Stars der Europameisterschaft: Milan Baros

EM 2021

In der Geschichte der Europameisterschaften haben sich einige große Spieler in das Rampenlicht spielen können. Einer dieser Spieler war Stürmer bei der tschechischen Nationalmannschaft. Die Rede ist von Milan Baros. 

  • Milan Baros: Zwölf Jahre im Nationaltrikot
  • Drei Teilnahmen bei Europameisterschaften
  • Baros als essenzieller Faktor 2004

Milan Baros: Eine ereignisreiche Karriere

Es ist noch nicht lange her, da beendete Milan Baros (mittlerweile 39) seine Karriere als Fußballer. Bis zum Sommer 2020 spielte der Angreifer in seiner tschechischen Heimat bei Banik Ostrau. Das war nicht nur sein Jugendklub, sondern auch der Klub, von dem aus der Tscheche seinerzeit im Januar 2002 sein Abenteuer startete. Damals ging es nämlich für rund sieben Millionen Euro zum FC Liverpool. Für die Reds spielte Baros dreieinhalb Jahre, ehe es ihn weiterzog. 

Es war eine turbulente Laufbahn mit vielen Vereins- und Leihwechseln. Aston Villa, Olympique Lyon, Galatasaray, Antalyaspor: Das waren nur einige der Stationen in der Karriere des Milan Baros. Seit 2014, nachdem der Stürmer sieben Monate vereinslos war, spielte er bis zu seinem Karriereende in der tschechischen Heimat. Mit dem FC Liverpool gewann Baros die Champions League, zudem heimste er den Titel im FA Cup mit Portsmouth ein, gewann zweimal die Meisterschaft in der Ligue 1. Die Auswahl an Titeln, die der Stürmer auf Vereinsebene gewann, lässt sich durchaus sehen. 

Milan Baros

Photo by imago

Doch die Karriere von Milan Baros war durchzogen von vielen Höhen und Tiefen. Gute Momente wechselten sich mit schwächeren Phasen ab, auch dadurch kamen die zahlreichen Wechsel zustande. Konstant gut spielte der Stürmer lediglich für die Nationalmannschaft. 93 Länderspiele absolvierte Baros, dabei nahm er an drei EM-Endrunden teil. 

Milan Baros: Die EM 2004 als „sein Turnier“

Die Nationalmannschaftskarriere des Milan Baros begann schon im April 2001. Damals spielte er noch in Tschechien, galt als sehr talentierter Spieler. In seinem ersten Länderspiel, einem Testspiel gegen Belgien, traf er ebenso wie im ersten Pflichtspiel gegen Nordirland. Das erste große Turnier ließ aber noch etwas auf sich warten, denn die WM 2002 verpasste Tschechien. Nicht so die kontinentale Endrunde zwei Jahre später. Schon in der Qualifikationsphase traf Baros dreimal, doch seine große Zeit sollte erst während des Turniers folgen. 

In der Gruppe D der EM 2004 traf Tschechien auf Lettland, die Niederlande und Deutschland. Das Auftaktspiel gegen eine defensiv eingestellte und unangenehme lettische Mannschaft konnte Tschechien mit 2:1 gewinnen. Einen wichtigen Anteil daran hatte Baros, der sich einen Platz in der Startelf sichern konnte. Das ist durchaus erwähnenswert, denn die tschechische Mannschaft war bestückt mit herausragenden Spielern wie Jan Koller, Pavel Nedved, Karel Poborsky oder Tomas Rosicky.

Milan Baros

Photo by Imago

Doch zurück zum Geschehen im Auftaktspiel. Überraschend gingen die Letten in Führung, doch Tschechien reagierte. Im Anschluss an eine Poborsky-Flanke kam Baros im Strafraum an die Kugel, nahm den Ball an, behielt die Nerven und schloss im Getümmel so ab, dass der Ball zum 1:1 in das Netz flog. Auch beim 2:1-Siegtreffer hatte Baros seinen Anteil, denn nach einem langen Ball auf den Stürmer musste der Torhüter aus seinem Tor kommen, klärte unzureichend und Marek Heinz staubte ab. 

EM 2004: Baros führt Tschechien zum Gruppensieg

Der zweite Spieltag gegen die Niederlande war ein Duell der Giganten. Beide Mannschaften waren offensiv ausgerichtet und hatten zahlreiche Topspieler auf dem Feld. Wilfried Bouma brachte „Oranje“ in Führung – im Anschluss an einen ruhenden Ball. Das 2:0 legte Ruud van Nistelrooy nach. Doch dann drehte Tschechien auf. Baros drehte auf, setzt zwei Verteidiger auf den Hosenboden und bediente Koller – 2:1! Das 2:2 besorgte der kaum zu packende Stürmer dann selbst. Mit einem fulminanten Halbvolley erzielte er den Ausgleich. Doch es kam noch besser für das tschechische Team, denn Vladimir Smicer sorgte noch für das 3:2. 

Am letzten Spieltag ging es dann gegen Deutschland. Tschechien hatte sehr gute Karten auf den Gruppensieg und nutzte die sich bietende Chance auch. Zwar brachte Ballack mit einem Traumtor die DFB-Auswahl in Führung, doch Heinz hatte mit einem sehenswerten Freistoß die Antwort. Der Protagonist dieser EM, Milan Baros, schoss später zum 2:1 ein. Zwei Verteidiger konnten ihn nicht stoppen, Oliver Kahn wurde im Nachschuss bezwungen. Tschechien war Gruppensieger und das war alles andere als unverdient. 

