Wer soll beim FC Augsburg eigentlich Tore schießen?

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Der FC Augsburg startet mit einem herben Dämpfer in die Saison. Gegen den SC Freiburg verlor man mit 0:4. Grund dafür war auch die katzenbabyhafte Offensive der Augsburger. Die drängende Frage der kommende Saison: Wer soll beim FC Augsburg Tore schießen? 

Der FC Augsburg sei Abstiegskandidat Nummer eins, orakelte die graue Eminenz des deutsche Fußballs Felix Magath vor der Saison. Innerhalb des Klubs war die Stimmung eine andere. Enrico Maaßen (38), der von der U23 von Borussia Dortmund zum FC Augsburg gewechselt ist, entfachte eine gewisse Euphorie. Denn Maaßen gilt als einer der talentierten Trainer der Bundesliga. Einer, der Dinge neu denkt, einer, der innovativ ist.

Die Maaßen-Euphorie währte nicht lange. Mit dem SC Freiburg wartete gleich am ersten Spieltag ein harter Test auf die Augsburger, an dem sie ihre eigenen Grenzen aufgezeigt bekamen. 0:4 endete das erste Bundesligaspiel von Maaßen. „Nach einer guten erste Halbzeit“, wie Maaßen befand, ging es dahin. Auch, weil Christian Streich die etwas eigenwillige Taktik der Augsburger mit Anpassungen in der Halbzeit knackte. Über den gesamten Platz verteidigte das Team von Maaßen Mann gegen Mann und stellte damit die Freiburger vor Probleme. Aber: Das Team von Christian Streich war geduldig genug, die zweikampfintensive Spielweise der Augsburger zu bespielen und nicht in Panik zu verfallen. Denn Offensiv ging kaum Gefahr von Augsburg aus.

Ausgerechnet Gregoritsch

Auch, weil mit Michael Gregoritsch (28) der Stürmer den Verein vor der Saison verlassen hatte, der mit den vielversprechendsten Anlagen gesegnet ist. Sein Potential schöpfte er in den letzten Jahren beim FC Augsburg zwar nur selten aus (neun Tore erzielte er in der vergangenen Saison), sein Fehlen war trotzdem gegenwärtig. Denn Gregoritsch wechselte (ausgerechnet) zum SC Freiburg und zeigte gegen seinen ehemaligen Verein, wozu er an einem guten Tag im Stande ist. Der Österreicher erzielte ein Tor und bereitete eins vor. Er war umtriebig und sorgte mit cleveren Bewegungen immer wieder für Zuordnungsprobleme bei den Augsburgern. Er kreierte drei Torchancen und gewann 13 Kopfballduelle, während das gesamte Augsburger Team nur 18 gewann.

Klar, nicht jede Woche wird Gregoritsch eine solche Leistung bringen, trotzdem drängt sich die Frage auf, ob die Augsburger den Offensivspieler ersetzen können, ob sie in der kommenden Saison genug Durchschlagskraft haben werden – und Felix Magath damit eines besseren belehren können. Derjenige, auf dem die größten Hoffnungen liegen, kam vom SC Freiburg und heißt Ermedin Demirovic (24). Aus der Jugend von RB Leipzig fand er über Umwege zum FC St. Gallen und erzielte in 28 Spielen 14 Tore und bereitete sieben weitere vor, bevor der SC Freiburg den Stürmer im Sommer 2020 verpflichtete. Nach einer guten Saison (5 Tore, 10 Vorlagen), spielte er in der vergangenen Spielzeit weniger und kam nur auf zwei Tore und drei Vorlagen. Vor der laufenden Saison wechselte er ablösefrei zum FC Augsburg. Der Glaube an sein Potential war der Hauptgrund für die Verpflichtung.

(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Im ersten Spiel nun, ausgerechnet gegen seinen ehemaligen Verein, blieb Demirovic aber blass. Er schoss kein einziges Mal auf das gegnerische Tor, spielte im gesamten Spiel nur 15 Pässe, von denen er nur jeden dritten zu einem Mitspieler brachte. Er war kaum eingebunden in das Spiel der Augsburger und wurde in der 57. Spielminute ausgewechselt, ohne sein Potential nur ein einziges Mal aufblitzen zu lassen.

Neben Demirovic stürmte der ewige André Hahn (31), der arbeitet und kämpft, Tempo mitbringt aber in seinen vielen Jahren in der Bundesliga noch nie ein Unterschiedsspieler war. Gleiches gilt für Florian Niederlechner (31), der für Demirovic eingewechselt wurde.

Pepi wird die Augsburger (noch) nicht retten

Blickt man auf den Kader des FC Augsburg, dann klafft im Sturm ein Loch, von dem noch unklar ist, wer es schließen soll. Einer, um dessen Verpflichtung im Winter ein regelrechter Hype ausgebrochen war, ist Ricardo Pepi (19). Über 15 Millionen Euro bezahlte Augsburg für den US-Amerikaner (Rekordtransfer des Klubs), der in 31 Saisonspielen in der MLS 13 Tore erzielte und in den amerikanischen Medien zu einem der größten Talente des Landes hochstilisiert wurde. Seitdem er in der Bundesliga spielt, blieb Pepi aber blass. Elfmal stand er in der Bundesligarückrunde auf dem Platz, meist waren es nur Kurzeinsätze. Auf eine Torbeteiligung wartet er noch immer. Pepi, das ist wohl nicht zu viel gesagt, hatte beim FC Augsburg bisher noch keinen positiven Einfluss. Allerdings ist Pepi erst 19 Jahre alt. Er wurde für die Zukunft verpflichtet. Ihm sollte Zeit gegeben, die Erwartungen nicht zu hoch gehängt werden. Eine Antwort, auf die akuten Offensivprobleme der Augsburger ist auch er nicht. Noch nicht.

Die Lösung liegt wohl außerhalb des Kaders der Augsburger. Wie der „Kicker“ berichtet, sind noch weitere Neuzugänge geplant, auch wenn die Geldreserven des Klubs sehr begrenzt sind. „Wir gucken nach links und rechts. Es muss jemand sein, der uns besser macht und finanzierbar ist. Wenn das möglich ist, werden wir schon noch was machen“, bestätige Maaßen den Bericht am Samstag. Ob auch ein Neuzugang für die Offensive geplant ist, dazu äußerte sich Maaßen nicht. Um Felix Magaths Prognose zu trotzen, wäre ein neuer Stürmer aber ratsam. Aber nach den Pepi-Millionen auch finanzierbar?

(Photo by Sebastian Widmann/Getty Images)

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