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Showdown in der Champions League: BVB und FC Bayern träumen von Wembley

7. Mai 2024 | Spotlight | BY Till Gabriel

Entscheidende Tage in der UEFA Champions League: Die Halbfinalrückspiele stehen bevor und zwei deutsche Mannschaften träumen vom Endspiel im Wembley. Wer reist nach London und für wen endet das Rennen um den Henkelpott?

Champions League: Verabschiedet sich Reus mit dem großen Coup?

Wiederholt sich am 1. Juni ein Stück deutscher Fußballgeschichte? 2013 standen sich der FC Bayern und Borussia Dortmund im Wembley gegenüber, die Münchner gewannen dank Arjen Robbens Lucky Punch den Henkelpott und verabschiedeten Jupp Heynckes mit dem Triple. Auch in diesem Jahr steigt das Finale der Champions League im Londoner Fußballtempel und sowohl der FCB als auch der BVB haben vor ihren Halbfinalrückspielen noch alle Chancen auf den Finaleinzug. Während Dortmund mit einem Vorsprung bei PSG antritt, muss der Rekordmeister Real Madrid im Bernabéu besiegen.



Wer Borussia Dortmund in dieser Saison nur aus der Bundesliga kennt, wird sich fragen, wie diese Mannschaft als Favorit ins Rückspiel eines Champions-League-Halbfinals gehen kann. Doch so wechselhaft die Leistungen im Ligaalltag waren, so regelmäßig war der BVB in den großen Duellen der Königsklasse in Top-Form. Nach einem verdienten 1:0-Sieg vor einer Woche hat die Mannschaft von Edin Terzic im Rückspiel gegen PSG beste Karten, erstmals seit 2013 wieder ins Finale der Champions League einzuziehen.

Die Leistungssteigerung im Europapokal lässt sich auch an einzelnen Spielern festmachen. Karim Adeyemi stand über weite Teile der Saison völlig neben sich, betrieb beim Hinspiel gegen den französischen Meister jedoch mächtig Eigenwerbung. Auch Jadon Sancho kommt immer besser in Fahrt und erinnert phasenweise wieder an den kommenden Weltstar, den der BVB 2021 an ManUnited verkauft hatte. Niclas Füllkrug ist in Torlaune, auch sein Back-Up Youssoufa Moukoko konnte mit einem Doppelpack gegen Augsburg Selbstbewusstsein tanken.

Pünktlich zur Crunch Time kann Terzic personell aus dem Vollen schöpfen, zuvor hatte sich die BVB-Elf durch Verletzungen oder Formschwächen oft von selbst aufgestellt. Neben der sportlichen Komponente dürfte der Abschied von Marco Reus für eine Extra-Portion Motivation sorgen. Einen Abgang mit dem Henkelpott hätte sich der frühere Nationalspieler wohl in seinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können, es wäre die perfekte Schlusspointe für den so oft vom Pech und Verletzungen gebeutelten Ausnahmekönner.

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Doch Paris St. Germain ist keineswegs abzuschreiben. Der Rückstand beträgt nur ein Tor, zumal PSG schon im Viertelfinale gegen den FC Barcelona bewiesen hat, dass sie im Rückspiel jederzeit zurückkommen können. Viel wird an der Tagesform von Kylian Mbappé hängen, auch der französische Superstar will sich mit dem Champions-League-Titel verabschieden. „Ihn kann man nur als Mannschaft verteidigen“, weiß BVB-Routinier Mats Hummels: „Mit dem unnachahmlichen Tempo, das er hat, ist er alleine nicht zu verteidigen. Aber er ist auch nur ein Teil des Ganzen, auch auf viele andere muss man aufpassen.“

Da wäre zum Beispiel der frühere Dortmunder Ousmane Dembelé, der nach langer Anlaufzeit endlich aufblüht. Dazu spielt mit Bradley Barcola ein Juniorennationalspieler groß auf. Der 21-Jährige könnte die interne Antwort auf die Frage nach der Mbappé-Nachfolge sein, dessen ehemalige Trikotnummer 29 er bereits auf dem Rücken trägt.

