Stars der EM: Patrick Kluivert und die Europameisterschaft 2000

Kluivert EM 2000
EM 2021

Ihren einzigen großen Titel feierte die Niederlande bei der Europameisterschaft 1988. Immer wieder standen prägende Spieler im Aufgebot von „Oranje“, diese Mannschaft ist bei fast jedem Turnier hochklassig besetzt. Das galt auch für die EM 2000, bei der Patrick Kluivert auf sich aufmerksam machte. 

Der Angreifer, mit vollem Namen Patrick Stephan Kluivert, wurde am 1. Juli 1976 in Amsterdam geboren. Berührungspunkte mit dem Fußball gab es häufig, vor allem die Bindung zu Heimatklub Ajax war ein wichtiger Faktor. Als Jugendspieler ging für Kluivert ein Traum in Erfüllung, er wechselte in die berühmte Jugendakademie des Klubs. Und das war nur der Anfang. 

Patrick Kluivert: Van Gaal mit dem Startschuss

Von enormer Bedeutung für die Karriere von Patrick Kluivert war Louis van Gaal. Der Trainer, der ein „Händchen“ für junge Spieler hat, ließ ihn schon mit 17 Jahren zu den Profis holen. Im niederländischen Supercup gegen Feyenoord traf Kluivert prompt. In der Folge spielte er sich fest und feierte schon mit Ajax einige Titelgewinne in den Niederlanden. In seiner Vereinskarriere spielte der Niederländer für einige Topklubs, darunter Milan und den FC Barcelona. Erstaunlich: Nach seiner Zeit bei Ajax feierte er nicht mehr allzu viele Titel, gewann 1999 mit dem FC Barcelona noch die Meisterschaft in Spanien und 2007 mit der PSV den Titel in der Eredivisie. 

Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Zahlen von Kluivert sehr gut sehen lassen können. Egal, wo er auch spielte, Kluivert traf. 205 Tore und 81 Vorlagen in seiner Vereinskarriere sprechen eine klare Sprache. Und auch bei der „Elftal“, der niederländischen Nationalmannschaft, ließ er die Tornetze regelmäßig wackeln. Begonnen hat alles mit einem Testspiel gegen Tschechien im November 1994. Rund eine Viertelstunde, wenig Akzente, 0:0. In einem solch jungen Alter ein Länderspiel zu absolvieren, ist durchaus ein Erlebnis. Gut ein Jahr später entschied er das Playoff-Spiel in Irland mit einem Doppelpack zugunsten von Oranje. Spätestens jetzt war er im Nationalteam angekommen. Die erste Europameisterschaft im Sommer 1996 verlief aber nicht zufriedenstellend. Im Viertelfinale war gegen Frankreich Schluss und in rund 170 Spielminuten erzielte Kluivert keinen Treffer. Doch seine Zeit sollte kommen. 

Kluivert bei der EM 2000

Es folgte eine Weltmeisterschaft mit zwei Toren, einer Rotsperre und dem vierten Platz. Zwei Jahre später, bei der EM 2000, war Kluivert reifer und gefestigter. Das wollte er auch auf dem Platz zeigen, denn die niederländische Mannschaft galt als einer der Geheimfavoriten bei diesem Turnier. Das erste Spiel gegen Tschechien gewann die Elftal auch gleich mit 1:0, Kluivert spielte dort gemeinsam mit Dennis Bergkamp im Angriff. Allerdings waren es nicht die Offensivspieler, die dieses Spiel entschieden, sondern Kapitän Frank de Boer, der das Siegtor erzielte.

Die Niederlande ging als Co-Gastgeber auch in das zweite Spiel gegen Dänemark voller Euphorie, doch auch hier stockte der Motor in der ersten Halbzeit. Am Ende gab es einen 3:0-Erfolg, Torschütze zum wichtigen 1:0 war Patrick Kluivert – aus kurzer Distanz, per Abstauber. Sein Spiel war auch bei diesem Turnier facettenreich. Der Stürmer konnte im Strafraum als Knipser agieren, aber auch im Kombinationsspiel für Furore sorgen. Die niederländische Auswahl war deswegen nur schwer auszurechnen. 

Das dritte Gruppenspiel gegen Frankreich war ein enorm gutes Spiel. Fünf Tore fielen in dieser Partie, die die Niederländer für sich entscheiden konnten. 3:2 lautete der Spielstand am Ende und Kluivert war ein ständiger Unruheherd, für die Defensive der Franzosen kaum zu greifen. Mit einem schönen Haken und einem präzisen sowie festen Abschluss ließ er Fabien Barthez im Tor der Franzosen keine Chance, als er das zwischenzeitliche 1:1 erzielte. Es war durchaus beeindruckend zu sehen, wie gut sich Bergkamp und Kluivert im Angriff ergänzten. Die Raumbesetzung war vorbildlich, zudem agierten beide immer mal wieder fallend und rissen dem Mitspieler Räume auf.

EM 2000: Kluivert zerlegt Jugoslawien

Besonders beeindruckend war dann das Viertelfinale gegen die Auswahlmannschaft aus Jugoslawien. Die Niederlande spielte sich in einen Rausch, den Kluivert eröffnete. Nach einem schönen Ball in den Strafraum nahm Kluivert die Kugel an, setzte nach und traf zum 1:0. Die Vorlage kam übrigens von Sturmpartner Bergkamp. Kurz vor der Pause kam es noch besser, denn der Stürmer erzielte, wieder stark bedient, auch gleich das 2:0 selbst. Das 3:0, ein Eigentor, provozierte Kluivert, ehe er nach Vorlage von Boudewijn Zenden auch das 4:0 selbst erzielte. Am Ende gewann die Elftal mit 6:1 gegen Jugoslawien und zog in das Halbfinale ein.

Kluivert EM 2000

Photo by Imago

Dort wartete aber eine defensiv eingestellte, unangenehme italienische Mannschaft. Gegen die Squadra Azzurra traf Kluviert nicht – und der EM-Traum endete nach einer Niederlage im Elfmeterschießen. Italien ließ nicht allzu viel zu, während die Niederlande, angepeitscht vom Heimpublikum, zuweilen zu ungeduldig spielte. Im Elfmeterschießen versagten dann die Nerven. Unter anderem verschoss Jaap Stam kläglich, während Francesco Totti völlig unbeeindruckt in die Mitte des Tores lupfte. Bitter für Kluivert: Er scheiterte schon in der regulären Spielzeit vom Punkt. 

Kluivert und die Elftal: Tore, aber keine Erfolge

Die gesamte Karriere von Patrick Kluivert in der Nationalmannschaft war durchzogen von Höhen und Tiefen. Bei großen Turnieren spielte er abgesehen von der Europameisterschaft 2000 nicht immer die ganz dominante Rolle. 2004 nominierte man ihn zwar, er blieb aber als einziger Feldspieler im Kader der Elftal bei der EM in Portugal ohne Einsatz. Sechs Tore bei Europameisterschaften, zwei bei WM-Endrunden und weitere 14 Tore in Qualifikationsspielen waren am Ende das höchste der Gefühle für den Offensivspieler.

Mit seinen insgesamt 40 Länderspieltoren für die Elftal, die nicht für einen Titelgewinn oder zumindest ein Endspiel reichten, war Kluivert allerdings lange Rekordtorschütze der niederländischen Mannschaft. Diese Marke hielt bis zum Ende des Jahres 2013, dann übertrumpfte ihn Robin van Persie mit einem Dreierpack gegen Ungarn.

Photo by Imago

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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