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EM 2024 | Scheitert ein Top-Team in der Hammergruppe B?

10. Juni 2024 | Spotlight | BY Jannek Ringen

In wenigen Tagen geht sie los, die Europameisterschaft 2024. Vor dem Turnier werfen wir für Euch einen Blick auf die Gruppen der EM 2024. Heute im Fokus: Die Gruppe B mit Spanien, Italien, Kroatien und Albanien. Wer setzt sich durch?

Gruppe B: Die stärkste bei der EM 2024?

Lange haben die Fans drauf gewartet und am Freitag startet sie endlich, die Europameisterschaft 2024. In der Woche vor dem Turnier werfen wir einen Blick auf die sechs Gruppen. Heute ist die Gruppe B mit Spanien, Italien, Kroatien und Albanien dran. Die Gruppe hat das Potenzial, die beste bei der EM 2024 zu sein, denn mit Titelverteidiger Italien, dem ewigen Favoriten Spanien und dem WM-Dritten Kroatien ist die geballte Qualität vorhanden. Nur Außenseiter Albanien fällt etwas ab, rein nominell. Scheitert hier schon ein Top-Team in der Gruppenphase?

EM 2024: Der Spielplan der Gruppe B

Samstag, 15. Juni, 18 Uhr: Spanien vs. Kroatien (Berlin)
Samstag, 15. Juni, 21 Uhr: Italien vs. Albanien (Dortmund)

Mittwoch, 19. Juni, 15 Uhr: Kroatien vs. Albanien (Hamburg)
Donnerstag, 20. Juni, 21 Uhr: Spanien vs. Italien (Gelsenkirchen)

Montag, 24. Juni, 21 Uhr: Kroatien vs. Italien (Leipzig)
Montag, 24. Juni, 21 Uhr: Albanien vs. Spanien (Düsseldorf)

Die Kader der Gruppe B findet ihr hier



Spanien: Auf der Jagd nach dem nächsten Titel

Zwischen den Jahren 2008 und 2012 waren die spanische Nationalmannschaft und der spanische Fußball das Maß aller Dinge in ganz Europa. Zweimal hintereinander gewann die Mannschaft von Vincente del Bosque die Europameisterschaft und zwischendurch wurde La Furia Roja noch einmal Weltmeister. Doch seitdem schaffte es die spanische Auswahl nur einmal über das Achtelfinale hinaus und gehört auch in diesem Jahr nicht zu den Top-Favoriten des Turniers. Dennoch möchte Spanien bei der EM 2024 so weit wie möglich kommen und nach dem nächsten Titel greifen.

Nach dem Aus bei der WM in Katar im Achtelfinale gegen Marokko musste Luis Enrique seinen Stuhl räumen und Luis de la Fuente übernahm. Der 62-Jährige war lange Jahre im Nachwuchs der Spanier tätig und weiß, wie man Trophäen gewinnt. Sowohl mit der U19- als auch mit der U21-Nationalmannschaft wurde er Europameister und gewann auch direkt die Nations League mit den Spaniern. „Mir gefällt die Idee, Kombinationsfußball zu spielen, das Spiel zu kontrollieren und den Ball laufen zu lassen“, so der Trainer der Seleccion, der mit seinem 4-2-3-1 den typisch spanischen Fußball verkörpert.

Die spanische Auswahl verfügt über eine spannende Mischung aus erfahrenen Spielern wie Daniel Carvajal und Rodri sowie Talenten wie Lamine Yamal und Pedri. Allerdings ist der Kader der Spanier qualitativ deutlich schwächer besetzt als noch in den vergangenen Jahren. Mit Ausnahme von Rodri fehlen Spieler von Weltklasse-Format. Außerdem fehlt es den Spaniern, die Gegner immer wieder mit endlosen Ballbesitzphasen müde spielen können, an Durchschlagskraft in der Offensive. Die Testspiele gegen Andorra (5:0) und Nordirland (5:1) sind kein wahrer Gradmesser für das Turnier, zeigen jedoch, dass man gut in Form ist.

EM 2024: Spanien ist in guter Form.

