EM 2021 : Powerranking vor dem Achtelfinale

EM 2021

Spotlight | Die Gruppenphase ist vorbei, die Achtelfinalspiele stehen vor der Tür. Zeit für ein Powerranking der besten Mannschaften der EM 2021. Dabei sind natürlich die Leistungen aus der Gruppenphase ausschlaggebend. 

  • Einige Topteams suchen noch nach ihrer Topform
  • Italien überzeugt auf allen Ebenen
  • Spanien: Knoten geplatzt?

Platz 8: Portugal

Die Portugiesen sind zwar amtierender Titelträger, doch das alleine reicht nicht um zu den ganz großen Favoriten zu gehören. Vor allem der Auftritt gegen Deutschland macht Sorge. Denn 2016 konnte Portugal vor allem mit einer sehr guten Kompaktheit punkten. Nun hat man schon nach der Gruppenphase einen Treffer mehr kassiert als im ganzen letzten Turnier. Offensiv ist die Qualität im Kader zwar unbestritten hoch und auch Superstar Cristiano Ronaldo (36) scheint in Topform. Doch wie bei vielen namhaften Teams fehlen auch bei den Portugiesen die Abläufe und Selbstverständlichkeiten einer Klubmannschaft. Man ist in jedem Spiel auf Einzelaktionen angewiesen, gleichzeitig kann man sich nicht mehr darauf verlassen, nicht selber mehrere Treffer zu kassieren. Diese Kombination könnte sich schon sehr bald als tödlich erweisen. Denn im Achtelfinale wartet Belgien.

Platz 7: Deutschland

Die deutsche Mannschaft schleppt vor allem ein Problem mit sich herum, welches seit Jahren bekannt und diskutiert ist. Es fehlt der Stürmer im Kader von Jogi Löw (61). Der klassische Zielspieler im System ist nicht vorhanden. Dass dann auch noch ein Spieler wie Marco Reus (32), der einen natürlichen Zug zum Tor mitbringt, fehlt, tut besonders weh. Kurz gesagt: Deutschland hat ein Offensivproblem. Sowohl gegen Frankreich als auch gegen Ungarn biss man sich über weite Teile der Spiele die Zähne aus. Wo die individuelle Qualität gegen Ungarn am Ende noch für den Ritt auf der Rasierklinge reichte, zeigte Frankreich gnadenlos die Grenzen auf. Die beiden Gegentore gegen Ungarn lassen zudem an der Defensive des EM-Rekordsiegers zweifeln. Die Raumaufteilung in der Dreierkette funktioniert ebenso wie die Konterabsicherung nicht immer. Mit einer Leistung wie gegen Ungarn dürften wir uns auch schon sehr bald vom deutschen Team im Laufe dieses Turnieres verabschieden müssen. Allerdings: Die individuelle Klasse ist zweifelsohne hoch.

Photo by Imago

Platz 6: England

Der Gegner der deutschen Nationalmannschaft hat sich ebenfalls in der Gruppenphase der EM 2021 nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert. In drei Auftritten der „Three Lions“ wurde uns am Ende eine halbwegs ansehnliche Halbzeit geboten. Mit zwei Treffern und zwei Siegen sind die Engländer zwar verdient in die nächste Runde eingezogen, der Favoritenrolle wurden sie auf dem Platz aber nicht gerecht. Vor dem Turnier dürfte die Mannschaft von Gareth Southgate (50) bei vielen Beobachtern als einer der Topanwärter auf den Titel gezählt haben. Logisch, blickt man auf die Namen des Aufgebots. Neben den Franzosen hat England unbestritten mit die besten Individualisten und auch eine beeindruckende Qualität in der Breite. Doch Southgate scheint wenig daran interessiert, diese Qualität in ansehnlichen Fußball umzumünzen. Was die Briten spielen, ist Pragmatismus pur. Mit einer Doppelsechs läuft man grundsätzlich auf, auch gegen vermeintliche Underdogs wie Schottland. Lange Bälle sind auf einmal wieder ein Mittel der Wahl und ansonsten lässt man es ruhig angehen. Natürlich können die Einzelspieler England noch weit bringen. Zum Zittern bringen die Engländer so aber noch niemanden.

Platz 5: Spanien

Wenn Spanien in den ersten Gruppenpartien ein wenig treffsicherer gewesen wäre, würden sie in diesem Ranking noch einmal deutlich höher stehen. Denn bis auf den Torabschluss klappt bei einem neuzusammengestellten Nationalteam erstaunlich viel erstaunlich gut. Die spanischen Fußballtugenden werden mit langen Passstaffetten und hohem Ballbesitz fast schon auf die Spitze getrieben. Doch das Spiel der „Furia Roja“ wirkt selten ziellos, nie als Selbstzweck. Die Außenverteidiger, allen voran Jordi Alba (32) sind sehr gut eingebunden, bis ins letzte Drittel kommt man wie selbstverständlich. Nur dort zeigte man dann eben in den ersten beiden Partien der EM eklatante Schwächen. Vor allem Alvaro Morata (28) agierte immer wieder glücklos, arbeitet aber dennoch extrem viel für die Mannschaft. Außerdem wurden in der Gruppenphase auch noch zwei Elfmeter vergeben. Das letzte Spiel gegen die Slowakei hat dann aber gezeigt, was passieren kann wenn auch die Effektivität Einzug ins Spiel der Iberer erhält. In dieser Verfassung könnte Spanien tatsächlich doch noch zum Titelfavoriten reifen.