Das „große Spiel“ im Viertelfinale – und die Enttäuschung

Tschechien gegen Dänemark, so lautete das Viertelfinale bei der EM 2004. Tschechien galt nach der guten Gruppenphase als Favorit und trat auch von Beginn an so auf. Jan Koller traf per Kopf nach einem Eckball zum 1:0, dann schlug die große Stunde von Milan Baros. In jedem Spiel dieses Turniers war er sehr gut involviert, Teil des Kombinationsspiels und sehr clever, was die offensiven Laufwege angeht. Pass von der rechten Seite, Baros löst sich von seinem Bewacher, hebt den Ball über den Torhüter – 2:0. Es kann manchmal so einfach sein. 

Milan Baros

Photo by Imago

Auch das 3:0 erzielte Baros selbst. Er krönte seine gute EM und sein gutes Spiel. Erneut war es ein Tor, das einfach aussah, aber sehr kompliziert war. Ja, der Angreifer bekam den Ball perfekt in den Lauf gespielt, doch er setzte sich im genau richtigen Moment ab, nutzte seinen Geschwindigkeitsvorteil und schloss nach kurzem Blick nach oben klug und präzise ab. Der Traum von einem großen Titel mit Tschechien lebte. Bis Griechenland kam. Die defensiv sehr stabile Mannschaft schlug wenig überraschend nach einem ruhenden Ball zu. Traianos Dellas war es, der die Träume von Baros und Tschechien in der Verlängerung beendete. Und das war das erste Spiel, in dem der Angreifer weitgehend gut verteidigt werden konnte. 

EM 2008 und 2012: Kein Protagonist mehr

Die EM 2004 war das größte Turnier in der Karriere von Milan Baros. Schon bei der WM 2006 spielte er nur eine untergeordnete Rolle. Trotzdem war der Angreifer Bestandteil zweier weiterer Europameisterschaften. Im Jahr 2008 lief es aber weder für ihn, noch für Tschechien besonders gut. Das Auftaktspiel gegen die Schweiz (1:0) konnte zwar noch gewonnen werden, danach folgten aber zwei Pleiten. Gegen Portugal gab es ein 1:3 mit Baros, der 90 Minuten auf dem Feld stand. Und gegen die Türkei gab es eine dramatische 2:3-Niederlage, bei der der Stürmer wieder einmal keine Rolle spielte. 

Vier Jahre später, 2012, befand sich Baros wieder in besserer Form. In allen vier Spielen der tschechischen Mannschaft stand er von Anfang an auf dem Platz. Die Tschechen schossen in diesem Turnier vier Tore, keines davon ging auf das Konto des Helden der EM von 2004. Lediglich im Spiel gegen Polen konnte er eine Torvorlage verzeichnen. An der insgesamt hervorragenden Karriere im Trikot der tschechischen Mannschaft ändert das aber nichts. Als er seine Laufbahn in der Nationalelf beendete, hatte Milan Baros 93 Spiele absolviert und 41 Tore erzielt. In vielen Jahren und in vielen Spielen war er mit seiner enormen Spielintelligenz ein essenzieller Faktor. Und vor allem die EM 2004, sein Turnier, wird immer in Erinnerung bleiben. 

Photo by Imago

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ähnliche Artikel

Nach Online-Rassismus gegen englische Nationalspieler: Polizei nimmt erste Täter fest

Nach Online-Rassismus gegen englische Nationalspieler: Polizei nimmt erste Täter fest

16. Juli 2021

News | Marcus Rashford, Jadon Sancho und Bukayo Saka vergaben im EM-Finale die Elfmeter, weshalb England schließlich verlor. Anschließend litten sie unter Rassismus im Netz. Nun vermeldete die Polizei Ermittlungserfolge. Rassismus gegen England-Trio: Polizei findet vier Täter und kündigt konsequentes Vorgehen an England schnupperte Sonntag erstmals am EM-Titel. Doch das Elfmeterschießen ging tragisch gegen Italien […]

Bukayo Saka: „Ich wusste sofort, welchen Hass ich abbekommen würde“

Bukayo Saka: „Ich wusste sofort, welchen Hass ich abbekommen würde“

15. Juli 2021

News | Mit Bukayo Saka hat sich ein weiterer Elfmeterschütze Englands nun zu Wort gemeldet.  Der Spieler von Arsenal kritisiert auch Instagram, Facebook und Twitter. Bukayo Saka kritisiert Social Media Plattformen Nachdem sich schon Marcus Rashford und Jadon Sancho auf ihren Social Media Kanälen zu Wort gemeldet haben, gibt es nun auch ein Statement von […]

England: Fans sollen nach Rassismus im Netz schneller von Spielen ausgeschlossen werden

England: Fans sollen nach Rassismus im Netz schneller von Spielen ausgeschlossen werden

14. Juli 2021

News | Nach dem Endspiel der Europameisterschaft zwischen England und Italien wurden drei Spieler der „Three Lions“ Opfer rassistischer Beleidigungen in den sozialen Medien. Zukünftig soll dieses Problem stärker bekämpft werden.  Nach Vorfällen bei der EM: England will Online-Rassismus weiter bekämpfen Nach den Vorfällen im Anschluss an das Finale der EM 2021 gab es erneut […]


'' + self.location.search