle aufbieten.

Viel zitiert wird die „RB-DNA“ bei der Suche nach einem neuen Trainer. So auch, als der Name Schmidt fiel. Doch genau hier wird es interessant. Ist dieser Kader überhaupt noch darauf ausgerichtet, einen „radikalen RB-Stil“ zu spielen? In vielen Spielen unter Marsch war zu erkennen, dass das Spiel für Leipzig, wenn es sehr hoch presste, oft zu hektisch wurde und ein offener Schlagabtausch mindestens zu mittelgroßen Problemen führte. Ist es also nicht deutlich mehr erstrebenswert, einen Cheftrainer zu holen, der sich – eben wie Tedesco – anpassen kann und trotzdem Elemente des typischen RB-Fußballs in seinen Vorstellungen hat?

Tedesco, das wurde auf der Pressekonferenz deutlich, hat viel nachgedacht und viel gelernt. Schalke 04 war ein spannendes Kapitel, aber eines, in dem für einen jungen Trainer einiges zu schnell zu viel wurde.

Es kann nicht zu 100 % gesagt werden, ob es mit dem neuen Trainer bei RB Leipzig funktioniert oder nicht, dafür spielen zu viele Faktoren eine Rolle. Die Entscheidung, das kann man nach den Worten der Verantwortlichen und nach genauerer Betrachtung der Karriere von Tedesco in jedem Fall sagen, könnte sich in der Zukunft noch als klug erweisen.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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