Werder Bremen | Baumann: Ich bin keiner, der auf seinem Posten klebt“

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News | Werder Bremen stieg gestern erstmals seit sagenhaften 41 Jahren aus der Bundesliga ab. In der Kritik steht Sportchef Frank Baumann, der mit einigen unglücklichen Entscheidungen keinen kleinen Anteil besaß.

Baumann: „Eine Idee von Kohfeldt, das Pokalspiel gegen Leipzig zum Endspiel auszurufen“

Der SV Werder Bremen fiel gestern auf dramatische Art und Weise vom Relegationsplatz auf einen direkten Abstiegsplatz zurück. Während die Hansestädter ihr Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach mit 2:4 verloren, zog der 1.FC Köln durch einen mühevollen Heimerfolg über Schalke vorbei und besiegelte ihren Abstieg. Nach 41 Spielzeiten musste der einst so erfolgreiche Traditionsverein den Gang ins Unterhaus antreten. Geschäftsführer Sport Frank Baumann (45) stand dennoch „nach einer  natürlich sehr kurzen Nacht“ am Sonntagmorgen im Sport1-Fußballtalk „Doppelpass“ Rede und Antwort. Er sprach von einer „großen Enttäuschung“ sowie „großer Traurigkeit“, die es zu verarbeiten gelte. „Das war gestern eine sehr enttäuschende Leistung, das muss man festhalten. Wir haben uns das natürlich anders erhofft.“

 

Der Versuch, die Trendwende durch den Trainerwechsel von Florian Kohfeldt (38) hin zu Vereinslegende Thomas Schaaf (60) zu schaffen, scheiterte. Baumann erläuterte das Prozedere der Entscheidung, die bereits einige Wochen eher hätte vollzogen werden können: „Es ist eine sehr hypothetische Frage, ob ein Trainerwechsel früher Sinn gemacht hätte. Wir standen am 24.Spieltag elf Punkte vor den Abstiegsplätzen, haben dann gegen drei Top-Teams verloren, eine sehr unglückliche Niederlage in Stuttgart, ehe wir mit null Punkten aus der englischen Woche gingen. Dann haben wir uns mit einem Trainerwechsel auseinandergesetzt.“ Es sei eine Idee von Kohfeldt gewesen, das Pokalspiel gegen Leipzig zum „Endspiel“ auszurufen. Der Plan ging auf, da Werder eine sehr gute Leistung gegen Leipzig bot und anschließend gegen Leverkusen (0:0) ergatterte.

Trainerwechsel nach der Augsburg-Pleite war unumgänglich

Letztlich habe er nach dem „desolaten Auftritt“ in Augsburg keine Wahl gehabt: „Wir mussten handeln, auch wenn der Zeitpunkt sehr, sehr ungewöhnlich war.“ Der erhoffte Impuls durch Schaaf sei am Samstagnachmittag aber bereits nach drei Minuten „verpufft“, als der SVW gegen Mönchengladbach in Rückstand geriet. Baumann wies zudem auf die Riesenchance von Davie Selke (26) hin, der den zwischenzeitlichen Ausgleich hätte herstellen müssen: „Wir haben eine 100-prozentige Torchance nicht genutzt, die das Spiel in eine andere Richtung hätte laufen lassen können. Das ist besonders schlimm, wenn man acht, neun Spiele schon nicht mehr gewonnen hat.“ In der Anfangsphase des zweiten Abschnitt setzten die Gäste die letztlich entscheidenden Nadelstiche und lagen uneinholbar vorn.

Durch den nun feststehenden Abstieg rückt natürlich auch der Sportchef in den Fokus der Kritiker. Baumann ist sich dem bewusst und betonte: „Die Frage nach Fehleinschätzungen stelle ich mir ständig, die habe ich mir auch in den sehr guten Jahren gestellt. Das war aber letztes Jahr nach der schlechten Saison so und dies Jahr natürlich auch. Die Entscheidungen, die wir getroffen haben, haben wir sehr sorgfältig vorbereitet und es gab sehr gute Argumente so zu entscheiden, wie wir entschieden haben.“ Dennoch sei er niemand, der „auf seinem Posten klebt. Wenn der Aufsichtsrat auf mich zukommt und eine Veränderung auf meiner Position anstrebt, werden wir eine sehr gute Lösung finden.“

Baumann will Werder erhalten bleiben und denkt schon an den Neuaufbau

Freiwillig wird er seinen Posten aber nicht räumen: „Ich bin überzeugt davon, dass ich der richtige Mann für Werder Bremen bin.“ Dabei deutete Baumann auf das Jahr 2016 hin, als er ebenfalls eine schwierige Situation vorfand: „Da haben wir gezeigt, dass wir was aufbauen können.“ Ähnliches traut er sich auch diesmal zu: „Ich bin überzeugt, dass wir hier die richtigen Lösungen finden, um einen konkurrenzfähigen Kader zusammenzustellen.“ Der Umbruch dürfte keineswegs klar ausfallen: „Wir haben alle Vorkehrungen getroffen, die man treffen kann, für den Abstiegsfall. Die Spielerverträge gelten alle für die 2.Liga. Natürlich wird es einige Abgänge geben, wahrscheinlich auch zwei-drei mehr, als es im letzten Jahr der Fall gewesen wäre.“

Alleine durch die „40 Millionen Euro Mindereinnahmen durch die Pandemie“ sei die wirtschaftliche Situation „dramatisch“, weshalb der SVW in der laufenden Spielzeit auf die Verpflichtungen zweier Mittelfeldspieler „mit gewisser Qualität und Erfahrung“ verzichtete. „Dieses sportliche Risiko mussten wir eingehen“, so Baumann. Nun müsse der Kader auf die 2.Liga ausgerichtet werden. Die vielen Veränderungen spiegeln sich auch auf der Trainerposition wider. Sie sei die „dringendste Aufgabe.“ Der Geschäftsführer Sport erklärte: „Wir haben sehr klare Ideen, für welchen Fußball wir stehen wollen. Natürlich wollen wir attraktiveren und erfolgreichen Fußball bieten, junge, hungrige Spieler integrieren, um diese weiter zu entwickeln. Wir wollen jemanden, der Lust hat aus wenig viel zu machen. Nach diesem Profil erkunden wir den Trainermarkt.“ Namen nannte er allerdings noch nicht.

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(Photo: nordphoto GmbH/gumzmedia)

Yannick Lassmann

Rafael van der Vaart begeisterte ihn für den HSV. Durchlebte wenig Höhen sowie zahlreiche Tiefen mit seinem Verein und lernte den internationalen Fußball lieben. Dem VAR steht er mit tiefer Abneigung gegenüber. Seit 2021 bei 90Plus.

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