Montag, November 30, 2020

DAZN-Original “The Making Of” – “Diese Dinge bleiben für immer”

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Damian Ozako
Damian Ozako
Redakteur

Spotlight | Ab heute ist das DAZN-Original “The Making Of” abrufbar. In der neunteiligen Dokuserie gewähren die drei Superstars Cristiano Ronaldo, Neymar Jr. und José Mourinho den Zuschauern intime Einblicke und reden ausführlich über einige der wichtigsten Momente ihrer Karriere. Weggefährten, Journalisten und Fans kommen ebenfalls zu Wort. 90PLUS durfte sich vorab exklusiv einige Folgen angucken. 

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Den ganz Großen plötzlich so nah 

Die gesamte Sportart Fußball hat sich in den vergangenen Jahren rapide verändert. Viele Fans fühlen sich etwas abgehangen und haben Schwierigkeiten, den modernen Fußball ins Herz zu schließen. Ein komplett überhitzter Transfermarkt mit ständig neuen Rekordablösen, streikenden Spielern und Minderjährigen, die zum Kapital für ihre Berater werden und in abstruse Transfermodelle gesteckt werden. Mit der Basis hat die oberste Riege gefühlt nichts mehr zu tun. Dementsprechend kann man als Fan schon mal die emotionale Nähe zu einzelnen Akteuren verlieren. 

Dass selbst die ganz Großen im Geschäft, und dazu gehören Cristiano Ronaldo, Neymar Jr. und José Mourinho nun mal, Probleme und Gedanken wie jede andere Person haben, vergisst man schnell. Vor allem die drei genannten Akteure. Sie sind allesamt sehr streitbare Persönlichkeiten, die man entweder liebt oder hasst. Ronaldo mit seiner Arroganz, Neymar mit seinen Schauspieleinlagen und Starallüren sowie Mourinho mit seinen abstrusen Aussagen und fragwürdigem Verhalten. Wenn ausgerechnet diese drei auf emotionale Art und Weise ihre Karriere Revue passieren lassen, ist das ein erfrischendes Erlebnis. Vor allem, weil es sich echt anfühlt. 

Mourinho mit Tränen in den Augen

Wenn The Special One über das Triple mit Inter spricht, merkt man, wie viel ihm nicht nur der Erfolg, sondern viel mehr die Mannschaft und der Verein bedeuten. Bis heute tauschen sie sich in einem Gruppenchat aus und Mourinho hält den Kontakt täglich aufrecht, wie Júlio César, ehemaliger Keeper der Nerazzurri, verrät. Immer wieder wird die familiäre Atmosphäre betont, die damals herrschte. Als Boss habe er Mourinho nicht wirklich wahrgenommen, so César, eher als Vater, der das Beste für seinen Sohn will. Der portugiesische Startrainer sah die Mannschaft auch als seine Familie. Sie waren keine Freunde. Sie waren Brüder. 

(CHRISTOPHE SIMON/AFP/Getty Images)

Und diese Brüder haben 2010 zusammen das Triple geholt. Das Champions-League-Finale gegen Bayern München mit 2:0 gewonnen. Hierzu hatte Mourinho ebenfalls viel zu sagen:

“Spiele wie dieses gewinnt man als Familie und man verliert sie als Familie. In diesem Fall gewann die Familie und ich würde sogar sagen, sie gewann vor dem Anstoß.”

Dass Inter an diesem Abend gewinnen würde, hatte er die ganze Zeit im Gefühl. Louis van Gaal, an dessen Seite er in Barcelona trainierte, kannte er nur allzu gut. Er wusste, dass er seine Taktik nicht anpassen würde und er die richtige Strategie entwickeln würde. Er spricht von emotionalen Aspekten, Vertrauen, Selbstwertgefühl, Freundschaft und Brüderlichkeit bei Inter. All dies hätte dazu geführt, dass man die Bayern schlagen und das Triple holen konnte. Mourinho kommen die Tränen hoch. Warum er Inter trotzdem Richtung Madrid verlassen hat? Einmal den Königlichen abzusagen ist schwer, zweimal sehr schwer und dreimal schlichtweg unmöglich. So verließ er das “geschichtsträchtigste Team im italienischen Fußball”, wie er die Truppe selbst nannte. Er konnte nicht einmal zurück mit ihnen nach Mailand, weil er Angst hatte, dass er seinen Abgang nach einer richtigen Verabschiedung überdenken würde. Dieser trauert man in Mailand bis heute hinterher. Sie wollten ihn unbedingt ein letztes Mal noch feiern.