Bereits zum vierten Mal stehen sich PSG und Dortmund in dieser Saison gegenüber. „Wir hatten uns damals noch nicht wirklich gefunden. Uns fehlte der Mut in vielen Bereichen“, blickte Terzic auf das 0:2 im Gruppenspiel in Paris zurück, betonte aber die positive Entwicklung seines Teams: „In den beiden Spielen in Dortmund haben wir dann gezeigt, dass man auch ganz anders gegen PSG auftreten kann.“

Ein solcher Auftritt wird auch heute Abend (21 Uhr, Amazon Prime) vonnöten sein. Bekommt die formstarke BVB-Abwehr um Hummels und Nico Schlotterbeck die Pariser Offensive in den Griff und zeigen die Schwarz-Gelben auch auswärts ihr Champions-League-Gesicht, ist der Einzug ins Finale möglich. Und der oft kritisierte Edin Terzic hätte sich nach dieser Achterbahnfahrt einer Spielzeit in der BVB-Historie verewigt.

Entscheidender Vorteil? Niclas Füllkrug trifft zum 1:0-Hinspielsieg gegen PSG. (Photo by FRANCK FIFE/AFP via Getty Images)

FC Bayern vor Mammutaufgabe im Bernabéu

Wie der BVB wusste auch der FC Bayern im Hinspiel zu überzeugen, musste sich gegen Real Madrid allerdings mit einem Remis zufriedengeben. Die Königlichen zeigten einmal mehr, was sie in „ihrer“ Champions League auszeichnet. Das Team von Carlo Ancelotti überlässt dem Gegner gerne das Spielgeschehen, schlägt aber bei jedem Fehler eiskalt zu. So geschehen vor dem 1:0, als Vinícius Jr. FCB-Verteidiger Minjae Kim aus der Kette zog und so die Gasse für den punktgenauen Steckpass von Toni Kroos öffnete.

Nach dem Hinspiel ist zwar noch alles offen, doch im Santiago Bernabéu geht Real sicher als Favorit ins Spiel. Am Wochenende sicherten sich die Blancos den 36. Meistertitel und dürften vor Selbstvertrauen nur so strotzen. Währenddessen unterlag der FC Bayern dem VfB Stuttgart mit 1:3 und muss sogar um die Vizemeisterschaft bangen. Dazu kommt das schier unendliche Trainer-Thema, das immer mehr zum Störfeuer wird. Keine perfekte Ausgangslage für Thomas Tuchel und sein Team, das in der spanischen Hauptstadt ohne Raphael Guerreiro, Kingsley Coman, Sacha Boey und Bouna Sarr auskommen muss.

Unterschiedsspieler wie Jamal Musiala und Leroy Sané schleppen sich seit Längerem mit Blessuren durch den Saisonendspurt, sind aber nicht zu ersetzen und werden daher gegen Real Madrid erneut auf die Zähne beißen. Unklar ist, wer in der Innenverteidigung startet. Der ursprünglich als Notnagel verpflichtete Eric Dier ist gesetzt, offen ist, wer neben dem Engländer aufläuft. Kim verschuldete im Hinspiel beide Gegentore, auch Dayot Upamecano leistete sich in dieser Spielzeit etliche Patzer. Matthijs de Ligt ist nach seiner Innenbandverletzung gerade erst wieder ins Training eingestiegen.

Als Mutmacher sollte dem FCB der Auftritt im Viertelfinale beim FC Arsenal dienen. Gegen eine der dominantesten Mannschaften Europas fand Tuchel den passenden Matchplan und holte so auswärts im Emirates ein verdientes 2:2. Auch gegen die Champions-League-Experten aus Spanien wird der Trainer den richtigen spielerischen Ansatz finden müssen, zudem darf sich die Hintermannschaft gegen Vinícius Jr., Jude Bellingham und Co. keine weiteren Patzer erlauben.

War die internationale Erfahrung der Münchner gegen die jungen Gunners ein entscheidender Vorteil, trifft man in Madrid auf die sehr wahrscheinlich abgezockteste Mannschaft Europas. Minimieren die Bayern ihre individuellen Aussetzer, können sie jedes Team der Welt schlagen. Als Favorit fährt ‚La Bestia Negra‘ jedoch nicht ins Bernabéu.

(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)


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