Jamal Musiala war bester Laune. Ob im Mannschaftstraining, bei den Passübungen mit Kumpel und Leidensgenosse Alphonso Davies oder bei der anschließenden Autogrammstunde: Mit Mütze, Handschuhen und breitem Grinsen machte der Zauberfuß des FC Bayern beim öffentlichen Training an der Säbener Straße die nächsten Schritte auf seinem steinigen Weg zur Topform. Die Hoffnungen auf ein nahes Comeback sind groß – doch die Zeit drängt.
Sechs Wochen sind es nur noch, bis Bundestrainer Julian Nagelsmann seinen WM-Kader bekannt gibt, rund acht Wochen bis zum Start der Vorbereitung auf das Turnier in den USA, Mexiko und Kanada (11. Juni bis 19. Juli). Und Musiala ist auch jetzt, rund neun Monate nach seiner Horror-Verletzung, noch immer nicht topfit. „Er hat“, stellte Nagelsmann zuletzt schon fest, „nicht mehr so viel Zeit, das steht außer Frage“.
Dennoch ist auch beim Bundestrainer die Hoffnung „groß“, dass Musiala pünktlich zum ersten WM-Gruppenspiel am 14. Juni gegen Curacao in Houston in Topform sein wird. Doch dafür braucht der 23-Jährige – das Ausbleiben von etwaigen Rückschlägen mal ausgeschlossen – vor allem eines: Spielpraxis. Und das, ausgerechnet, in der wichtigsten Saisonphase der Bayern.
Musiala muss noch Geduld haben
Schon jetzt dreht sich beim Rekordmeister alles um das Giganten-Duell in der Champions League mit Real Madrid (7. und 15. April), hinzu kommt im April das Halbfinale im DFB-Pokal bei Bayer Leverkusen. Derzeit scheint kaum denkbar, dass Musiala nach seiner jüngsten Zwangspause aufgrund von Problemen an seinem verletzten Sprunggelenk in diesen Partien eine tragende Rolle spielen wird.

Und so wird sich Musialas Blick inmitten dieser für die Bayern so richtungsweisenden Wochen wohl vor allem auf die Bundesliga richten. Angesichts des weiter komfortablen Vorsprungs auf Borussia Dortmund kann es sich Trainer Vincent Kompany erlauben, in der Liga stärker zu rotieren. Eine Chance für Musiala, der vor dem jüngsten Rückschlag Mitte März schon wieder aufsteigende Form bewiesen hatte, wieder auf sein Topniveau zu kommen.
Musiala sei jedenfalls „auf einem richtig guten Weg“, beschwichtigte Sportdirektor Christoph Freund zuletzt bereits: „Er ist stabil und freut sich auf die nächsten zwei, drei Monate.“ Druck will dem Nationalspieler niemand machen – weder bei den Bayern, noch beim DFB. Dafür, das betonten beide Seiten immer wieder, sei Musiala auch für die mittel- und langfristige Zukunft zu wichtig.
Und dennoch: „Wir würden uns alle unglaublich freuen, wenn er fit wird, schnell wieder da ist und die WM spielen kann“, sagte Nagelsmann nach den erfolgreichen Testspielen gegen die Schweiz (4:3) und Ghana (2:1). „Aber er muss einfach hundert Prozent gesund sein. Wenn er einigermaßen in der Spur ist, gibt es wenige Trainer auf der Welt, die auf ihn verzichten.“

