Nach dem erfolgreichen Sturm aufs Bernabéu wussten sie beim FC Bayern auch zu später Stunde ganz genau, bei wem sie sich zu bedanken hatten. „Wir“, rief Vereinsboss Jan-Christian Dreesen Spielern und Gästen beim Bankett im Hotel Four Seasons im Zentrum von Madrid zu, „hatten heute etwas, das Real nicht hatte. Unseren X-Faktor, unseren 40er, unseren Torhüter von Weltklasseformat.“ Und in Richtung Manuel Neuer ergänzte er: „Du warst heute außerordentlich!“
Dieses 2:1 (1:0) im Gigantenduell bei Real Madrid, das Ende der Negativserie gegen den Angstgegner, das weit aufgestoßene Tor ins Halbfinale der Champions League – all das war nicht zuletzt Neuer zuzuschreiben. Entsprechend zufrieden machte sich der Kapitän des Rekordmeisters am Mittwochvormittag gemeinsam mit seinen Kollegen auf die Rückreise aus der spanischen Hauptstadt nach München. Die Bayern, diesen Schluss ließ der historische Sieg bei Real zu, dürfen weiter völlig zurecht vom großen Wurf träumen.
„Es macht einfach Spaß mit der Mannschaft und dem Trainerteam“, schwärmte der überragende Neuer: „Es ist alles möglich.“ Selbst ein Sieg im Bernabéu. Der erste Triumph in dem legendären Stadion seit einem Vierteljahrhundert, der erste Sieg gegen Real seit neun Spielen, zeige, „dass wir viel schaffen können“, meinte auch Trainer Vincent Kompany. Diesen „Glauben“ müsse die Mannschaft nun „mitnehmen in das nächste Spiel“.
FC Bayern: Fantastische Ausgangslage
Fest steht: In allzu viel Sicherheit wiegen sich die Münchner vor dem ultimativen Showdown in der Allianz Arena am kommenden Mittwoch (21.00 Uhr/DAZN) nicht. Trotz der laut Dreesen „fantastischen Ausgangslage“. Das Hinspiel sei nur der „erste Schritt“ gewesen, mahnte Neuer, noch warte „ein hartes Stück Arbeit“ auf die Bayern. Denn „wenn eine Mannschaft in München gewinnen kann“, mutmaßte Real-Trainer Álvaro Arbeloa, „dann ist es Real Madrid.“
Die Königlichen, das war am Dienstagabend schnell klar, glauben felsenfest an eine Aufholjagd. „In München ist ein Wunder nötig“, kommentierte das Hausblatt Marca zwar, aber: „Real Madrid hat es schon einmal geschafft. Und wir sprechen hier von Europa. Alles ist möglich.“ Der Anschlusstreffer von Kylian Mbappé (74.) erlaube es Real, „weiter zu träumen“, schrieb Mundo Deportivo. „Der FC Bayern“, so Sport, habe Real „am Rande des Abgrunds am Leben“ gehalten.
Tatsächlich mussten sich die Münchner vorwerfen lassen, vor und nach den Treffern von Luis Díaz (41.) und Harry Kane (46.) nicht schon in Madrid für klarere Verhältnisse gesorgt zu haben. Gerade in der Schlussphase, als Madrid noch auf den Ausgleich drängte, hatten die Münchner mehrere gute Kontergelegenheiten ausgelassen. „Ganz ehrlich?“, bilanzierte etwa Neuer bei Prime Video: „Schade, dass es kein 2:0 geworden ist.“

Ein 2:1 in einem Viertelfinal-Hinspiel bei Real Madrid – zu wenig? „Wir haben auswärts in Bernabéu gewonnen“, betonte Sportvorstand Max Eberl darauf angesprochen: „Das schaffen nicht so viele.“ Entsprechend habe man mit Blick auf das Rückspiel „etwas, auf dem wir aufbauen können“, sagte auch Kompany zufrieden.
Und notfalls haben die Münchner ja immer noch Neuer. „Was der heute abgeliefert hat, ist wirklich Wahnsinn“, schwärmte Aleksandar Pavlovic von dem 40-Jährigen. Neun Paraden hatte Neuer gezeigt, Mbappé und Vinicius Júnior an den Rande der Verzweiflung getrieben. „Natürlich lässt man gegen so eine starke Offensive auch Torchancen zu“, kommentierte Neuer seine Leistung trocken, „aber dafür bin ich ja dann da.“
Am besten auch im Rückspiel. „Wir“, betonte Neuer, bevor er sich in die spanische Nacht verabschiedete, „sind bereit“.