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Platz 4: Niederlande

Ein souveräner Gruppensieg mit neun Punkten aus drei Spielen, viele Tore, ansehnlicher Fußball. Bei den Niederlanden dürfte man nach der Gruppenphase komplett zufrieden sein. Und das zurecht. Das Mittelfeld um Kapitän Gini Wijnaldum (30) und Frenkie de Jong (24) funktioniert hervorragend, man dominiert die Zentrale aber hat gleichzeitig eben eine so hohe Qualität, dass sich Beie auch immer in der Offensive gefährlich einschalten können. Spieler wie Denzel Dumfries (25)scheinen zudem rechtzeitig in Turnierform zu finden und rufen bessere Leistungen ab, als so mancher erwartet hat. Das einzige Manko in der Betrachtung unserer Nachbarn ist die Frage, wie stark die eigene Defensive in einem absoluten Härtetest ist. Der blieb bis jetzt aus, dennoch lieferte man sich mit der Ukraine einen wilden Schlagabtausch, den man erst spät für sich entscheiden konnte. Auch gegen Nordmazedonien gab es für den Gegner immer wieder Räume, die zwar nicht genutzt aber gut sichtbar wurden.

Foto: Moritz Müller

Platz 3: Frankreich

Auch der Weltmeister konnte nicht vollends überzeugen. Für viele Turnierfavorit Nummer 1 gingen die Franzosen in die EM und lieferten ein zumindest abgeklärtes 1:0 gegen Deutschland zum Auftakt. Danach folgte allerdings ein enttäuschendes Remis gegen Ungarn und ein weiteres Unentschieden gegen Portugal. Hätte Deutschland sich gegen Ungarn nur ein wenig besser angestellt, wäre man wohl nicht einmal Tabellenerster geworden. Klar ist, ähnlich wie bei England, dass man bei den Franzosen keine riesigen Spektakel erwarten sollte. Die Namen mögen dies nahelegen, doch Didier Deschamps (52) setzt auf eine eingeschworene Truppe, disziplinierte Arbeit gegen den Ball. Überspitzt gesagt hat die Mannschaft nicht allzu viele offensive Abläufe. Dort verlässt man sich auf die unerreicht hohe individuelle Klasse. Das kann gut gehen, doch so souverän und selbstbewusst wie 2018 wirkt das Team noch nicht. Und dann würde manchmal vielleicht doch eine Spielidee helfen. Positiv zu erwähnen ist, dass Spieler wie Antoine Griezmann (28) sich nicht zu schade sind, auch weite Wege zu gehen und defensiv zu helfen.

Platz 2: Belgien

Seit geraumer Zeit zählt die belgische Nationalmannschaft zu den Besten der Welt. Kein Wunder also, dass sie auch bei dieser EM zum Favoritenkreis zählen. Im Gegensatz zu anderen großen Namen konnte man dies auch in den ersten Spielen eindrücklich unterstreichen. Man gewann alle drei Partien und so ganz nebenbei gelang es noch, wichtige Schlüsselfiguren wieder in die Mannschaft zu integrieren. Als Kevin de Bruyne (29) den Platz gegen Dänemark betrat, lag man noch zurück. Doch der Mittelfeldmann löste das ganze fast alleine in Wohlgefallen auf. Auch gegen Finnland zeigte sich der Superstar spielfreudig und nach seiner Gesichtsverletzung dennoch gut eingebunden in das Team. Das gilt ebenfalls für Rückkehrer Axel Witsel (32) und den verletzungsgeplagten Eden Hazard (30) der immer besser in das Turnier findet. Belgien hat eine klare Spielphilosophie, eine eingeschworene Mannschaft mit dem festen Ziel endlich einen Titel zu erringen und mit De Bruyne einen der besten Spieler der Welt, der die Faden zieht. Im Moment spricht viel für die „Roten Teufel“.

Photo Andrea Staccioli

Platz 1: Italien

Vor Turnierbeginn dürften die Italiener bei kaum jemandem ganz oben auf der Liste gestanden haben. Zwar war die Mannschaft von Roberto Mancini (52) schon seit Jahren ungeschlagen und im gesamten letzten Kalenderjahr ohne Gegent0r geblieben, aber dennoch schien man etwas unter dem Radar zu laufen. Die große Bühne fehlte, um präsentieren zu können wie positiv sich die „Squadra Azzurra“ seit 2018 entwickelt hat. Nun, wo es diese Bühne gibt wurde das Ganze sehr schnell deutlich. Die Italiener haben im Gegensatz zu vielen anderen Mannschaften nicht nur eine stabile Defensive und individuelle Klasse anzubieten, sondern einen klaren Plan in der Offensive, einstudierte Abläufe, funktionierende Bewegungen aller Spieler. Zudem ist die Kaderzusammenstellung enorm gut gelungen. Auf jeder Position des Feldes hat man vielleicht nicht den besten Spieler der Welt, aber genau den Spieler, den man braucht um die angedachte Rolle zu erfüllen. Es gibt wohl kein Achtelfinalspiel, wo die Favoritenrolle so klar verteilt ist, wie in dem Duell zwischen Italien und Österreich. Aber nicht nur die nächste Runde ist für die Azzurri im Bereich des Möglichen.

Photo Andrea Staccioli/Imago

Julius Eid

Seit 2018 bei 90PLUS, seit Riquelme Fußballfan. Gerade die emotionale Seite des Sports und Fan-Themen sind Julius‘ Steckenpferd. Alleine deshalb gilt: Klopp vor Guardiola.

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