(Photo by JAIME REINA/AFP via Getty Images)

Italien: Der amtierende Europameister gehört nicht zum Favoritenkreis

Italien ist eine stolze Fußball-Nation. Vier WM-Titel sowie zwei EM-Titel machen die Squadra Azzurra zu einer der erfolgreichsten Nationen und sprechen eine deutliche Sprache. Doch in den vergangenen Jahren erlebten die Tifosi eine regelrechte Achterbahnfahrt. Im Jahr 2018 verpasste die Auswahl zum zweiten Mal seit 1958 einer Weltmeisterschaft. Dann gewann Roberto Mancini die Europameisterschaft mit den Italienern. Die darauffolgende WM verpasste man jedoch, da sich das Team gegen Nordmazedonien in den Playoffs geschlagen geben musste. Um die Qualifikation für die EM 2024 musste man ebenfalls zittern, weshalb der Titelverteidiger nicht zum Favoritenkreis gehört.

Im Herbst 2023 übernahm Luciano Spalletti, der zuvor mit der SSC Neapel den ersten Scudetto seit 33 Jahren geholt hatte und als großes Taktikgenie gilt, die Squadra Azzurra von Roberto Mancini. Seinen ballbesitzorientierten und sehr ansehnlichen Spielstil konnte er der Mannschaft noch nicht einimpfen, wie er kürzlich selbst im Testspiel gegen die Türkei feststellen musste. „Wir sind noch nicht in optimaler Form. Wir müssen noch hart arbeiten, ich kenne aber die Qualität der Mannschaft und bin zuversichtlich“, sagte er nach dem 0:0 gegen die von Landsmann Vincenzo Montella trainierten Türken.

In der Vergangenheit, zum Beispiel bei den WM-Titeln von Deutschland und Spanien, hat man gesehen, dass ein Block von erfolgreichen Spielern bei großen Turnieren zum Erfolg führen kann. Mit Alessandro Bastoni, Federico Dimarco, Matteo Darmian, Nicolo Barella und Davide Frattesi setzt Spalletti gleich auf fünf Spieler von Inter Mailand, die souverän die italienische Meisterschaft gewinnen konnten. Ein großer Pluspunkt. Allerdings präsentierten sich die Italiener, anders als 2021, nicht wirklich formstark. Zudem drückt in der Offensive der Schuh, denn weder Gianluca Scamacca noch Matteo Retegui sind in der Vergangenheit als Torjäger in Erscheinung getreten.

EM 2024: Italien gehört nicht zum Favoritenkreis.

(Photo by Claudio Villa/Getty Images)

Kroatien: Setzt sich die Erfolgsgeschichte fort?

Die jüngere Länderspiel-Historie der kroatischen Nationalmannschaft ist eine wahre Erfolgsgeschichte. Seitdem Zlatko Dalic 2017 übernommen hatte, schwebt man förmlich auf der Erfolgswelle. Bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland erreichte die Mannschaft um Altmeister Luka Modrić völlig überraschend das Finale, wo man sich gegen Frankreich geschlagen geben musste. Vier Jahre später in Katar kürte man sich zum WM-Dritten. Bei der vergangenen Europameisterschaft schied die Auswahl jedoch im Achtelfinale gegen starke Spanier aus. Wie weit kann es bei der EM 2024 für Kroatien gehen?

Nationaltrainer Dalic vertraut auch bei der EM 2024 wieder auf einige alte Weggefährten. Mit im Kader sind mit Luka Modrić, Ivan Perišić, Domagoj Vida, Mateo Kovacic, Marcelo Brozovic und Dominik Livakovic gleich mehrere alte Vertraute. Ergänzt wird diese Erfahrung um vielversprechende Spieler wie Martin Baturina, Josko Gvardiol oder Lovro Majer. Auch wenn man denkt, dass die goldene Generation Kroatiens bei diesem Turnier abdanken wird, darf man sich in dem kleinen Land auf eine glorreiche Zukunft freuen. Vor allem Rekordspieler Modrić möchte nach seinem nächsten Titel in der Champions League noch einmal mit seinem Land für Aufsehen sorgen.

