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FC Union im freien Fall: Hat man den Ernst der Lage begriffen?

21. April 2024 | Spotlight | BY Manuel Behlert

Der FC Union aus Berlin hat am Samstagabend ein Fußballspiel zuhause gegen den FC Bayern verloren. Soweit, so normal. Sorgen macht eher die Art und Weise der Niederlage sowie einige Begleitumstände. Union ist aktuell eines der Krisenteams der Bundesliga. Und sollte das langsam aber sicher auch verstehen. 

Union im freien Fall: Die Krise ist real

Schaut man derzeit auf die Tabelle der Bundesliga und vor allem auf die letzten Ergebnisse, dann gehört Union Berlin definitiv zu den formschwächsten Teams der Liga. Nur Bremen und Bochum haben aus ihren letzten fünf Spielen wenige Punkte geholt als die Köpenicker (4), die letzten drei Duelle hat Union allesamt verloren und das mit einem Torverhältnis von 1:8. „Es geht um alles, es geht um die Existenz. Das muss in die Köpfe, dass wir im Abstiegskampf sind“, mahnte Trainer Nenad Bjelica schon nach der Niederlage gegen den FC Augsburg.



Kritisch ist die Situation derzeit allemal. Vor den heutigen Sonntagsspielen sind es nur noch drei Punkte auf den Relegationsplatz. Dort steht derzeit Mainz 05, das die Köpenicker mit einem Sieg in Freiburg sogar überholen kann. Davon ausgehend, dass der Elf von Trainer Bo Henriksen dies gelingt, stünde Union vier Spieltage vor dem Ende auf Platz 15. Zwei Punkte würden die Eisernen dann von Platz 16 trennen, die Lage ist mehr als nur bedrohlich. Eine Reaktion muss her, die Krise ist real, zumal Union die zweitschlechteste Offensive aller Teams in der Liga hat – und die viertschlechteste Tordifferenz. 

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Haben alle bei Union die Situation begriffen?

Doch zurück zum mahnenden Bjelica. Der war nach dem Augsburg-Spiel noch nicht fertig mit seiner Brandrede: „Wir sind dick im Abstiegskampf, wer das nicht versteht, hat nichts verloren bei Union!“ Schaut man nun auf das Spiel gegen den FC Bayern, dann muss man sich zweifelsohne die Frage stellen, wer überhaupt begriffen hat, wie dramatisch die Lage ist. In den ersten 30 Minuten konnten die Köpenicker mit einer kompakten Ausrichtung und Nadelstichen noch ordentlich mithalten, danach war aber nicht mehr viel mit Abstiegs- und Überlebenskampf. Im Gegenteil: Ein ersatzgeschwächter Rekordmeister musste nicht einmal an das eigene Limit gehen, um zu einfachen Torerfolgen und Torchancen zu kommen. 

Union Bayern

(Photo by JOHN MACDOUGALL/AFP via Getty Images)

Gegenwehr in der zweiten Halbzeit? Kaum vorhanden. Die Räume waren zu groß, eine Offensividee gab es nicht. Bezeichnend: Die besten zwei Minuten von Union waren rund um die 90. Minute, als es 0:5 stand. Und noch etwas war bezeichnend an der Alten Försterei. Es gab nach dem Spiel zwar viel aufmunternde Gesänge und Unterstützung von den Rängen, aber auch Pfiffe. Und das nicht nur vereinzelt. Und warum? Nicht, weil Union deutlich gegen Bayern verloren hat, das kann passieren. Sondern, weil Union SO gegen den FC Bayern verloren hat. Die Köpenicker haben sich wehrlos das Torverhältnis weiter zerstört, haben in einem Spiel, in dem sie über den Einsatz und die Physis kommen müssen, 23 (!) Zweikämpfe weniger für sich entschieden als der Gegner. 

Das ist der Punkt, der absolut inakzeptabel ist. Es fehlte einfach die Grundtugend Nummer eins im Abstiegskampf. Die „witzigen“ Tweets des Social-Media-Teams („In der Nachspielzeit sind sie fällig“ bei 0:5) fanden auch nur die wenigsten Fans lustig. Bjelica kann momentan warnen und warnen und warnen, aber eine Reaktion folgte bisher nicht. Was Hoffnung macht, ist der Spielplan. Gladbach auswärts ist eine Wundertüte. Dann gibt es zwei direkte Abstiegsduelle gegen Bochum und Köln, ehe Freiburg am letzten Spieltag an der Alten Försterei vorbeischaut. Sie haben alles in der eigenen Hand. Müssen aber zumindest das begreifen. 

(Photo by JOHN MACDOUGALL/AFP via Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.


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