Ronaldo und die Nervosität

CR7 ist nicht unbedingt dafür bekannt, dass er Schwächen zeigt. Er ist die eiskalte Tormaschine, die reihenweise Trophäen gewinnt und deren Ego gefühlt mit jedem Ballkontakt größer wird. Ausgerechnet von ihm zu hören, wie er zugibt, dass er vor Spielen nervös ist, hat etwas merkwürdig beruhigendes an sich. Als er 2003 mit Sporting zur Einweihung des neuen Stadions auf Manchester United traf, wusste er bereits, dass die Red Devils und etliche andere Vereine ihn auf dem Zettel hatten. Er war sehr nervös vor dem Spiel, weil er wusste, dass es eine gute Möglichkeit war sich zu präsentieren. Doch es sei völlig normal aufgeregt zu sein, wenn man Bestleistungen abrufen will. Ronaldo habe einfach darauf geachtet eine gute Partie abzuliefern, nicht nur für sich zu spielen, sondern mannschaftsdienlich aufzutreten. Er überzeugte letztendlich so sehr, dass Sir Alex Ferguson direkt nach dem Spiel mit ihm gesprochen hat und den damals 18-Jährigen von einem Wechsel überzeugen wollte. Aus dem nervösen Teenager wurde mittlerweile ein fünfmaliger Weltfußballer, der Herausforderungen entspannter angeht, aber weiterhin denkt, dass Nervosität dazu gehöre und mit entsprechender Konzentration kein Problem darstellt. 

(NICOLAS ASFOURI/AFP/Getty Images)

Neymar und sein Spiel des Lebens

Immer einen kühlen Kopf zu bewahren, war auch am 08.03.17 wichtig: Der FC Barcelona empfing PSG zum Rückspiel des Champions-League-Achtelfinales. Das Hinspiel verloren die Katalanen mit 0:4. An ein Comeback zu glauben, fiel den meisten schwer. Barça-Spieler Rafinha gibt offen zu, dass er in den Tagen zuvor fest mit einem Ausscheiden gerechnet habe. Derjenige, der den Glauben aufrecht erhielt und dies auch öffentlich so kommunizierte, war Neymar. Ein Fan meldet sich in der Doku zu Wort und zeigt sich äußerst dankbar dafür, dass ein Akteur so offensiv umging mit der Herausforderung. 

Der Brasilianer ließ seinen Worten auch beeindruckende Taten folgen: Er holte zwei Elfmeter raus, verwandelte einen davon, erzielte ein wunderschönes Freistoßtor und bereitete den entscheidenden Treffer von Sergi Roberto zum 6:1 vor. Sein wohl bis heute bestes Spiel. Getragen von dem Glauben das Unmögliche möglich zu machen. Messi wollte sogar, dass Neymar den zweiten Elfmeter übernimmt, weil er spürte, dass er in dem Moment das nötige Selbstvertrauen hatte, um den Job zu erledigen. Nur eine der vielen kleinen Anekdoten, die es zu dem Spiel gab. Die Katalanen hatten nichts mehr zu verlieren und wollten den Zuschauern eine gute Show bieten. Dabei den Einzug ins Viertelfinale klar zu machen, war nicht unbedingt der Grundgedanke, aber mit dem nötigen Fokus haben sie es tatsächlich geschafft. Für Neymar eine Partie für die Ewigkeit: 

“Das war etwas, das ich wohl nie wieder erleben werde. Deshalb werde ich mich mein Leben lang daran erinnern.”

(Photo by Laurence Griffiths/Getty Images)

“Diese Dinge bleiben für immer”

Die zeitliche Distanz zu den Ereignissen führt zu reflektiertem Erinnern. Bei den Erzählungen ist natürlich viel Nostalgie im Spiel, aber mit der gewissen Note Abstand, die das ganze zu einem interessanten Ausflug zu wichtigen Karrierestationen dieser Persönlichkeiten macht. Es macht Spaß den sonst eher unnahbaren Stars dabei zuzugucken, wie sie über sich und ihre Teamkollegen sprechen. Gedankengänge, die jeder nachvollziehen kann. Familiärer Zusammenhalt innerhalb des Vereins, Nervosität vor Spielen sowie der Umgang damit und der Glaube an sich und seine Fähigkeiten, egal wie aussichtslos die Situation auch erscheinen mag. Das alles betrifft nicht nur Spitzensportler, sondern auch Hobbykicker. Durch die Fans, die immer wieder die Spiele aus ihrer Sicht kommentieren, fühlt man sich hervorragend repräsentiert. Es ist eine äußerst angenehme und auch ruhig gestaltete Doku. Man gibt den Akteuren den Platz sich ausführlich und emotional zu äußern. Witzige, aber auch ernste Momente wechseln sich ab und man fühlt sich als Zuschauer bestens informiert

So absurd das Geschäft auch sein mag, es ist immer noch Fußball. All die negativen Seiten, die Korruption, die horrenden Ablösesummen, das Entfernen von der eigenen Basis und vieles mehr lassen einen manchmal vergessen wie großartig dieser Sport ist und welche Geschichten er schreiben kann. Die Besten der Besten sind letztendlich immer noch Menschen, die mit ihren Teamkollegen auf dem Platz um Siege kämpfen und dabei dieselben Emotionen fühlen wie Amateure. Das klingt nicht nur furchtbar kitschig, es ist auch so. Aber so ist der Fußball nunmal.

Und diese Nähe, die immer öfter verloren geht, wird durch “The Making Of” gut vermittelt. Man ist den großen Akteuren, so fern ihre Lebensrealität sich von der eigenen auch befinden mag, plötzlich wieder sehr nahe. Das macht diese Dokureihe äußerst empfehlenswert. Wie Mourinho treffend formulierte: “Diese Dinge bleiben für immer.” Das gilt sowohl für die Verantwortlichen auf und neben dem Platz als auch für die Fans. 

“The Making Of” ist ab sofort auf DAZN verfügbar.

Damian Ozako

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