Hertha BSC empfing den SC Freiburg im Pokal-Viertelfinale. Nach interessantem Start neutralisierten sich beide Teams und es ging in die Verlängerung. Dort glich Fabian Reese per Traumtor die Freiburger Führung aus, sodass die Entscheidung vom Punkt fallen musste. Am Ende wurde der Freiburger Pokalkeeper zum Helden.
Pokal-Viertelfinale am Ort der Sehnsucht eines jeden Teilnehmers am DFB-Pokal – dieser Traum ist insbesondere für die Berliner Hertha ein sehnlicher. Auf dem Weg ins Finale im eigenen Wohnzimmer war jedoch der SC Freiburg zu Gast im Olympiastadion. Beide Teams gingen mit Rückenwind aus der Liga in dieses Spiel. Freiburg gewann mit 1:0 gegen Werder Bremen, während die Hertha mit 3:0 in Elversberg siegte. Stefan Leitl wechselte im Gegensatz dazu dreimal, Julian Schuster nahm drei Änderungen vor, unter anderem rückte Pokaltorwart Florian Müller für Noah Atubolu zwischen die Pfosten.
Hertha legt los wie die Feuerwehr – Reeses Tor aberkannt
Der erste gefährlichere Abschluss der Partie gehörte den Hausherren. Fabian Reese flankte aus dem rechten Halbfeld und Marten Winkler setzte seinen Kopfball am zweiten Pfosten nur knapp am Tor vorbei. Bereits in der 7. Minute klingelte es dann im Freiburger Tor! Nach einer kurzen Eckballvariante scheiterte Dawid Kownacki zunächst mit seinem Kopfball nach einer Flanke von Michael Cuisance an Müller, doch Reese drückte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. Doch nach Überprüfung der Videobilder entschied das Schiedsrichtergespann um Patrick Ittrich auf eine aktive Abseitsstellung von Julian Eitschberger, sodass der Treffer zurückgenommen wurde.
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Freiburg musste bis 20. Minute auf die erste gefährliche Szene warten. Der Ex-Herthaner Derry Scherhant kam nach einer Flanke von Mathias Ginter von der rechten Seite zum Abschluss, scheiterte aber an einem starken Reflex von Tjark Ernst. Nach einigen Problemen in der Anfangsphase und viel Berliner Druck, gelang es Freiburg jetzt, das Spiel ausgeglichener zu gestalten. Den nächsten Abschluss nahm sich Yuito Suzuki, der aber zu zentral auf Ernst zielte. Im Anschluss fand das Spiel viel zwischen den beiden Strafräumen statt. Erst in der 40. Minute wehrte Ernst einen Versuch von halblinks von Scherhant zur Ecke ab.
Vor der Pause zeigte sich dann auch die Hertha noch einmal. Nach einem starken Pass von Eitschberger strich der Abschluss von Michael Cuisance knapp am langen Pfosten vorbei. Dann musste Müller auch noch einmal eingreifen, den wuchtigen Kopfball von Linus Gechter nach einer Reese-Flanke parierte der SC-Torwart zur Seite. Doch auch Freiburg hatte noch eine Chance. Nach einem Stockfehler von Toni Leistner nahm Suzuki Fahrt auf, aber erneut war der starke Ernst zur Stelle. So ging es nach abwechslungsreichen 45 Minuten mit einem leistungsrechten 0:0 in die Kabinen.

Wenig los vor den Toren, beide Teams scheuen das Risiko
Ohne personelle Veränderungen starteten beide Teams in den zweiten Durchgang. Beide agierten allerdings im Gegensatz zur ersten Hälfte zunächst sehr verhalten. Auch nach 20 Minuten ging das Warten auch den ersten nennenswerten Abschluss weiter. Am gefährlichsten wurde eine Halbfeldflanke des eingewechselten Vincenzo Grifo, die Niklas Beste allerdings knapp verpasste, sodass Ernst den Ball aufnehmen konnte. In der 69. Minute war es dann soweit, Paul Seguin ließ sich den Ball am eigenen Strafraum abluchsen und über Suzuki kam Grifo aus guter Position kurz hinter dem Elfmeterpunkt zum Abschluss. Allerdings rettete Marton Dardai spektakulär per Grätsche und verhinderte die mögliche Freiburger Führung.
Nach 83 Minuten forderte die Hertha Elfmeter, Michal Karbownik war im Duell mit Philipp Treu zu Fall gekommen, doch Ittrich entschied zurecht auf Weiterspielen. Kurz vor Schluss gab es nochmal eine Chance für Freiburg. Eher zufällig kam der Ball zu Grifo, der von der Strafraumkante aber am langen Eck vorbei schlenzte. In der Nachspielzeit holte Treu gegen den zuspätkommenden Leistner noch einmal einen Freistoß aus vielversprechender Position heraus. Grifo setzte den Standard aber passend zur zweiten Halbzeit in die Mauer und auch der Nachschuss von Beste ging neben das Tor. Danach war Schluss in der regulären Spielzeit und es ging nach einer enttäuschenden zweiten Halbzeit in die Verlängerung.
