Eine durchaus alarmierende Bestandsaufnahme des deutschen Fußballs hat auf der Spobis Conference in Hamburg ein deutliches Urteil hervorgebracht.
Eintracht Frankfurts Sportvorstand Markus Krösche wählte in einem Talk über die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland klare und schonungslose Worte. Dabei lieferte er den inhaltlichen Kern einer Debatte, die derzeit auch auf Verbandsebene geführt wird.
„Um das Thema auf den Punkt zu bringen: Wir bilden einfach zu schlecht aus“, stellte Krösche klar. „Die Spieler sind nicht gut genug, das muss man ganz ehrlich so sagen.“ Er ließ ein Beispiel aus der Frankfurt Kaderplanung folgen: „Wenn es um deutsche Spieler geht, die zu unseren Ambitionen passen, dann wird es extrem dünn.“
Selbst in der 2. Liga kämen nur wenige junge deutsche Akteure zum Zug. Das habe einen simplen Grund, wie Krösche betonte: „Wir haben einfach zu schlecht ausgebildet in den letzten Jahren. Kein Verein würde junge Deutsche nicht spielen lassen, wenn sie gut genug wären.“
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Khedira schließt sich Krösche-Kritik an
Diese Analyse deckt sich mit Zahlen, die erst unlängst von Sport Bild veröffentlicht wurden. In der Bundesliga entfallen demnach rund 85 Prozent der Spielminuten auf eingekaufte Spieler. Selbst ausgebildete Talente kommen lediglich auf 2,4 Prozent. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland damit klar hinter England, Spanien oder Frankreich zurück.
Vor diesem Hintergrund arbeitet eine achtköpfige Expertengruppe – unter anderem mit Weltmeister Sami Khedira und Ex-Trainer Jürgen Klopp – an strukturellen Reformen. Ein zentrales Ergebnis ist die geplante Einführung einer nationalen U21-Liga ab der Saison 2026/27, die gezielt Einsatzzeiten für Talente schaffen soll.
Khedira untermauerte Krösches Generalkritik derweil mit konkreten Beispielen. Der Ex-Profi und TV-Experte bezog sich auf die DFB-Talente Said El Mala und Alekasandar Pavlovic sowie auf Kenan Yildiz, der in Regensburg geboren ist, mittlerweile jedoch für die Türkei aufläuft. „Alle diese Spieler haben eines gemeinsam: Sie sind nicht über das System Fußball nach oben gekommen, sondern durch den Zufall“, kritisierte Khedira.
El Mala sei zu Jugendzeiten bei Borussia Mönchengladbach aussortiert worden, „weil er zu klein und zu schmächtig war“. Pavlovic habe beim FC Bayern mehrfach vor dem Aus gestanden, ehe ihm ein U19-Trainer vertraute. „Thomas Tuchel fand ihn dann toll, jetzt ist er einer der besten deutschen Mittelfeldspieler.“ Yildiz wiederum galt in München als „zu schwach und zu verletzungsanfällig“, ehe es ihn zu Juventus zog.
Khediras abschließendes Fazit passt zur Stoßrichtung der aktuellen Reformpläne: „Wir haben tolle Talente, aber wir müssen sie richtig einsetzen.“ Die geplante U21-Liga soll dafür einen Teil des strukturellen Rahmens liefern.

