Borussia Dortmund ging mit einer sehr guten Ausgangslage in das Spiel gegen Atalanta in Bergamo. Das Hinspiel zuhause hatten die Schwarzgelben schließlich mit 2:0 gewonnen. Und im Kalenderjahr 2026 passten die Basics beim BVB wieder in fast jedem Spiel.
Es sah also alles durchaus gut aus. Defensiv waren die Dortmunder eigentlich weitgehend stabil in den letzten Wochen und wenn man mal einen Fehler machte, dann konnte dieser zeitnah wieder ausgebügelt werden. Doch in Bergamo, in Norditalien, an diesem Mittwochabend, war es anders.
Dortmund verlor nicht nur mit 1:4. Man schied dramatisch aus, durch einen Elfmeter in der Nachspielzeit, über den es nichts zu diskutieren gibt. Es war ein Spiel, wie man es unter Niko Kovac in den letzten Wochen und Monaten nicht mehr sah. Und genau das wirft Fragen auf.
BVB mit Totalausfall in Bergamo
Es war keine normale Niederlage, sondern weitgehend ein Totalausfall. Die Symptomatik dessen machte sich schon direkt beim ersten Tor bemerkbar. Julian Ryerson, in den letzten Wochen so stark, ließ sich tölpelhaft überspielen. Von der eigenen linken Seite hatte Atalanta Tempo aufgenommen, der Ball kam in die Mitte, wo Ramy Bensebaini die falsche Entscheidung bei der Klärungsaktion traf und dadurch Gianluca Scamacca das Tor ermöglichte. Es waren individuelle Aussetzer, die man so in den letzten Wochen nicht sah. Ryerson flog unter fast jeder Flanke durch, Bensebaini war von Beginn an ein Sicherheitsrisiko, Daniel Svensson bekam seine Grenzen aufgezeigt. Und das Mittelfeld schaffte es nicht, in irgendeiner Form für Ruhe zu sorgen.
Das 2:0 zur Pause, das am Ende durch einen Treffer von Davide Zappacosta zustande kam, war absolut in Ordnung. Dortmund ließ die Basics vermissen, der BVB wackelte mit dem Ball und gegen den Ball. Es war ein Totalausfall, auch ein Rückfall in Zeiten, die man eigentlich hinter sich wähnte. Niemand rechnete damit, dass die Dortmunder auf einmal einen herausragenden Fußball spielen werden, aber zumindest damit, dass die Grundtugenden wieder auf den Platz gebracht werden. Denn diese zeigte Dortmund wie selbstverständlich in den letzten Wochen und Monaten.

Die Punktausbeute unter Niko Kovac in der Liga ist stark, daran besteht kein Zweifel. Doch in der Königsklasse gab es jetzt schon einige Spiele, die nicht gut liefen. Ein 2:2 gegen Bodö/Glimt zuhause, Patzer gegen Tottenham und Inter, jetzt dieses Ausscheiden. Der BVB hat, da muss man kein Blatt vor den Mund nehmen, die Saison binnen fünf Tagen quasi weggeworfen. Erst gab es das 2.2 in Leipzig, das die Kovac-Elf faktisch aus dem Titelkampf katapultierte, weil acht Punkte und gefühlt 50 Tore Rückstand selbst mit einem Sieg gegen Bayern kaum mehr aufzuholen sind. Und jetzt diesen Totalausfall in Bergamo.
Neue Muster führen zu alten Problemen
Und irgendwie machten die Dortmunder in Bergamo genau das falsch, was man eigentlich nicht mehr falsch machen wollte und auch schon länger nicht mehr falsch machte. Ein paar Beispiele machen deutlich, wo die Probleme genau lagen. Ryerson zum Beispiel, der seine Seite nach dem gleichen Muster öffnete wie zuletzt gegen Leipzig. Dort wurde sein frühes Herausrücken mehrfach bestraft. Und genau das machte er in Bergamo auch. Atalanta war gut vorbereitet, wusste genau, wie man die Räume hinter den Wingbacks klug bespielt.
Und eigentlich machte Atalanta gar nicht so viel anders als in den sonstigen Spielen, die die Bergamaschi so absolvierten. Der BVB hätte wissen müssen, was auf ihn zukommt. Und das gegen einen Gegner, dem sogar noch wichtige Spieler fehlten. Das macht das gesamte Dilemma noch einmal größer. Die alten Probleme tauchten plötzlich wieder auf, aber eben begünstigt durch ganz neue Muster.
Genau das ist es, was für neue Fragezeichen sorgt. Genau diese Faktoren sind es, die dafür sorgen dürften, dass jetzt die Alarmstufe Rot herrscht. Weil einige Vertragsverlängerungen auch mit der sportlichen Komponente einhergehen. Weil man sich in Dortmund eigentlich einen Schritt weiter wähnte als das Spiel in Bergamo offen legte. Und genau das beschreibt recht gut, was im Nachhinein als Fazit übrig bleibt. Für die Dortmunder bleibt es ein maximal unangenehmer Abend. Einer, über den wohl noch länger zu reden sein wird.