Erst patzt Gechter folgenschwer, dann trifft Reese traumhaft
In der 94. Minute wurde die Hertha endlich mal wieder offensiv aktiv. Eitschberger setzte Cuisance in Szene, der nach einem schönen Haken scharf aufs linke Eck abschloss. Müller war jedoch mit einer guten Parade zur Stelle. Kurz darauf traf dann aber plötzlich Freiburg. Leistner setzte Gechter mit einem späten Zuspiel unter Druck, dieser spielte dann einen fatalen Fehlpass vors eigene Tor. Dort lauerte Suzuki, umkurvte Ernst und schoss in der 96. Minute zum 1:0 für den Gast aus Freiburg ein. Nur zwei Minuten später setzte sich der eingewechselte Johan Manzambi auf der linken Seite durch, scheiterte von halblinks aber an Ernst.
Doch die Hertha gab sich nicht geschlagen und es war der Kapitän, der die Hauptstädter mit einem Traumtor zurück ins Spiel brachte. Suzuki verlor den Ball im Mittelfeld, Seguin leitete auf Reese weiter und dieser zog mit dem zweiten Kontakt aus über 20 Metern ab. Sein starker Schuss drehte sich von Müller weg und schlug hoch nahe des linken Winkels im Kasten ein.
Nach dem erneuten Seitenwechsel hatte erneut Hertha die nächste Chance. Nach einem langen Einwurf von der linken Seite kam der Ball zu Cuisance, der mit seinem Volley aus gut 10 Metern das Tor nur knapp verfehlte. Der Zweitligist agierte deutlich mutiger als der Bundesligist, sammelte mehr Ballbesitz und schien entschlossener das entscheidende Tor zu erzielen, um das Elfmeterschießen zu vermeiden. Nach einem erneuten Einwurf behinderten sich mit Luca Schuler und Cuisance zwei Herthaner im Freiburger Strafraum gegenseitig, sodass niemand zum Abschluss kam. Das Warten auf weitere Chancen blieb vergeblich, sodass der Halbfinalist im Elfmeterschießen gefunden werden musste.

Klemens scheitert, Müller wird zum Freiburger Helden
Den Anfang machte Grifo, der den Ball stark ins linke Eck setzte, obwohl Ernst die Ecke ahnte. Reese tat es dem Freiburger Kapitän nach und verwandelte souverän rechts unten. Auch Ginter schoss ähnlich wie Grifo sicher ins linke Eck und verlud Ernst. Als nächstes trat Schuler für die Hertha an und traf rechts unten. Beide Teams schienen ihre Ecken gefunden zu haben, auch Maximilian Eggestein traf ins linke Eck. Dann zeigte Cuisance als erster Schütze Nerven. Sein Versuch nach rechts war halbhoch und nicht platziert, sodass Müller parieren konnte. Doch auch Ernst parierte im Anschluss gegen Manzambi, der es im linken Eck versuchte. Als vierter Herthaner Schütze verwandelte Josip Brekalo für die Hertha, erneut rechts unten. Lucas Höler entschied sich ebenfalls für rechts unten und verlud Ernst. Auch Seguin ließ sich nicht beirren und gleich aus, sodass es ins Sudden Death ging.
Suzuki traf mit Glück, Ernst bekam an seinen mittigen Versuch noch die Füße, konnte den Ball aber nicht entscheidend abwehren. Zum tragischen Helden wurde dann Pascal Klemens, seinen schwachen Schuss nach rechts konnte Müller parieren, der somit Freiburgs Einzug ist Pokalfinale sicherte.
Spielschema im Überblick
Hertha BSC – SC Freiburg 4:5 n.E. (0:0, 0:0, 1:1, 1:1)
Hertha BSC: Ernst – Gechter, Leistner (99. Dudziak), Dardai – Eitschberger (116. Klemens), Seguin, Cuisance, Karbownik – Reese, Kownacki (80. Schuler), Winkler (80. Brekalo)
SC Freiburg: Müller – Treu, Ginter, Rosenfelder, Makengo (78. Günter) – Eggestein, Osterhage (78. Manzambi) – Beste (116. Irié), Suzuki, Scherhant (63. Grifo) – Matanovic (113. Höler)
Schiedsrichter: Patrick Ittrich
Tore: 0:1 Suzuki (96. Minute), 1:1 Reese (104.)
Elfmeterschießen: 0:1 Grifo, 1:1 Reese, 1:2 Ginter, 2:2 Schuler, 2:3 Eggestein, Müller hält gegen Cuisance, Ernst hält gegen Manzambi, 3:3 Brekalo, 3:4 Höler, 4:4 Seguin, 4:5 Suzuki, Müller hält gegen Klemens
Besondere Vorkommnisse: –
Jakob Haffke