Dabei setzt die Dalic-Elf auf zwei ganz wichtigen Faktoren, die bei großen Turnieren oftmals zum Tragen kommen. Auf der einen Seite ist sie unheimlich gut eingespielt, da die Spieler seit mehreren Jahren zusammenspielen und das unter dem gleichen Trainer. Auf der anderen Seite hat die Erfahrung sie oftmals eine Runde weitergebracht. Auf diese können sie auch bei diesem Turnier zurückgreifen. In der EM-Qualifikation landete man auf dem zweiten Platz hinter der Türkei. Die Testspiele waren ein 3:0-Erfolg gegen Nordmazedonien sowie 2:1-Erfolg über Mitfavorit Portugal.

EM 2024: Das letzt große Turnier von Luka Modric.

(Photo by Carlos Rodrigues/Getty Images)

Albanien: Der klare Außenseiter

Albanien hat sich nach 2016 zum zweiten Mal für eine Endrunde der Europameisterschaft qualifiziert. In der Gruppe mit Frankreich, der Schweiz und Rumänien schied die stolze Nation als Gruppendritter aus und verpasste es trotz eines Sieges gegen die Rumänen, sich für das Achtelfinale zu qualifizieren. Die Chancen stehen in diesem Jahr nicht wirklich besser, denn mit Spanien, Italien und Kroatien hat die Mannschaft von Trainer Sylvinho wohl eine der härteren Gruppen erwischt und geht als Außenseiter an den Start. Allerdings möchte sich der Trainer, der beim FC Barcelona unter Pep Guardiola gespielt hat, mit seiner Mannschaft auf der größtmöglichen Bühne beweisen.

Obwohl man mit Spielern wie Berat Djimsiti von Europa-League-Sieger Atalanta Bergamo, Armando Broja vom FC Fulham oder Kristjan Asllani vom italienischen Meister Inter Mailand spannende Spieler in der Mannschaft hat, führt der Weg wie so oft bei kleineren Mannschaften über die Geschlossenheit. Im modernen 4-2-3-1-System von Sylvinho setzt der Brasilianer auf Kompaktheit und eine defensive Stabilität. Diese führte auch dazu, dass man sich in der Qualifikation für die EM 2024 als Gruppensieger gegen Tschechien und Polen durchsetzen konnte. Zu Beginn des Jahres verlor man beide Testspiele gegen Schweden und Chile, vor dem Turnier präsentierte man sich jedoch in guter Form und konnte Liechtenstein (3:0) und Aserbaidschan (3:1) souverän bezwingen.

EM 2024: Albanien ist der Außenseiter in Gruppe B.

(Photo by Linnea Rheborg/Getty Images)

90PLUS-Prognose zur Gruppe B

Eine klare Rollenverteilung gibt es in Gruppe B nicht wirklich. Klar ist nur, dass Albanien der Außenseiter in dieser Gruppe ist und es sehr überraschen würde, wenn sie in das Achtelfinale einziehen würden. Aufgrund ihrer Historie und ihrer individuellen Klasse sind Spanien und Italien leicht favorisiert auf das Erreichen der ersten beiden Plätze, jedoch wird Kroatien nicht zu unterschätzen sein. Die Mannschaft von Zlatko Dalic hat in den vergangenen Turnieren ihre Klasse unter Beweis gestellt und verfügt über viel Erfahrung, die beispielsweise einigen im spanischen Team noch fehlt. Die Italiener präsentierten sich zudem nicht allzu sattelfest in den Testspielen vor der EM 2024.

Zwischen Spanien, Kroatien und Italien dürfte es eng werden, im Kampf um die ersten beiden Plätze. Aufgrund der individuellen Qualität und der aktuellen Form sind die Spanier Favorit auf den Gruppensieg. Dahinter duellieren sich Europameister Italien und der WM-Dritte Kroatien wohl um Platz zwei, wobei die Squadra Azzurra leicht im Vorteil ist. Da sich auch die vier besten Dritten der Gruppe für das Achtelfinale qualifizieren, darf sich Kroatien ebenfalls gute Chancen ausrechnen.

(Photo by Andy Rain – Pool/Getty Images)

Jannek Ringen

Sozialisiert durch die Raute von Thomas Schaaf, gebrochen durch den Abstieg unter Florian Kohfeldt. Fußball in Deutschland ist sein Fachgebiet, aber immer mit einem Blick in England und Italien.


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