EM 2021 | Italien: Mancinis Unbezwingbare

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Spotlight | Am Sonntag machte Italien den Gruppensieg perfekt – nur drei Jahre nach der wohl größten Blamage der jüngeren Verbandsgeschichte. Wie Roberto Mancini die Squadra Azzura wieder auf Kurs gebracht hat.

Über 1.000 Tage unbesiegt – Mancinis rekordverdächtiges Italien

1.015 Tage ist der 10. September 2018 schon her, der Tag, an dem die italienische Nationalmannschaft zuletzt ein Spiel verlor. 0:1 unterlagen sie Portugal im Estádio Da Luz. Ein 23-jähriger Stürmer vom FC Sevilla namens André Silva erzielte drei Minuten nach der Pause den entscheidenden Treffer in diesem Nations-League-Gruppenspiel.

Die Bilanz seitdem: 30 Spiele, 25 Siege, 5 Unentschieden. Zuletzt gab es elf Erfolge am Stück bei 32:0 Toren. Damit ist der Verbansrekord eingestellt. Schon zwischen 1935 und 1939 blieb Italien, damals unter Weltmeistertrainer Vittorio Pozzo, 30 Spiele lang ungeschlagen. Auch die Gruppe A gewann Italien standesgemäß mit voller Punktzahl vor Wales, der Schweiz und der Türkei. Das alles, nachdem man es verpasste, sich für die Weltmeisterschaft 2018 zu qualifizieren. Es war ein Debakel von nationaler Tragweite – und das Ende für Gian Piero Ventura (73) als Nationaltrainer. Zu großer Beliebtheit brachte er es ohnehin nie, gilt er als sturer Defensivfanatiker. Bei Torino setzte er über Jahre auf ein 3-5-2, das er auch in der Nationalmannschaft konsequent durchzog. Nach einem Intermezzo des damaligen U21-Nationaltrainers Luigi Di Biagio (50) fand man mit Roberto Mancini (56) die Königslösung. Die Begeisterung über diese Personalie hielt sich anfangs in Grenzen.

 



 

Also musste Mancini seine Arbeit für sich sprechen lassen. Die erste Partie als Nationaltrainer – gut zwei Wochen, nach dem letzten Ligaspiel mit Zenit St. Petersburg – war ein eher unspektakuläres 2:1 gegen Saudi-Arabien, gefolgt von einer 1:3-Niederlage in Nizza. Man kann allerdings kaum erwarten, dass alles sofort fehlerfrei läuft, wenn man nicht nur einen personellen Umbruch zu moderieren hat, sondern auch die Spielphilosophie drastisch verändert.

Denn anders als Ventura setzt Mancini auf Offensive. Schon zu Spielerzeiten galt er als äußerst kreativ und war der Dreh- und Angelpunkt von Lazios Doublesieger-Mannschaft 2000. Jenes Team, das Sven-Göran Eriksson (73) als das beste, das er jemals trainiert hat, bezeichnete.

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Weniger große Namen, dafür mehr große Leistungen

Wie es sich für eine klassische Ballbesitzmannschaft gehört, tritt Italien unter Mancini im 4-3-3 an. Es ist gerade das System und das Kollektiv, das Italien so stark macht. Denn große Namen der Kategorie Franco Baresi, Roberto Baggio, Alessandro Del Piero, Gianluigi Buffon, Gennaro Gattuso oder Andrea Pirlo sucht man in dieser Mannschaft vergebens. Stattdessen vertraut Mancini jungen Spielern wie Gianluigi Donnarumma (22), Nicolò Barella (24) oder Manuel Locatelli (23) auf Schlüsselpositionen. Gelenkt wird das Ganze von den erfahrenen Giorgio Chiellini (36), Leonardo Bonucci (34), Jorginho (29) oder Marco Verratti (28).

Copyright: Imago-Images/Emmefoto

Wie in der Vorrunde zu sehen war, ist diese Mannschaft nicht von einzelnen Spielern abhängig. Vor der Partie gegen Wales rotierte Mancini auf insgesamt acht Positionen. Trotzdem war kein großer Qualitätsverlust zu erkennen. Italien lieferte gegen den Halbfinalisten von 2016 eine solide und kompakte Leistung ab, hätte, wenn es sein müssen, auch höher als 1:0 gewinnen können. Aber den Sieg haben sie trotzdem geholt – und damit das nächste Zu-Null-Spiel. Auch hat Mancini darauf geachtet, dass kein Klub das Gros der (Schlüssel-)Spieler allein stellt, wie es früher noch mit Juventus der Fall war. Die Gruppe ist bunt zusammengemischt. Und um das Betriebsklima aufrechtzuerhalten, kommen auch (fast) alle zu ihren Minuten. Einzig der dritte Torhüter Alex Meret (24) muss noch auf seinen ersten Einsatz warten.

Am 26. Juni geht es für Italien nach Wembley, wo sie auf den Zweiten der Gruppe B treffen – im Moment Russland. Dass Italiens Reise dort endet, ist eher unwahrscheinlich. Also, zumindest nicht im Achtelfinale.

Bildquelle: imago

Victor Catalina

 

 

 

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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