Kontrolle und Nadelstiche: So besiegte der BVB die AC Milan im San Siro

29. November 2023 | Spotlight | BY Lea Selin Thomas

Der BVB trat am fünften Gruppenspieltag der UEFA Champions League das Rückspiel gegen die AC Milan an. Nachdem das Hinspiel in Dortmund mit einem 0:0 endete, feierte das Team von Trainer Edin Terzić im San Siro einen klaren 3:1-Erfolg gegen die Rossoneri. Damit führt der BVB die Gruppe F weiterhin an und zieht verdient vorzeitig ins Achtelfinale der Königsklasse ein. 

Reus mit der Führung vom Punkt, Chukwueze kontert: BVB lässt Chancen ungenutzt

Gastgeber Milan operierte wie üblich in einem asymmetrischen 4-2-3-1, in dem sich Christian Pulisic zwischen den Linien auf halblinker Position bewegte und den linken Flügel dem offensiven Außenverteidiger Theo Hernández überließ. Auch der BVB setzte auf ein 4-2-3-1, mit klaren Staffelungen: Jamie Bynoe-Gittens (links) und Donyell Malen besetzten die Flügel, Marco Reus rückte ins Zentrum.



Zu Beginn der Partie überließ der BVB den Rossoneri den Ball, agierte selbst eher abwartend. Demnach war es nicht überraschend, dass Milan sich früh die erste gute Chance erspielen konnte – Olivier Giroud verpasste allerdings knapp. Der nächste Schock für die Borussia ließ nicht lange auf sich warten: Weil Nico Schlotterbeck einen Schuss von Samuel Chukwueze mit dem Ellenbogen abwehrte, entschied der Unparteiische auf Handelfmeter.

Giroud trat an, doch Gregor Kobel entschied sich für die richtige Ecke und parierte den Schuss des Franzosen. Trotzdem wirkte der BVB zunächst weiterhin unterlegen, bis Bynoe-Gittens sich nach vorne durchtankte und von Davide Calabria regelwidrig gestoppt wurde – nun gab es Elfmeter für die Borussia. Reus übernahm die Verantwortung und verwandelte souverän zum 0:1. Milan zeigte sich davon durchaus beeindruckt, während Dortmund von der Führung profitierte und sichtlich mutiger wurde.

Der BVB wurde zumeist über die linke Angriffsseite gefährlich, wie beispielsweise eine Szene aus der 19. Spielminute verdeutlicht: Bynoe-Gittens – einer der auffälligsten Akteure in Schwarzgelb – marschierte bis zur Grundlinie, suchte dann das Eins-gegen-Eins gegen Calabria, setzte sich gegen den Milan-Kapitän durch und schoss schließlich aus acht Metern halblinker Position knapp über das Tor von Mike Maignan.

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(Photo by MARCO BERTORELLO/AFP via Getty Images)

In der Folge erarbeitete sich die Terzić-Elf vermehrt gute Offensiv- und Abschlusssituationen, eine gute Möglichkeit von Julian Ryerson etwa wurde in der 28. Minute geblockt. Generell spielte der BVB sehr kontrolliert, setzte immer wieder offensive Nadelstiche. Die ungenutzten Chancen fielen den Borussen schließlich auf die Füße: Weil Bensebaini und Bynoe-Gittens schludrig verteidigten, entwischte Chukwueze und traf zum Ausgleich ins lange Ecke.

Das Gegentor hatte sich zuvor nicht angedeutet und war für die Schwarzgelben somit doppelt ärgerlich. Nach einer mageren Anfangsphase und besonders nach dem Führungstreffer durch Reus hatten die Gäste mehr und mehr die Kontrolle übernommen und das Spiel dominiert, während Milan deutlich gehemmt wirkte und große Probleme hatte. Dummerweise präsentierte sich der BVB im letzten Drittel oft noch zu ungenau.

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Milans Druckphase währt nur kurz: Terzićs BVB setzt sich durch und macht das Achtelfinale klar

Auf die Halbzeitpause folgte eine Druckphase der Rossoneri, die überwiegend über ihre rechte Seite gefährlich wurden. Eine besonders starke Leistung zeigte dabei Altmeister Mats Hummels, der viele wichtige Zweikämpfe gewann und die Dortmunder Abwehr, die auf links einige Löcher offenbarte, weitestgehend zusammenhielt.

Milan musste kurz nach Wiederanpfiff einen herben Rückschlag einstecken – für Malick Thiaw ging es nach einer Verletzung nicht mehr weiter. Der Verlust des Innenverteidigers wirkte sich prompt auf das Spiel der Hausherren aus, deren Offensivdrang nach seiner Auswechslung schnell wieder nachließ. Die Dortmunder machten sich die geschwächte Defensive des Gegners zunutze und wieder spielte Bynoe-Gittens eine entscheidende Rolle:

Reus und Niclas Füllkrug bereiteten auf der halbrechten Seite vor und Sabitzer legte im Strafraum quer zum Engländer, der aus 14 Metern eiskalt blieb und zum 2:1 einnetzte. Der BVB schien nun aufzuholen, was man in der ersten Hälfte häufig versäumt hatte – im zweiten Durchgang wurden die Chancen besser wesentlich besser ausgespielt.

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(Photo by MARCO BERTORELLO/AFP via Getty Images)

Die Situation, welche zum 3:1 aus Sicht der Dortmunder führte, markiert ein gutes Beispiel dafür: Füllkrug machte einen langen Ball aus der Abwehr tief in der gegnerischen Hälfte fest und leitete anschließend weiter auf Reus, der wiederum das Auge für den eingewechselten Karim Adeyemi hatte. Aus exakt 16 Metern zog Letzterer wuchtig ab, Milan-Keeper Maignan konnte nicht entscheidend parieren und kam im zweiten Versuch erst hinter der Linie an den Ball – da war es allerdings schon zu spät.

Was dem BVB möglicherweise auch in die Karten spielte: Aufgrund der äußerst prekären personellen Situation konnte Milan nicht aus den Vollen schöpfen, wie etwa die Einwechslung des 18-jährigen Youngsters Chaka Traorè untermauerte, der bisher nicht einmal in der Serie A debütiert hat.

Dessen ungeachtet lieferten die Borussen an diesem Abend die stärkere Performance ab. Gegen Ende gab es dann viele Chancen auf beiden Seiten. Milan hätte durchaus nochmal rankommen können, aber Füllkrug hätte genauso gut mehrfach auf 4:1 erhöhen können. Der finale 3:1-Erfolg für die Terzić-Elf war im Großen und Ganzen hochverdient, ebenso wie der damit verbundene, vorzeitige Einzug ins Champions-League-Achtelfinale.

(Photo by Marco Luzzani/Getty Images)

Lea Selin Thomas

Lebt die Rivalität zwischen den Mailänder Klubs und trägt die rot-schwarzen Farben. Bedauert sehr, dass sie die sportliche Blütezeit der Rossoneri um ein paar Jahre verpasst hat.


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